Band 
[Erster Teil.]
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DAS MITTLERE DND CENTRALE ASIEN.

Die asiatischen Länder östlich vom caspischen Meere, zwischen dem 30. und 50. nördlichen Breitengrade, mit Einschluss desHimalaja im Süden und des ganzen Altai-Gebirges im Norden, mit der Grenze am Südende des Baikal -See’s bis zur tungusischen undjapanischen Meeresküste, mit Ausschluss aber von Indien, China und Japan , sind der Gegenstand der jetzt folgenden Uebersicht.

„Der mittlere und innere Theil Asiens, sagt Alex. v. Humboldt in den Fragmens asiatiques 1831, einer Frucht jener Reise,bei der ich ihn zu begleiten das Glück hatte, welcher weder einen grossen Knäuel von Gebirgen noch eine zusammenhängende einför-mige Ebene bildet, ist von Osten nach Westen durch 4 grosse Gebirgssysteme getheilt, welche offenbar auf die Bewegungen der Völkervon Einfluss gewesen sind: der Altai, der sich westlich in den Kirgisenbergen endet, der Thian-schan, der Kuen-lun und die Himalaja -Kette. Zwischen dem Altai und Thian-schan ist die Songarei und das Bassin des Ili-Flusses. Zwischen Thian-schan und Kuen-lun ist diekleine oder vielmehr hohe Bucharei (Kaschgar, Jerkend, Kotan), die grosse Wüste (Gobi oder Sehamo), Turfan, Kami! und Tangut. Zwi-schen dem Kuen-lun und Himalaja liegen das östliche und westliche Tubet mit Hlassa und Ladak. Es giebt also zwischen den 4 Paral-lelgebirgen Mittel-Asiens 3 Hochebenen: Songarei, Tangut, Tubet, welche 3 Binnenseen entsprechen: Baikasch, Lop, Tengri.“

Es ist eine nicht ausschliessliche aber bemerkenswerthe Eigenschaft Mittel-Asiens , dass die Wasserläufe der Hochgebirge sichnicht immer verbinden und gemeinsam zum Weltmeere abfliessen, vielmehr oft in grossen Binnenseen, den Alpenseen ähnlich, wozu auchder Aralsee jetzt gehört, versiegen. Dennoch verbinden auch Flusssysteme das Innere Asiens mit grossen Küstenländern. Mitten im Cen-trum entspringt der Irtysch als Abfluss des Saisan-See’s sammt diesem vom Altai. Er durchläuft das ganze Sibirien von Süd nach Nord,um dem Eismeere die Gewässer zuzuführen. Der Fluss Huang-ho sammelt die östlichen Wasserläufe des Kuen-lun-Gebirgs, um sich mitvielen Windungen durch China dem gelben Meere des Süd-Ocean’s zuzuwenden. Aus dem tübetanischen Hochlande im Norden des Hima-laja laufen die Gewässer theils östlich durch den Kinscha-Kiang und dessen Fortsetzung, den grossen Strom Jantse-Kiang, in weiter Er-streckung ebenfalls durch ganz China zum chinesischen Süd-Ocean, theils aber südlich mit dem Irawaddi-Flusse durch Hinter-Indien zumindischen Ocean und zum Theil westlich, mit dem Sedledj-Flusse den Himalaja durchbrechend, zum Indus durch die Länder des Pendschabund Sind dem persisch-indischen Meere zu. Unzertrennlich von diesen Wasserlaufsystemen ist die Verbreitung des kleinsten organischenSüsswasserlebens, und ihre Berücksichtigung wird immer nothwendiger und belehrender werden, je intensiver uns die Kcnntniss deskleinen Lebens beschäftigt.

Es darf auch die EigeDlhümlichkeit Mittel-Asiens hier nicht unberührt bleiben, dass sich in dasselbe die Fortsetzungen desAfrika und Europa trennenden Mittelmeeres als mehr oder weniger abgeschlossene Meere und Seen gleichsam einkeilen und bis zumAral-See so nahekommend verlängern, dass bis dahin grössere, viel Wärme rückstrahlende, Erdflächen in dieser Richtung nicht vorhandensind. Dieselbe Landes- und grössere Wasserflächen-Bildung ist bei den Untersuchungen über den bei West-Afrika an der Nebelküste undin dem alten Dunkelmeere regelmässig fallenden, vom regelmässigen Passatwinde getragenen, rothgelben atmosphärischem Staube, welcherreich an organischen Lebensformen ist, als dazu mitwirkend erschienen, dass solche Staubfälle häufiger bis tief in die fernen asiatischenLänder als in das Innere von Afrika periodisch dringen, obwohl dieses ihrem normalen Bereiche so viel näher liegt.

In gleicher Beziehung verlangt auch die Bergkette des Bolor-Dagh, Nebelberges, eine besondere Erwähnung, welche vonSüd nach Nord streichend im inneren Mittel-Asien das Thian-schan- und Kuen-lun-Gebirg in auffallend besonderer Weise verbindet. Wun-derbarer Staubnebel und unerhörte Stürme bezeichnen jene Gegenden in ähnlicher Art, wie die Nebelküste des Dunkelmeeres bei West-Afrika . Der heilige Berg Bogdo-Oola des Thian-schan-Gebirgs ist nach Alex. v. Humboldt Fragm. asiat. I. p. 124 (Asie centrale 1843,Karte) überdies der höchst eigenthümliche und merkwürdige wahrscheinliche Centralpunkt eines über 2500 geographische DMeilen ein-nehmenden Systemes vulkanischer Thätigkeiten mitten im Festland, in 3 bis 400 Stunden Entfernung vom Meere. — In welcher Verbindungdie fürchterlichen, rothen fremden Staub führenden und dadurch das Land befruchtenden, Stürme in Kaschgar und die wunderbaren, 60 Meilenbreiten, rothen Staubwüsten in Beludschistan mit den Staubnebeln des Bolor-Dagh und denen der afrikanischen Nebelküste stehen, wirdspäterhin in Uebersicht zu bringen versucht werden. Das unsichtbare kleine Leben herrscht in einigen dieser grossen, vielfach nochunbeachteten, atmosphärischen Verhältnisse in auffallender Weise.

Die der nun folgenden Formen-Uebersicht zum Grunde liegenden Materialien betreffen im Norden Mittel-Asiens das Altai -Gebirg

und die Mongolei, im Süden das Ilimalaya-Gebirg mit Nepal .

CLX-CLXXVIII.

DAS ALTAI-GEBIltü IM NÖRDLICHEN CENTRAL-ASIEN .

Schon im Jahre 1830 habe ich, nach der Rückkehr von jener im Jahre 1829 ausgeführten sibirischen Reise mit Hm. Alex.v. Humboldt , auch aus dem Altai mikroscopische Reisebeobachtungen in der Berliner Akademie der Wissenschaften vorgetragen. Eswurden von Buchtarma 7, von Syrjanofskoi 9, von der Prochodnoi-Alpe bei Riddersk 2, von Schlangenberg (Smeinogorsk) 12, von Ko-bwanski-Sabod 2 Formen verzeichnet, welche 23 Polygastern, 5 Räderthiere und 1 Anguilhila, 29 Arten umfassten. Im Jahre 1838wurde in dem Infusorien-Werke noch Fragilaria pectinata der Prochodnoi-Alpe aus einer Reisezeichnung nachgetragen. In den damalsgegebenen Uebersichten wurde Barnaul zum Altai gerechnet, welches hier zu Sibirien gezählt worden, und Bacillaria elongata von Buchtarma •st irrthümlich im Uebersichtsverzeichniss unter Tobolsk aufgezählt, steht aber im Loealverzeiehniss an rechter Stelle. Folgendes ist dieUebersicht der damals beobachteten 30 Formen, welche sich jetzt auf 167 vermehrt haben: