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Mahlerische Reise in die italienische Schweiz / mit geäzten Blättern von J. H. Meyer
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65
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wieder wild Ist: die Gegend. Vor dem Äuge liegt der Eingang in die schauerliche Via Mala.Ein enges finsteres Thal, von hohen Gebürgen eingeschlossen, die von Tannenwäldern vornFusse bis zum steilen Felsengipfel bekleidet sind. Gleich am Eingänge führt eine steinerne mitSpeerbalken versehene Bogenbrüke über den Rhein , der mit tobendem Gebrülls neben dem amAbhänge sich herumwindenden Bergweg vorbeyrauscht Mehr indess wegen dem Schauerlichender Gegend verdient dieselbe den Namen Via Mala ; denn die Straße selbst ist, ein Paar mitTannen quer belegte Stellen ausgenommen, die schönste und sicherste, die wir bisher über denSplugen angetroffen hatten. Dieser Ort scheint das eigentliche Vaterland der Tannen zu seyn.Weit über den Wandrer hin breiten diese Riesen ihres Geschlechts ihre Aeste aus, und hüllen ihnund das Thal in melancholisches Dunkel. Ueber diese mächtigen Bäume ragen zu beyden Seitenhohe Felswände empor, die ihre majestätischen Häupter jezt in Wolken verhüllten; und aus derTiefe herauf murmelt ernst der erzürnte'Vater Rhein. Die mittlere Brüke der Via Mala(S. Tab. XI .) giebt den schauerlichsten Anblik. Wenn die Natur in Magadins lieblichen Hainen,oder am dichterischen Ufer der Trefa mit jedem Reiz sich schmükte, den Wandrer zu entzüken,so hat sie hier alles gethan, ein Meisterstük des Schrekens darzustellen! Die Wälder hören da auf,einzelne Tannen ausgenommen, weil die hohen Felswände zu steil sind, als dass ein Baum Wurzelfassen könnte. Von der Strasse herab entdekt sich dem Auge grauenvoller Abgrund, über den dieBrüke in einem Bogen führt. Die Strasse ist aus Felsen gesprengt, die sich über dem Haupte

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