66a Tentini.
gleichsam ein Spiegel der Natur, und man kanndieselbe nicht getreuer vorstellen. Man schätzt seinekleinen Bilder besonders hoch; unter diesen findetman einige, welche Abendstücke genannt werden,weil er sie nach der Nachtmahlzeit anfieng und aus-arbeitete. Temer verstand die Kunst, helle Fär-düngen von andern hellen zu unterscheiden. Manmuß auch seines Talentes nicht vergessen, die Ma-nieren der größten Meister genau nachzuahmen,Erwähnung zu thun, weswegen er der Affe derpJarur genannt wurde. Seine Färbung fällt öftersins Graue und Röthlichte; auch tadelt man seinekurzen Figuren, und die wenige Abänderung seinerComposttion. Seine Werke, welche jetzt in Frank-reich und überall so beliebt sind, waren ehedem andem Hofe Ludwig des XI V. äusserst verachtet; wasman hieraus für einen Schluß auf den Unterschieddes Geschmackes ziehen könne, überläßt man An-dern, ausfindig zu machen. Man genüget sich hierein Beyspiel von dem heutigen Werthe seiner Arbeitanzuführen. Gaignat besaß von diesem Meister eineKirchweihe, die um i? 65 . auf einer öffentlichenGant für iSoZc, Livres verkauft wurde. Er verfer-tigte so viele Gemälde, daß man, seiner eignen Sagenach, zwey Meilen Wegs damit bedecken könnte.Tenier etzte selbst ein Dauernfest, und e. a. Blätternach eigener Zeichnung Sein Kupferwcrk ist sehrzahlreich, und wird noch täglich von französischen Kupferstechern vermehrt. M Oesterreich schätztes auf 58 <r. Blätter, worunter sich sein l'keatrurnpictoricum befindet. Von diesem Werke giebtDescamps (II. i 55 .) eine Beschreibung die keinenGlauben verdient; denn er hält die Gemälde, dieer in dieser Sammlung herausgegeben, für bloßeNachahmungen (Pastiches), die Tenier nach denMeistern, deren Namen auf diesen Blattern stehen,nachgemacht habe. Es ist aber bekannt, daß derErzherzog Leopold ein prächtiges Kabinet von Ma-lereyen gesammelt, und Teuer giebt in gedachtemWerke einen Abriß von der Galerie, in welcher sieausgesetzt waren. Mit was für Wahrscheinlichkeitkann man denn glauben: Teuer habe mit Vor-wissen seines Fürsten das Publikum getäuscht undseine Pastiches für die Originalgemalde, die sichwirklich in dem Kabinette des Erzherzogs befan-den, ausgeben wollen? Diese Sammlung wardseit der Zeit nach Wien gebracht, und macht jetzteinen Theil der kaiseri. Galler.e aus. Viele Blätter,welche Premier von dieser Gallerte herausgegeben,find offenbare Wiederholungen des obbemeldtenTheatrum. II. ibZ.
Tentini (Ioh. Baptist). S. den Art. Lud-wig Sadolerri. — Man siehet an den Mauernund der Decke eines Porticus in der Strasse zuBologna sehr schöne perspektivische Gemälde, dieeinem Johann Tentini zuschreibt. ^Lcoro.
Tenroretto. S. Tintorerro.
Teocides S. Theocydes.
Teodoli (tzieronymus, Marchese), ein Lieb-haber der Baukunst, die er ohne Unterweisung er-lernte. Nach seinen Zeichnungen ward das schöneNonnenkloster und ihre Kirche S. S. Pietro undMarcellino bey St. Giovanni Laterans und dieKirche S. S. Quatro Coronati zu Rom erbaut. Erst. daselbst 1764 89. I. alt. Mvna/äi»i p. 418.
Teodon (Johann), französischer Bildhauer,hielt sich lange Zeit zu Rom auf, wo er verschiedeneWerke verfertigte, als : Die Ausjierung eines Al-tars in der Carmeliterkirche; eine Gruppe von fünfFiguren an dem Altare des H. Jgnatius in derJesuilerkirche Jesus, wo gegenüber eine andereGruppe von Peter le Gros zu sehen ist; dann dasGrabmal der Königin Christina von Schweden inder St. Peterskirche. Als er in Frankreich zurück-kam, verfertigte er einige Werke für die königl. Gär-te» der Thuilleries und zu Versailles . Er war Mit-glied der Academie zu Paris , und st. daselbst 1712.S. den Art. Anron Alignini. Quarienti.
Teoscopoli (Dominicus), genannt Greco,geb. in Spanien 1^8. lernte zu Venedig bey Tirign,
Terlee.
den er in seinen ersten Gemälden nachahmte, wieman solches in verschiedenen Kirchen zu Madrid und hin und wieder im Königreiche, besonders aberin der Sacristey der Hauptkirche zu Toledo an derKreutzigung Christi, einem trcflichen Gemälde, undan einigen Bildnissen sehen kann. Er veränderte abernachher seine Manier so sehr, daß er allen seinenerworbenen Ruhm darüber einbüßte Er übte auchmit gutem Erfolg die Bau- und Bildhauerkünste.Greco st. zu Toledo 1825. 62.
Terbaud ( ), französischer Kupferstecher,
arbeitete nach I. Vernet, u. s. w.
Terbruggen (Heinrich), Maler aus Sie-benbürgen; lernte bey Abraham Bloemaert . Erhielt sich zehn Jahre zu Rom auf, wo er vielenRuhm erlangte, und verschiedene große historischeGemälde verfertigte, die hin und wieder zerstreutsind: Ein sehr schönes siehet man in einer der vor-nehmsten Kirchen zu Neapel. Rubens hielt ihn füreinen der beßten Mahler in Niederlanden . Ter-bruggen arbeitet zu Utrecht , wo er 1829. 4,. I.alt starb. He-cam-,5 I. Z/I.
Terburg (Gerard), eines Malers Sohn vonZwoll, trat als Hofmaler in königlich-spanischeDienste, wo er überall geliebt und geschätzt wurde.Daraufgieng er nach London und hernach in Frank-reich , und allenthalben ward so wohl sein morali-scher Charackter als seine Kunst von jederman be-wundert. Endlich kam er in sein Vaterland zurück,setzte sich zu Deventer , und ward zum Bürgermeisterdieser Stadt erwählt. Er st. in Ehre und Anseheni68r. 71. I. alt, und ward in seiner Geburtsstadtbegraben. Nebst den Bildnißen wählte er öftersdie Gegenstände zu seinen Gemälden aus dem ge-meinen Leben. Sein Geschmack in der Zeichnungist schlecht und etwas plump; hingegen ahmte erdie Stoffen seiner Gewänder, besonders den Atlassehr wohl nach, und seine Werke, die in Ansehungdes Colorits sowohl als der guten Erfindung ihmeinen unsterblichen Ruhm erwarben, würden un-schätzbar seyn, wenn er nicht öfters der Natur allzusklavisch gefolgt wäre. Sein vornehmstes Bild ist dieBeschwörung des Münsterischen Friedens, welcheszugleich das Meisterstück des Kupferstechers JonasSuyderhoef ist. H. Bary, Th. Matham, tzs. Valkund viele französisch« Stecher haben nach ihm ge-arbeitet. Terburg unterwies seine Schwestern inder Kunst, und seine Tochter Maria untermalte dieWerke ihres Vaters mit so vieler Geschicklichkeit,daß sie, von ihm ausgeführt, für seine eigene Ar-beit gehalten wurden. DenaM/n I. 12Z.
Terb u sch (Anna Dorothea ). S. Lisieurveky.
Terenzio, von Urbino , war einer von denMalern, die ihre Arbeit für Werke alter Meisterausgeben. Er war gewohnt, alte vom Rauch ge-schwärzte und von Würmern angefreßne Gemäldeaufzukaufen, und einige Figuren darauf zu malen,die er hernach mit Firniß, Kleister und Rauch sozuzurichten wußte, daß sie wie Ueberbleibsel vonetlichen Jahrhunderten aussahen, wodurch er diefeinsten Kenner zu täuschen wußte; aber dieserBetrug währte nicht lange, und stürzte ihn ins Ver-derben. Eines seiner Gemälde ward an den Car-dinal Montalto seinen Gönner und Gutthäter ver-kauft, der diesen Betrug entdeckte, und den Malervon sich jagte, worüber sich dieser so sehr betrübte,daß er darüber starb ; solches geschah unter der Re-gierung Paul V. um iviö. Man siehet von Terenzio Gemälde in fünf verschiedenen Kirchen zuRom . La§/io»r p. 149.
Ter-Himpel (A.). S. Himpel.
Teri'Hr (Franz), Bildhauer von Feltro, ver-fertigte zwo Figuren von Erzt, welche die WeihsWassergefäße der Kapuzincrkirche St. Salvadorealla Guidecca zu Venedig zieren. Er lebte um1610.
Terlee ( . . van), malte, nach HoubrakeneBericht, gute historische Bilder. Die Entführung