91 55 ihn ins Gaſthauß zum Neerſch wein/ alwo ſich jhr Geſpraͤch biß in dleacht verzogen: als ſie aber mit einander fortgtengen/ fuͤhrete ihn der Jud durcheine ſtille Gaſſen/ in welcher keine Laͤden/ gab ihm mit dem Neſſer 8. biß in zehen
Stich in den Leib/ und ließ ihn alſo außgeſtreckt auf dem Pflaſter ligen. DieſerBoͤß wicht bildete ſich ein/ er wurde durch ein Schreiben an den Jubilirer zu
Franckfurt/ daß er namlich ſeinem Sohn das Kuͤſtlein uͤberlifert/ ſeine began-gene 51 zudecken/ und ſich alſo alles Argwohns befreyen: Aber die grau-
ſame Nordthat wurde durch die Goͤttliche Vorſehung noch ſelbigen Abend ent-decket/ und der Jud gefaͤnglich eingezogen. Die That aber wurde auf folgendeweiſe ruchtbahr; Es trug ſich zu/ daß ein Kaͤyſeriſcher Trompeter/ namens HansMaria/ da ſich der Moͤrder kaum davon gemacht/ durch dieſelbige Gaſſe gieng-im finſteren an den toͤdlich⸗ verwundeten/ in welchem noch einiger Athem vor-handen/ mit ſeinen Fuͤſſen ſtieſſe/ und uͤber ihn fiel/ weilen er aber etwas naſſesunter den Haͤnden fuͤhlete/ meint er anfangs es were ein trunckener NMenſch/ ſoſich uͤbergeben/ und nicht mehr auf den Beinen ſtehen koͤnnen/ doch gerieth er aufandere Gedaͤncken/ darfuͤr haltend/ es moͤchte jemand ſeyn ſo verwundet worden/lieff derowegen eilends ſich zu erkundigen/ in eine am Eck der Gaſſen gelegeneSchmidte. Der Meiſter und ſeine Knecht nahmen alſo bald eine Latern und gien-gen angeſichts mit dem Trompeter auf den Platz/ alwo der ungluͤckhafftigejun-ge Menſch in ſeinem Blut gewaͤltzet lag/ und nur noch etliche Athemszůg zu le-ben hatte. Der Schmidt wolte nicht zugeben/ daß man ihn in ſein Hauß truge/
damit er von dem Gericht nicht uͤberloffen und beunruhiget wurde/ und weilen
ſie in der eyl keinen anderen bequemeren Orth und fertigeren Beyſtand finden kon-ten/ als das nicht weit entlegene Wirthshaͤuß zum Meerſchwein/ trugen ſie jhndahin; ſo bald man jhm das mit Blut und Koth beſudelte Angeſicht gewaſchen/wurde er von der Wirthin und jhrer Tochter vor den jenigen/ ſo kurtz zuvor mitdem Juden einen Trunck gethan/ erkant. Aber er gab nicht das geringſte Zeichen einiger empfindlichkeit von ſich/ ſondern verſchied in einem Augenblick: On-derdeſſen wurde der Thaͤter auf dieſe weiſe entdeckt/ noch ſelbigen Abend in ſeinem
Hauß gefangen genom̃en/ und dadurch gezwungen ſeine begangene Mordthatzubekennen. Dieſe unmenſchliche That verdiente keine gemeine Sraff: darum
wurde das Vrtheil geſprochen/ daß er zwiſchen zween groſſen Hunden an dieFuͤſſe ſolte auffgehencket werden/ damit er in ſhrem wuͤten und toben an ſeinemLeibe zernaget/ und alſo durch die lange der qual mehr als einen Tod auß ſtuhnde/welche Leibs⸗Straff den Juden ſo einen Chriſten umbringen/ in den KaͤyſerlichenRechten auferlegt Dieſer Meichelmord Übertraff alle andere Mordthaten an
Grauſamkeit: Doch erhielten die Juden zu Regenſpurg durch groſſe Geſchenck/
ſo ſie der Kaͤyſerin und jhren zwo Fraͤulein thaten/ daß dat Vrtheil geaͤndert/ und
der Vbelthaͤter zu einer kuͤrtzeren/ aber nicht gelinderen Straff verdam̃t wurde/
daß er nemlich S ee ge ddl und da an ſeinem Leib/ an unterſchie-denen Orten der Statt geriſſen/ heiß Bley in die Wunden gegoſſen/ und vor derStatt lebendig geraͤdert werden ſolte.
Nach beſchehener Kroͤnung vernam ich/ daß der Her: Schmidt/ als Kaͤyſer⸗ ä
lichen Reſtdent nach der Othomañiſchen Pforten ſolte abgefertiget werden. Nach-dem ich nun von meinen Freunden dieſe Zeitung vernommen/ hatte ich die Hoff-nung/ er wurde mir vergonnen in ſeiner Geſell ſchafft zu reiſen; Gleich wol ge-dachte ich jhm nicht uͤberlaͤſtig zu ſeyn/ maſſen ich unter dem Obriſt Butler/ ſo
mir ſehr geneigt war/ eine zimliche anzahl Ducaten erſparet. Als ich auff mei-ner Abreiß von Regenſpurg begriffen/ gab mir der Pater Joſeph/ ſo ſich in namen
des Koͤnigs in Franckreich alda aufhielte/ und mich zu Paris gekant hatte/ zu-verſtehen/ daß ich entweder mit dem Herꝛen Bachelier, welchen ſeine KöniglicheMajeſtaͤt zum Hertzogen von Mantua ſchickte/ verꝛeiſen/ oder der Herꝛ Abt vonChapes, des verſtorbenen Herꝛen Marchals von Aumont Bruder/ und Herꝛen von
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