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Mahlerische Reise in die italienische Schweiz / mit geäzten Blättern von J. H. Meyer
Entstehung
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60
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DIE STRASSE DES SP L U G E N B E R G S.

Nicht so gut unterhalten ist die Bergstrafse über den Splägen, wie die über den Gottbar I,Von Cleven führt sie neben der schäumend herabfliessenden Lira durch das Jakobrthal hinauf.Nach und nach verliert sich die angenehmere Gegend von Chiavenna, und die Aussicht schränktsich auf ein einsames Thal ein, von hohen Bergen umschlossen, die entweder mit Tannwäldernbekleidet, oder kahle Felsen sind. Oberhalb von einigen Dörfern geht es zwischen Felsenschuttgräulicher Bergsälle hinaus; ungeheure Massen, die an sich schon kleine Berge sind, liegen da,von schrofer Wand abgelöst, chaotisch neben und übereinander. Zu St. Adaria lud uns ein inFelsen gehöhlter Weinkeller an den Schatten seiner Vorhalle. Von diesem Dörfchen führt derWeg in manchen Wendungen durch eine wüste Steingegend den Berg hinauf. Stürmischer fällthier der Lira -Fluss von Felsen zu Felsen in die Tiefe; sein Brausen ist indess nicht so betäubend,wie der vorn Gottbard herabdonnernden Reuss. Im Contraste mit diesem wilden Passe, trägtdas auf denselben folgende Thal nicht ganz umsonst den Namen Campo Dahin o. In diesemWiesenthal sind ein Paar Dörfchen, in deren einem sich eine erträgliche Herberge findet.

Es regnete den folgenden frühen Morgen, da wir aus diesem so geheissnen sanften ThalWeggiengen. Desto schauerlicher war die durch Nebel verfinsterte Gegend. Bey einer hölzernenBrake der Lira rauscht in majestätischem Fall ein Bach herab, und dann führt eine steinerne