Band 
[Erster Teil.]
Seite
19
JPEG-Download
 

19

MISSISSIPPI .

Obwohl mir der Mississippi - Strom zu sehr vielseitiger Erforschung seines Gehaltes an kleinem Lehen zugänglich gewesen soist doch aus dem Staate Mississippi zwischen Alabama und Louisiana am mexikanischen Meerhusen seihst kein Material erlangt wordendasselbe reichlich aber, den Fluss direct betreffend, aus Louisiana , Tennessee , Menisota und Illinois zugekommen.

LOUISIANA .

DCCCLXXYIII - DCCCXCIII.

Der Staat Louisiana , zwischen den Staaten Arkansas , Mississippi und Texas gelegen, bildet das Delta und die Mündung desnordamerikanischen Riesenstromes, des Mississippi , in das mexikanische Meer. Er ist vorherrschend ein grosses Flachland, voll Seenund Sümpfe, mit reicher Vegetation. New-Orleans , die Hauptstadt, liegt gegen 100 englische, 20 deutsche, Meilen vom Meere entferntim Innern am Strome, und eben so weit, noch 100 Meilen höher hinauf, liegt Baton rouge , eine kleinere Stadt mit Festung. Auf Ver-anlassung des Directors der Sternwarte in Washington , Herrn Lieut. Maury, sind seit 1852 von den beiden genannten Stellen durchden Militairarzl Herrn Dr. Mc. Cojrmick Filtrationen des Mississippi -Wassers in jedem einzelnen Monate eines Jahres unternommen wor-den, und es sind mir allmälig 16 Proben davon zu Händen gekommen, deren Analysen hier mitgetheilt werden. Es sind dreimonatliche

Filtra, Schlamm- und Ufer-Proben des Mississippi von New-Orleans und 8-monatliche Erdproben und Filtra von Baton rouge . Von letz-teren fallen 6 Monate in das Jahr 1852, 2 wiederholen sich im Jahre 1853. Da die Analysen nur Süsswasserformen als neuere Mischungergeben haben, so zeigt sich, dass Flutli und Ebbe so hoch hinauf nicht wirken, und der Mississippi das Meer dort noch völlig be-herrscht. Es wäre nicht ohne Interesse, am Mississippi festzustellen, in welcher Entfernung vom Meere die ersten Spuren seines Ein-flusses in den Flussablagerungen erkennbar werden, wie weit also das Fluthgebiet im Mississippi-Delta jetzt reicht. Bis gegen 90 engl. Meilen(18 deutsche Meilen) reicht es hei Hamburg in der Elbe . Wird das Wasser des Mississippi bei der Fluth salzig? Wie weit ist es be-merkbar? Führt er salziges Wasser in der Tiefe,- wie die Flüsse von Texas , und wie fern vom Meere noch? Der Golfstrom scheintdas Wachsen des Mississippi -Deltas nach dem mexikanischen Meerhusen hin jetzt ganz zu hindern, und die ungeheuren Massen erdigerTheile der Flusstrübung des Riesenslromes scheinen durch diese von Alexander v. Humboldt vielfach aufgeklärte, sehr einflussreiche Mee-

res-Strömung nach dem atlantischen Ocean abgefühlt zu werden.

Die ersten 8 Proben sind von New-Orleans . Ueberall in diesen und auch den folgenden ist das vorherrschend Massebildendeein feiner Thonmulm mit feinem Quarzsand und einem die dunkle Farbe bedingenden, zu unförmlichem Mulm verrotteten schwarzbraunenPflanzenhumus, welcher sich verkohlen und verflüchtigen lässt, und durch eine ebenfalls mulmige Eisenmischung einen gelblichen Farbe-Ion erhält. Der Pflanzenhumus erscheint nicht selten als bestimmbare Zellgewebstheile, die nicht aufgezählt werden. Bemerkenswerthsind die unter dem Namen Grünsand-Spongolith? angezeigten Formen in Nr. 2 und 4. Es könnten Opal-Erfüllungen von Bimslein-Theilchen sein, oder auch von unbekannten unförmlichen grossen Phytolitharien. Die mulmige Eisenfärbung ist niemals deutlich alsGaUionella ferrnginea erschienen.

878'. Uferland des Mississippi hei New-Orleans im April 1852. Die gelblich braune feine Erde braust schwachmit Säure, wird beim Glühen erst schwarz, dann röthlich dunkelbraun. In 10 üblichen Analysen von je einem Nadelkopf ( l /s Linie)Grösse der Masse waren 21 organische Formen: 2-Polygastern, 17 Phytolitharien, 2 Polythalamien. Keine Form ist neu. Kreide-Poly-thalamien bilden den Kalkgehalt. Scheinbare rundzeilige und langzeilige Bimsteinsplitter unter den unorganischen Bestandtheilen sind zuLithostylidium lucerum? als abnorme Grastheile gezogen worden, weil es in jenen Gegenden an thätigen Vulkanen mangelt.

879 2 . Trübung des Mississippi -Stromes vom 28. April 1852. Ein Gill Wasser gab einen ansehnlichen Rückstandvon gelblich brauner (lehmiger) Farbe auf dem Filtrum. Verhalten gegen Säure und Glühen wie bei vorigem. In 10 Analysen waren31 nennbare organische Formen: 4 Polygastern, 15 Phytolitharien, 9 Polythalamien, 1 Insectentheil, 1 kleiner Same und Fichtenpollen.Keine der Formen ist charaktergebend, der Kalkgehalt von Kreide-Polylhalamien stammend, der Sand enthält polythalamischen Grünsand,wie auch in der ersten Probe. Der Grünsand-Spongolith? ist vielleicht eine Charakterform.

880 3 . Bodenschlamm des Mississippi vom August 1852. Trocken bildet er eine hellgelblich - braune feine, deutlich

sandige Erde mit seltenen Glimmerschüppchen. Gegen Säure und Glühen verhält sie sich wie die erstem. In 5 Analysen erkannte ich

26 organische Formen: 1 Polygaster, 22 Phytolitharien, 3 Polythalamien.

881 4 . Uferland des Mississippi vom August 1852. Getrocknet ist es eine hellbraune feine, mürbe und lockere

Erde mit seltenen Glimmerschiippchen. Kein Brausen mit Säure, beim Glühen erst schwarz, dann röthlich braun. In 5 Analysen waren21 omanische Formen sichtbar: 3 Polygastern, 17 Phytolitharien, 1 Polythalamien-Grünsand. Gras-Phytolitharien sind am häufigsten.Scheinbare Bimsteinsplilter sind zu Lilhostylidium lacerum fraglich gezogen. Merkwürdig ist der Grünsand-Spongolith? Vergl. Nr. 2.

882 5 . Trübung des Mississippi -Stromes im August 1852. Aus 4 Unzen Wasser ist ein ansehnlicher hellbraunerRückstand abfiltrirt worden. In 5 Analysen desselben fanden sich 12 organische Formen: 3 Polygastern, 5 Phytolitharien, 4 Polythala-mien. Alle Formen sind bekannt.

883 fi . Trübung des Mi s sis sippi-Str omes am 10. September 1852. Von 4 Unzen Wasser zeigt das Filtrum

einen schwachen gelblichen Rückstand. In 5 Analysen enthielt derselbe 26 organische Formen-Arten: 18 Polygastern, 7 Phytolitharien,

1 Polythalamium. Keine Form ist charakteristisch, die Gallionellen sind am zahlreichsten, das Polythalam gehört dem Kreideboden an.Man vergleiche Nr. 890.

884 7 . Bodenschlamm des Mississippi am 10. September 1852. Die sehr feinsandige, graue lockere Erde braust