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Mahlerische Reise in die italienische Schweiz / mit geäzten Blättern von J. H. Meyer
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Am folgenden frühen Morgen schifften wir mit unserm biedern Biancone von Lauts nachCapo di Lago. Es war noch finster, da wir das Haus unsers gefälligen Wh'ths verliessen.Diese nächtliche Seefahrt bey klarem Himmel hatte etwas majestätisches; denn das unumwölkteGewölbe der unzähligen Gestirne malte sich im Rükglanz des stillen Sees, auf welchem dasSchiff gleichsam im Mittelpunkte des Weltgebäudes zu schweben schien. Endlich erblassten dieSterne vor der aufgehenden Sonne, und der unermeßliche Schauplaz verwandelte sich in eineder reizendsten Seegegenden; Bey Alelide, dem Geburtsorte des Baukünstlers Font ana , genießtman abermal die Aussicht gegen verschiedene Seebusen. Endlich erscheint Bifjone mit seinenPalästen und Bogengängen. Auf Anhöhen nnd an den Ufern glänzen verschiedene Dörfer. Mankann sich wenige so reizende Standpunkte gedenken, wie das Ufer von Capo di Lago. Da liegt

der See vor dem Auge-rechts und links schöne mit Waldung, Weinreben und Dörfern

besezte Berge-zulezt der Alont St. Salvadore , welcher gegen Norden die Aussicht

begränzt.-Zu Codelago nahmen wir das Frühstiik, und traten zu Fuss die Reife nach

Como an. Bianc one , der Schiffpatron, nahm jezt die Rolle eines Bedienten auf sich, und standin seinem Aufzuge nicht weit hinter seiner gnädigen Herrschaft zurük.

Unweit dem Ort unsrer Landung betraten wir die schweizersche Herrschaft Aiendris. DieSeegegend wechselte mit einem anmuthigen Thal, manigsaltig, durch artige Landhäuser, Hainevon Maulbeerbäumen, an die sich Weinreben hinaufwinden. Adendris, der Hauptort der Herrschaft