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Mahlerische Reise in die italienische Schweiz / mit geäzten Blättern von J. H. Meyer
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der Natur, weit von allem Prunk und städtischem Gelerme zu verleben. In der Hütte fandenwir einen alten Mann, der in Spanien , Neapel und Frankreich sein Glük als Soldat ver-sucht hatte. Dann zog er sich endlich, wie ein Philosoph, der die Welt und ihr unruhiges Spielgenug geprüft, in diese anmuthvolle Stille zurük. Die Heiterkeit seines Gesichtes bewies, dassman auch in armseligen Kleidern glüklich seyn kann. Dieser Greis hiess Hyacinthe, und nahmjezt eine Leiter auf feine Schulter und eine Pakei in die Hand; und wir folgten ihm in die Grotten.

Der schmale Fusspfad dahin geht durch Wiesen, an der Seite eines fallenden Baches, etwasin die Höhe; dann erscheint ein enger Fehengang, über dem sich oben Gebüsche und Bäumewölben, und das spielende Licht der Sonne nur Iparsam hereinlassen. Eine feuchte Kälte herrschtin diesem Felsengange. Am Ende, wo sich die Felsen schliessen, und näher zur Seite, find dieEingänge der Grotten zwey enge Löcher, durch deren eines man vermittelst der Leiter hinab-steigt. Unser Cyklope mit der brennenden Fakel war der erste, der durch die schornsteinartigeOessnung hineinkroch. Welch sonderbares Spiel der Natur erblikt man hier unter der Erde! (S.Titylvignette.') Ein hohes unregelmäßiges Gewölbe von unzähligen komisch geformten langenZapfen zusammengeküttet, deren Spizen auf das Haupt dessen herabzuzielen scheinen, der sichin diese Heiligthümer unterirrdischer Gottheiten wagt. Das abtriefende Wasser treibt ein beständigmusikalisches Spiel in diesen Höhlen, gleich dem Geflüster geschwäziger Nymphen, und diebenezten Zapfen von Tropfstein glänzen im Lichte der Fakel. Wehe! wenn ein eifersüchtiger

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