Band 
[Erster Teil.]
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GEORGIA .

DCCCLVI - DCCCLXXIII.

Die mikroskopischen Verhältnisse dieses zunächst nördlich an Florida grenzenden Staates sind seit 1849 vom Professor J. W. Baileyin Newhaven sehr umfangreich ermittelt worden. Das Land, in gleicher Breite mit Tripolis in N.-Afrika und Madeira , ist im Osten, wo es anden atlantischen Ocean grenzt, flach und sumpfig, ergiebig für Reiscultur, im Westen durch Ausläufer des apallacbischen Gebirgs erhaben.Die Hauptflüsse, der Savannah-Fluss und der Altamaha, gehen in den atlantischen Ocean, der Flintriver (Feuersteinfluss im Kreidegehirg?)und andere ergiessen ihre Gewässer sammt deren organischen Beimischungen, südlich durch Florida strömend, in den mexikanischenMeerbusen. Prof. Bailey reiste im December, Januar und Februar, mikroskopische Forschungen beabsichtigend, von Süd-Carolina längsder Ostküste nach Florida und besuchte hei seiner Rückkehr im Mai 1850 das Innere des Staates hei Macon und Athens . Er hat aus18 Oertlichkeiten eine reiche Uebersicht des mikroskopischen Lehens zusammengestellt, welche in der Smithsonian Conlribution to know-ledge Yol. II. Dec. 1850 publicirl sind, und da seine Anschauungsweise mit der meinigen meist übereinstimmt, so sind die Resultatedirect vergleichbar. Nr. IX und Nr. XVIII betreffen das Küstengebiet des nördlichen Grenzflusses Savannah , Nr. XIXV das Küsten-gebiet des Allamaha-Flusses, Nr. XVIXVII sind aus dem Innern. Er hat theils die an Wasserpflanzen anhängenden Formen des klei-nen Lehens beobachtet, theils auch in der von mir üblichen Weise Gullur-Erden, besonders Reisland analysirt. Letzteres ist überalldort sehr reich an Meeres-Polygastern, und Hr. Bailey bemerkt, dass das Culturland ein gehobener oder durch veränderte Flussläufe demMeere abgewonnener Salzboden sei. Nicht blos die Oberflächenschicht des bei der Reiscultur ofL unter Wasser stehenden Bodens, son-dern auch die 1520 Fuss tiefen Grundproben von Bauanlagen in Fort Pulaski und Fort Johnson hei der Stadt Savannah zeigten den-selben Reichthiim an marinen Lebensformen, ja die Probe Nr. 18 soll in manchen Theilen fast ganz aus Coscinodiscus subtilis bestan-den haben. Herr Bailey äussert am Schluss, dass die ausgedehnten Salzsümpfe an den Küsten von Süd-Carolina , Georgia und Florida den fortdauernden Bildungsprocess der virginischen Tripellager vor Augen legten, nur aber weit reicher an beigemischtem Sand wären.Uebrigens meint er, könne man diese Erdschichten bei Savannah, die in dieser Mischung bereits ein Alter von Tausenden von Jahrenhaben müssten, schon fossil nennen und sie der epipliocenen Periode zurechnen. Die bewundernswürdige Fruchtbarkeit der südlichenStaaten möge hierdurch mit bedingt sein.

Es ist sehr anerkennenswerlh, dass Herr Prof. Bailey mir im Jahre 1853 eine Probe der Reis-Cultur-Erde von Georgia zurvergleichenden Prüfung übersandt hat. Möge meine Revision von dem unermüdlichen und geistvollen Forscher nur im Sinne weitererwissenschaftlicher Entwicklung angesehen werden, und die mir zu Gebote stehenden so grossen noch seltenen Mittel zur Vergleichungmögen die hervortretenden Umänderungen entschuldigen und vertheidigen. Die mir zugekommene Probe ist bezeichnet: Fossil marineinfusoria componing soil of Ricefields 10 miles above Savannah Georgia . Detecled by Prof. I. W. Bailey. Da diese Substanz überausreich an Coscinodiscus sublilis ist und da Herr Bailey seiner hier unter Nr. 18 verzeichneten Oertlichkeit, deren er ganz am Schlüsseseiner Abhandlung erwähnt, * diesen Charakter sammt gleicher Entfernung von Savannah zuschreibl, so mag es ein Theil des von Dr.Daniell in Savannah ihm zugesandten Materials sein.

Es ist eine im trockenen Zustande hellgraue, ziemlich gewichtige und sehr feste, einem Töpferlhone ähnliche feine Erde, wel-che auf Schnittflächen sehr lebhaft glänzt und einige von Eisenrost gelb gefärbte Stellen hat. Salzsäure wird ohne Brausen eingesogenund beim Glühen wird sie erst schwarz, dann weisslich grau. Sie nimmt schwer Wasser an und erweicht erst nach Stunden. Ausserfeinen seltnen vegetabilischen Fasern ist für das blosse Auge keine Beimischung erkennbar. Beim Schlemmen bleibt ein verhältnissmäs-sig nicht allzugrosser Bodensatz von feinem quarzigen Sande, der einem feinen Streusande gleicht und verschiedenfarbig, meist krystallhellist. Grössere Glimmerschiippchen liegen dazwischen.

In 40 Analysen nadelkopfgrosser Theilchen zeigte das Mikroskop 121 verschiedene Körper, worunter 117 organische, 4 unor-

ganische. Von den organischen waren 62 Polvgastern, 47 Phytolitharien, 2 Polycyslinen, 5 Polylhalamien, 1 Pollen. Obwohl die Erdarl.ein mit den Fingern schwer zu zerbrechender Thon ist, so sind doch die organischen kieselerdigcn Elemente überwiegend und seihstsehr feine Theilchen des Mulmes lassen bei 300maliger Vcrgrösserung noch erkennen, dass sie organische Fragmente sind. Das Feinstemao- formlose Thonerde sein und die Plasticität bedingen. Die vorherrschenden Formen sind Schalen von Meeres-Polygastern' und Siiss-wasser-Phytolitharien ( Lithostylidien ). Die häufigste Form ist Coscinodiscus subtilis; Discoplea?, Gallionella sulcata, Triceratium Fa-vus sind nächstdem am zahlreichsten. Von Phytolilharitn ist Lithoslylidium irreguläre besonders zahlreich, die grossen Lithodontiendes Reises sind nicht verhältnissmässig zahlreich, auch sind verhältnissmässig wenig Meeres-Spongolilhen.

Das geognostische Verhältniss des brakischen flachen Culturlandes in Georgien und an ähnlichen Küsten ist besonderer Beach-tung sehr wertli. Herr Prof. Bailey vergleicht es mit den älteren virginischen Tripeln und hält es für deren fortdauernde Entwicklungbis zur neuesten Zeit, wobei er wohl besonders auch den in beiden Lagern bisher beobachteten Mangel an Polylhalamien berücksichtigt.Sehr streng lässt sich aber ein solcher naheliegender Vergleich nicht durchführen. Jene Tripel sind nicht thonarlig plastisch und auchnicht so mächtig und enthalten keine Süsswasser-Phytolitharien. Was den Mangel an Polythalamien der virginischen Tertiärlager anlan<Hwelcher früher von mir bemerkt und von Herrn Bailey anerkannt wurde, so haben die fortschreitenden Forschungen über den Grünsandauch hier einen Einfluss geübt. Die Polythalamien fehlen nicht, wie ich neuerlich mich überzeugt habe. Sie sind nur grösstcntheilsverändert. Dieses Resultat ist zuerst hei dem ähnlichen marinen Tertiär-Tripel von Simbirsk hervorgetreten, welchen ich vor Kurzemnach Herrn Dr. Weisses Materialien prüfen konnte. Dort sowohl als in Virginien sind nämlich zwar keine Kalkschalen von Polythala-mien aber doch Grünsand in Form von Polythalamien-Gliedern als Sand beigemischt. Hierdurch erhalten diese Ablagerungen der ter-tiären Erdbildungszeit erst den vollen Charakter gewöhnlichen Meeresbodens (Monalsber. der Berl. Akademie der Wissensch. 1855 Mai)Auf denselben Charakter habe ich nun das Reis-Culturland geprüft, und auch da zeigen sich vereinzelte Grünsandkörner in Form vonPolythalamien, ja es haben sich sogar mehrfach ganz erhaltene weiche Rotalien-Häute ohne Kalkschale erkennen lassen, dergleichen ichschon häufig im Meeresschlamme fand. Ich war früher der Ansicht, dass die polythaiamienlosen virginischen Halibiolilh-Tripel durchStrömung und Bewegung des Meeres gesichtete Verhältnisse wären, welche hier als polylhalamicnlose Polirschicfer, anderwärts als poly-

II. Fortsetzung. 4