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1 (1830) Organisation, Systematik und geographisches Verhältniss der Infusionsthierchen / von C. G. Ehrenberg
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der Infusorien und ihrer geographischen Verbreitung.

O. F. Müller, indem er 378 Arten von Infusorien feststellte, und. diesenach dem Mangel oder dem Dasein äufserer Organe, und nach der Kör-performin 2 gröfsere Gruppen (Familien) und in 17 Gattungen vertheilte,bei seinem Tode im Jahre 1785 diefs Feld der Wissenschaft den späterenForschern.

Als Systematiker benutzten hierauf Gmelin, Lamarck und Cuvier das gegebene Material ohne eigene Beobachtungen, pafsten es, der erstereseinen literarischen Sammlungen, die letzteren den ihren Systemen zumGrunde liegenden Ideen an, und trugen zur Befestigung und Verbreitung derneuen von Lin ne verschmähten Lehre mehr, als zu deren weiterer Aus-bildung bei.

Einige wenige zweifelhaft neue Formen fügten im Jahre 1802 diefranzösischen Gelehrten Girod Chan trän und Bose hinzu, aber einenneuen lebendigen Anstofs erhielt die junge Wissenschaft erst durch den ehr-würdigen Baier von Paula Schrank , welcher im Jahre 1803 im drittenTheile der Fauna boica 68 neue Infusorienarten beschrieb, und die bekann-ten in 4 Gattungen mehr zertheilte,' wie er es schon durch frühere Abhand-lungen vorbereitet hatte. Nicht in gleichem Maafse ward aber durch Schrankdie anatomisch-physiologische Kenntnifs dieser Thierformen befördert, son-dern es leiteten ihn dieselben Principien, welche Müller befolgte, und dieäufsere Form bildete überall den Hauptcharakter der Thiere, deren Structurund Entwicklungskreise ihm unbekannt blieben.

Treviranus Biologie 2. Th. nahm 1803 den Kampf der Partheienüber die generatio spontaneu, welcher der scharfsichtige Müller anfangs ab-hold war, dann aber seine Stimme auch zuertheilte {Anim, infus. Praefalioadfinemd), lebhaft wieder auf, und entschied sich dafür, dafs besonders dieInfusorien den Beweis liefern, dafs es Organismen gebe, welche nicht ausEiern oder Keimen entstehen, und dafs jedes Individium der organischenlebenden Körper nach dem Tode in andere und namentlich diese infuso-rischen Lebensformen übergehe, dafs hingegen aus anorganischen Stoffennie lebende Organismen hervorgingen. Dafs es im Allgemeinen eine un-zerstörbare lebensfähige Materie und Lebenskraft gebe, welche erstere, ansich formlos, auf äufsere Einflüsse unaufhörlich sich in wechselnde Formengestalte. Diese mit eigenen Beobachtungen vermehrte Zusammenstellungder bisherigen Erfahrungen und Meinungen, mag wohl mit erweckend auf

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