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Mahlerische Reise in die italienische Schweiz / mit geäzten Blättern von J. H. Meyer
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Nichts ist so veränderlich wie die Witterung in den Gebürgen. Jezt dunkle regnerische Luft,kalte unbeleuchtete Berge, die schönsten Gegenden ohne Reiz und Interesse. Plözlich zerstreutder Wind die Wolken, die 8traten der Sonne blizen zwischen durch, und streuen goldnes Lichtund mit ihm Leben und Herrlichkeit auf die Landschaft. Dies Schauspiel sahen wir auf demWege nach Gold au und Löwe r z. Im leztern Orte bestiegen wir ein Schiff und fuhren überden Lowerzersee. Welche Reize, welche Anmuth hat dieser kleine See! Kalb umgürtet vonhohem buschigtem Felsufer, um welches steh der Weg herumzieht; zur andern Seite in hellerBeleuchtung liebliches Mattland und das Dörfchen Steinen; vorwärts der kahle Adythen unddie Schweizer haken. Zwey romantische Inseln, zwischen denen wir vorbeyschifften, scheinenfür den stillen Aufenthalt eines Weisen, eines Dichters oder eines Malers, geschaffen zu seyn.Ein beneidenswerthes Glük können da zwey Eremiten genieffen, wenn weder Ueberclruss derFreuden des Lebens, noch stolze Absonderung, sondern Liebe zu stillem Genusse der Schön-heiten der Natur sie in diese Einsamkeit lokte. Ihre bescheidenen Zellen sind das Bild der Genüg-samkeit und Ruhe, und traulich schmiegt sich die eine mit ihrer Kapelle an die in Moder zerfal-lenden Reste der Zwingburg von Schwan au. ü

In Brunnen, wohin wir bey Regen und Sonnenschein am Abend anlangten, zog eineherrliche Scene noch unsre ganze Aufmerksamkeit an sich. Ein graudunkler melancholischerWolkenvorhang umhüllte den Fleken Schweiz und seine Gebtirge; nur auf eine Hütte in der