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Mahlerische Reise in die italienische Schweiz / mit geäzten Blättern von J. H. Meyer
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Nähe warf die Quelle des Tageslichts, gleichsam müde ihres unermeßlichen Laufs, noch einigematte Stralen hin; in zartem Silberregen glänzte der farbigte Bogen hinter ihr auf dem grauenGrund der Wolken in himmlischer Schönheit. Dies Schauspiel und die Hoffnung zu schönemWetter entzükte uns. Noch am Abend mietheten wir ein Schiff nach Flüelen , und stieffenvorn Land. (§. Tab. II.) Nacht stieg aus den Fluten des von hohen Geborgen eingeschlossenenViermaldfiädtersees , und nur noch matt schien der Gletscher der Blümlisalp e durch dieDämmerung. Mit der Dunkelheit verbreitete steh zugleich ernstes Schweigen der ganzen Natur.In unbestimmtem Rükglanze malte das ruhige Gewässer die grossen dunkeln Massen der himmelangethürmten Berge. Klein und ohnmächtig fühlt sich hier der Mensch im grossen feierlichen Tem-pel der Allmacht, wenn er von der unermeßlichen Flut, auf deren Oberfläche er schwebt, hin-anbükt zu den ewigen Pyramiden der Natur! Dennoch bauten hier der Heldenmuth und dieFreyheit ihre ersten Altäre, In die Halle von Teils Kapelle und in die Felsklüfte erschollin ernster Dunkelheit unser Gesang. Wir landeten zu Flüelen , und genossen da ErquikungUnd Schlaf.

DIE NORDS E1TE DES GOTTHARDS.

Noch am Abend hatten wir die Zeche bezahlt, um recht frühe die Reise auf den Gottharianzutreten. In der Morgendämmerung verliessen wir Flüelen und das Ufer des Vicrmali-