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wir aus vollem Becher aufs Wohl unsrer Freunde und Geliebten, über die wir jezt erhabenwaren. Die am Zimmer vorbeyplätschernde Reuss wiegte uns endlich in Schlummer,
DES GOTTHARDS OBERSTE BEREISBARE HÖHE.
Der Gastwirth in llrsern hatte uns angerathen, recht frühe die Höhe des Gottbards zubesteigen, ehe nämlich die Sonne den Schnee auflöse, und den Weg mühesamer mache. Wirfolgten seinem Rath, nachdem wir vorher noch ein warmes Frühstük zu uns genommen. DerWeg von Ursern führt über begraste Ebenen bis Hospital. Bey diesem Dorfe lässt steh dasThal leicht überschauen. Es ist ein eigener Anblik, dies Ländchen! Anmuthig ists in Verglei«chung mit der unfruchtbaren Stein wüste, von welcher es umgeben ist; aber jenes Tannwäldchenausgenommen, das hinter llrsern am Berge sich hinauszieht, beschattet und vermannichfachetkein Baum das einförmige Grün dieser grasreichen Gegend. Dieselbe durchstreifen die Quellender Reuss; jene aus der Oberalpe die von der Furka , und die aus dem Lozendro - See,welche die Gottbards- Straffe noch bis zur Alpe Rodunt, der Gränze von Ursern , begleitet.So wie das llrsernthal an sich ein Bild der Einfachheit und des Friedens ist, so seheint esdasselbe ebenfalls in Rüksicht seiner Bewohner zu seyn. Eine kleine Republik unter dem reinstenHimmelsstriche, gesichert durch die höchsten Mauern und Wälle der Natur, und durch einfache