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Mahlerische Reise in die italienische Schweiz / mit geäzten Blättern von J. H. Meyer
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lenken. Eine dritte Art ganz kleiner Schiffe, Quadras genennt, haben die Form einer länglichtgevierten Schachtel und sehen sehr komisch aus. Das schönste und bequemste Fahrzeug, -welcheswir bisher gesehen hatten, war diese Gondola. Ihre Grösse und Proportion, ihr starker Bau,die artige Cajiite in der Mitte des Schiffes, ihre leichte Lenkbarkeit vermittelst eines Angelsteuersund grosser Ruder, alle dieses sichert den Reisenden selbst im Sturme. Zugleich waren die Schiff-leute der Gondola die frölichsten Bursche, die wir bisher an den Gränzen Italiens angetroffen

hatten.-Hier ist die Aussicht des Sees sehr ausgebreitet-gegen den Arm von Lecco

gegen die P liniana -und aufwärts gegen Bündten. Wir landeten bey einer merk-

würdigen Naturscene, die das Erfcbrekliche von Bellan heisst. Es ist ein Wafferfall, deraus einer Kluft hervorrauseht. Hohe Felsen thürmen sich über dem Haupte des Zuschauers; undda, wo der Wafferfall in die Tiefe donnert, hängt eine Brüke in Ketten. Diese führt zu einerFelsentreppe, die aufwärts geht, und dann zu einem hölzernen Gerüste. Von diesem Balkonherab erblikt das Auge mit Schauer den engen tiefen Abgrund, durch welchen das Waldwassersich schäumend hervordrängt. Aus der Tiefe herauf schallt ein dumpfer Donner, der das Fürch-terliche des Anbliks ganz vollendet. Gleich neben dieser majestätischen Naturscene hat die Kunsteine niedliche Vüle hingehaut, die eine herrliche Aussicht beherrscht, und so das Erschreldiche mit

dem Angenehmen verbindet.-- Günstiger Wind erinnerte uns wieder die Gondola zu

besteigen. Der Wind blies rasch in unsern Segel, da wir auf die Mitte des Sees hinauskamen.