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Beschreibung der sechs Reisen, welche Johan Baptista Tavernier ... in Türckey, Persien und Indien innerhalb viertzig Jahren durch alle Wege die man nach diesen Länderen nehmen kan verrichtet : worinnen unterschiedliche Anmerckungen von der Beschaffenheit der Religion, Regierung, Gebräuchen und Handlungen jeglichen Landes enthalten samt den Figuren, Gewichten und dem Mass der Müntzen, welche in diesen Länderen gangbar sind ...
Entstehung
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91 55 ihn ins Gaſthauß zum Neerſch wein/ alwo ſich jhr Geſpraͤch biß in dleacht verzogen: als ſie aber mit einander fortgtengen/ fuͤhrete ihn der Jud durcheine ſtille Gaſſen/ in welcher keine Laͤden/ gab ihm mit dem Neſſer 8. biß in zehen

Stich in den Leib/ und ließ ihn alſo außgeſtreckt auf dem Pflaſter ligen. DieſerBoͤß wicht bildete ſich ein/ er wurde durch ein Schreiben an den Jubilirer zu

Franckfurt/ daß er namlich ſeinem Sohn das Kuͤſtlein uͤberlifert/ ſeine began-gene 51 zudecken/ und ſich alſo alles Argwohns befreyen: Aber die grau-

ſame Nordthat wurde durch die Goͤttliche Vorſehung noch ſelbigen Abend ent-decket/ und der Jud gefaͤnglich eingezogen. Die That aber wurde auf folgendeweiſe ruchtbahr; Es trug ſich zu/ daß ein Kaͤyſeriſcher Trompeter/ namens HansMaria/ da ſich der Moͤrder kaum davon gemacht/ durch dieſelbige Gaſſe gieng-im finſteren an den toͤdlich⸗ verwundeten/ in welchem noch einiger Athem vor-handen/ mit ſeinen Fuͤſſen ſtieſſe/ und uͤber ihn fiel/ weilen er aber etwas naſſesunter den Haͤnden fuͤhlete/ meint er anfangs es were ein trunckener NMenſch/ ſoſich uͤbergeben/ und nicht mehr auf den Beinen ſtehen koͤnnen/ doch gerieth er aufandere Gedaͤncken/ darfuͤr haltend/ es moͤchte jemand ſeyn ſo verwundet worden/lieff derowegen eilends ſich zu erkundigen/ in eine am Eck der Gaſſen gelegeneSchmidte. Der Meiſter und ſeine Knecht nahmen alſo bald eine Latern und gien-gen angeſichts mit dem Trompeter auf den Platz/ alwo der ungluͤckhafftigejun-ge Menſch in ſeinem Blut gewaͤltzet lag/ und nur noch etliche Athemszůg zu le-ben hatte. Der Schmidt wolte nicht zugeben/ daß man ihn in ſein Hauß truge/

damit er von dem Gericht nicht uͤberloffen und beunruhiget wurde/ und weilen

ſie in der eyl keinen anderen bequemeren Orth und fertigeren Beyſtand finden kon-ten/ als das nicht weit entlegene Wirthshaͤuß zum Meerſchwein/ trugen ſie jhndahin; ſo bald man jhm das mit Blut und Koth beſudelte Angeſicht gewaſchen/wurde er von der Wirthin und jhrer Tochter vor den jenigen/ ſo kurtz zuvor mitdem Juden einen Trunck gethan/ erkant. Aber er gab nicht das geringſte Zeichen einiger empfindlichkeit von ſich/ ſondern verſchied in einem Augenblick: On-derdeſſen wurde der Thaͤter auf dieſe weiſe entdeckt/ noch ſelbigen Abend in ſeinem

Hauß gefangen genom̃en/ und dadurch gezwungen ſeine begangene Mordthatzubekennen. Dieſe unmenſchliche That verdiente keine gemeine Sraff: darum

wurde das Vrtheil geſprochen/ daß er zwiſchen zween groſſen Hunden an dieFuͤſſe ſolte auffgehencket werden/ damit er in ſhrem wuͤten und toben an ſeinemLeibe zernaget/ und alſo durch die lange der qual mehr als einen Tod auß ſtuhnde/welche Leibs⸗Straff den Juden ſo einen Chriſten umbringen/ in den KaͤyſerlichenRechten auferlegt Dieſer Meichelmord Übertraff alle andere Mordthaten an

Grauſamkeit: Doch erhielten die Juden zu Regenſpurg durch groſſe Geſchenck/

ſo ſie der Kaͤyſerin und jhren zwo Fraͤulein thaten/ daß dat Vrtheil geaͤndert/ und

der Vbelthaͤter zu einer kuͤrtzeren/ aber nicht gelinderen Straff verdam̃t wurde/

daß er nemlich S ee ge ddl und da an ſeinem Leib/ an unterſchie-denen Orten der Statt geriſſen/ heiß Bley in die Wunden gegoſſen/ und vor derStatt lebendig geraͤdert werden ſolte.

Nach beſchehener Kroͤnung vernam ich/ daß der Her: Schmidt/ als Kaͤyſer⸗ ä

lichen Reſtdent nach der Othomañiſchen Pforten ſolte abgefertiget werden. Nach-dem ich nun von meinen Freunden dieſe Zeitung vernommen/ hatte ich die Hoff-nung/ er wurde mir vergonnen in ſeiner Geſell ſchafft zu reiſen; Gleich wol ge-dachte ich jhm nicht uͤberlaͤſtig zu ſeyn/ maſſen ich unter dem Obriſt Butler/ ſo

mir ſehr geneigt war/ eine zimliche anzahl Ducaten erſparet. Als ich auff mei-ner Abreiß von Regenſpurg begriffen/ gab mir der Pater Joſeph/ ſo ſich in namen

des Koͤnigs in Franckreich alda aufhielte/ und mich zu Paris gekant hatte/ zu-verſtehen/ daß ich entweder mit dem Herꝛen Bachelier, welchen ſeine KöniglicheMajeſtaͤt zum Hertzogen von Mantua ſchickte/ verꝛeiſen/ oder der Herꝛ Abt vonChapes, des verſtorbenen Herꝛen Marchals von Aumont Bruder/ und Herꝛen von

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