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Vernunft, öfters auch nur einem Analogen derselbe»,anschmiegen. Sermo datur cunctis . . . kann mannirgends mit mehr Recht sagen.
So entsteht ihre Höflichkeit, eine Halbtugenb,worin es die Pariser vor aller Welt am weitesten ge-bracht haben, und diesen Ruhm muß man ihnen lassen;denn wenn sie auch gleich nichts weiter ist, als Ge-fälligkeit in Worten, so ist doch dieß schon ein Ver-dienst, das jedermann behagt, und auch oft den Be-trug versüßt, da hingegen die Grobheit niemand alssich selbst und der Schadenfreude gefällt.
Man würde sich auch irren, wenn man annehmenwollte, nach der Revolution seyen jetzt die Pariser weniger höflich; ich glaube vielmehr, sie seyen es mehrals vorher, aus dem gleichen Grunde, warum, nachBrydone, auf der Insel Malta mehr Lebensart herr-schen soll als irgendwo, weil nun jeder von dem an-dern Genugthuung fordern kann, und daher keine ver-ächtliche Behandlung mehr geduldet wird. Was indem Sturme der Revolution geschah, wo der Teufellos und Grobheit an der furchtbaren Tagesordnungwar, darf nicht dagegen gezählt werden, eben weil esein vorübergehender Sturm war, auf welchen die na-türliche Heiterkeit bald wieder folgen mußte.
Inzwischen ist Höflichkeit noch so weit von Dienst-bereitwilligkeil verschieden, als Wort von That; auchkann gewiß mancher kalte und trockene Ausländer indieser letzter« wirklichen Tugend den aufmerksamstenHe-nerS Werke. Bd. I. 12