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Dächer durch Zimmerwerke gelragen, deren Gespärre ohne Durchzüge einanderso nahe standen, wie die Leergespärre der heul zu Tage gebräuchlichen Dach-gerüste. In gewissen Entfernungen ordnete man Bindergespärre (Lehrgespärre)an, die durch Zangen verbunden gegen die Wirkung des Windes gesichertwurden; die zwischen ihnen liegenden Leergespärre unterschieden sich von ihnennur durch etwas geringere Dimensionen und dafs die Giebelsäule fehlte. (Fig. 3.Taf. I.) Diese Dachstühle, denen man für das Gewicht, was sie zu tragen hatten,eine übermäfsige Stärke gab, waren schwerfällig, belasteten die Mauern der Ge-bäude und erforderten wegen des spitzen Forstwinkels, Hölzer von grofser Länge.
Philibert de l’Orme versuchte sie durch Bohlenbögen aus Tannenholz zu er-setzen, die in derselben Entfernung wie die Leergespärre stehend, durch einegrofse Zahl von Qucerriegcln gegenseitig befestigt wurden. (Taf. I. Fig. 4.) Erbemerkt schon, dafs man dieselben sehr gut aus dem Holze von Schiffswrackenlierstellen kann, was damals wenig geschätzt, wie es scheint, heute von den Zim-mermcistern in Paris so sehr gesucht ist. Es ist kein Zweifel, dafs sein System,verglichen mit der Conslructionsart der damaligen Zeit, schon als er es bekanntmachte, bedeutend weniger kostspielig war, wegen seines geringen Gewichts, dasMauern von geringerer Dicke brauchte als die vorher nöthig gewesenen, undwegen der Ersparnifs, die es, verglichen mit den grofsen Holzmassen der alt-deutschen Dächer, darbot. Als wesentliche Bemerkung mufs ich noch hinzufü-gen, dafs Philibert de l’Orme nicht von dem Weglassen der Durchzüge, die denSparrenschuh am Unterlheil der Gespärre verhindern, redet, und zwar aus gu-ten Gründen, denn die hohen altdeutschen Dächer besafsen keine dergleichen;ihr Schuh wurde durch die Stärke der Mauern und die Menge Eisenwerk, w elchesman in diesen Constructiouen verschwendete, aufgehoben. Das Originalwerkdieses Schriftstellers ist in obiger Beziehung merkwürdig, besonders Buch X.Cap. III. und die folgenden, Seite 281 der Ausgabe von 162G.
Seit Philibert de TOrme verbesserten sich die Dach-Constructionen in Frank reich hinsichtlich Leichtigkeit und Verständnifs der Zusammenstellung sehr. DieGiebel hatten nicht mehr die frühere unverhällnifsmäfsige Höhe, zugleich stiegder Arbeitslohn in einem viel gröfseren Verhältnisse als der Preis der Materialien,wcfslialb denn auch die Bohlenbögen den Vortheil der Billigkeit gänzlich verloren.Heutigen Tages wnirden sie die theuerste Construclion abgehen, wenn die Gespärreso nahe gestellt würden, wie der Erfinder cs angiebt. Trotz dem hat sie aberden beaehlungswerthen Vorzug, sich vollkommen der architektonischen Aus-schmückung grofser Gebäude anzuschliefsen, und sich allen Formen, selbst denverwinkeltsten, welche Gewölbe und die verschiedenen Durchdringungen dersel-ben darbieten, anzupassen.
Gegen das Ende des verflossenen Jahrhunderts wandte sich die Aufmerksam-keit der Construeteure besonders auf die Verbesserungen, deren die Bogenge-spärre fähig waren. Fällige glaubten, dafs die krumme Linie der Bohlendächerdie hauptsächlichsten Ausgaben verursachte, wegen des bedeutenden Abfalls denman bei der Zurichtung des Holzes erhielt, und wandten daher die Bohlen in