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sehe. Ich lernte nun, daß ein Stück auf der Bühneausgelebt haben kann, wenn es noch lange lm LesenWirkung thut; so wie es hingegen Schauspiele gibt,die man nicht lesen kann, und die sich auf der Bühnedoch ganz ordentlich ausnehmen. Dieses hier wirdwohl nur darum noch aufgeführt, weil Ludwig XIV , derals Kinig sonst nicht viel lachen zu dürfen glaubte, sichüber der komischen Kraft desselben so vergaß, que la couren sut étonnée, und eê also in dem „goldnen Zeitalterdes Geschmacks" sein Glück machte, welchem Geschmackman noch immer scheinbar huldigen zu müssen glaubt.
Heute (31. May) ist eö Sonntag. Von Zugendauf hat sich in meiner Seele eine feyerliche und poe-tische Ansicht dieses Tages festgesetzt, deren ich durchkeine spätere Belehrungen des Unglaubens los werdenkonnte, und es jetzt nicht mehr werden mag. AlsKnabe hatte ich Ferien, das Sonntagskleid, aß zuGaste, und die Unlust an der Predigt wurde mir durchden vierstimmigen Choralgesang wieder gut gemacht,der, wenn er am lautesten ertönte, mich so oft in jenejugendlich schwärmerischen Ahnungen versetzte, derenErfüllung uns in spätern Zeiten bisweilen »och wieein Schimmer au« dem Verlornen Paradiese trifft.Auch a» den Glocken hatte ich meine Lust, und oftversuche ich jetzt noch, wie damahls, aus ihrem Klangihre Anzahl zu errathen. Die Reinlichkeit und Stilleder Straßen weckte meine Ordnungsliebe, und machte.