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Beschreibung der sechs Reisen, welche Johan Baptista Tavernier ... in Türckey, Persien und Indien innerhalb viertzig Jahren durch alle Wege die man nach diesen Länderen nehmen kan verrichtet : worinnen unterschiedliche Anmerckungen von der Beschaffenheit der Religion, Regierung, Gebräuchen und Handlungen jeglichen Landes enthalten samt den Figuren, Gewichten und dem Mass der Müntzen, welche in diesen Länderen gangbar sind ...
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groͤſten Staͤtten in Europa, welche vielmehr eine auß dreyen Staͤtten zuſaſſien ge-ſetzte Statt kan genent werden/ in welcher vor diſem die Koͤnige in Polen Hof ge-galten. Folgends fand ich mich zu Warſchau eyn/ welche auf der lincken ſeiten derWeichßel gelegen/ alda beſahe ich den uͤberauß ſchoͤnen Hof des Kayſers Sigis-munds. Von Warſchau gieng ich wider zuruck auf Breßlau/ und nahm meienWeg in nieder Schleſien/ einen vornehmen Kaͤyſerlichen Officirer meinen ſehr gu-ten Bekanten heimzuſuchen. Aber zwo meil wegs von Glogau begegnete mir derHerꝛ Butler ein Schottlaͤnder/ Obriſter uber ein Kayſerlich Regiment zu Pferd/welcher nachgehends den Walleſtein auß befehl umgebracht derſelbe hielt michdurch ſein inſtaͤndiges anhalten von meinem Vorhaben ab. Er fuͤhrte ſeine Frauint ſich/ die der Frantzoͤſiſchen Nation ſchr geneigt war/ und nachdem ſie mich bey-de freundlichſt gebetten/ mich eine zeit lang bey jbnen aufzuhalten/ auch mir deß-wegen etliche verehrungen gethan/ konte ich ihren vielfaͤltigen Gunſtbezeugungen

nicht laͤnger widerſtehen. Der Koͤnig in Schweden ruckte eben dazumahlen mit

ſeinen Voͤlckeren in Pom̃ern: das Kaͤyſerliche Kriegsheer aber gieng auf Stetinzu/ ſich den Seh weden ſo es einnehmen wolten/ zu witerſetzen; da wir aher noch4 meil wegs davon waren/ vernaͤhmen wir/ daß die Statt ſchon albereit von jh-nen eroberet. Dieſe unverhofte Zeitung verurſachte in dem Kaͤyſerlichen Heer/welches den Turelte-Conte zum General hatte/ keine geringe Vnordnung Eswar eoο Mann ſtarck/ aber nach dem neun biß zehen tauſend daſſelbe verlaſ-ſen/ wurden die uͤbrigen gezwungen zu Franckfurt an der Oder/ und um dieſelbi-ge Gegend jhren hinderhalt zu ſuchen. 3 5Damahlen erfuhr ich/ daß der Kaͤyſer ſich nach Regenſpurg Ver fuͤgte/ ſeinen

Sohn Ferdinand den Dritten alda zum Roͤmiſchen Koͤnig kroͤnen zu laſſenn

Vnd weil ich jhm ſchon albereit die Vngariſche und Boͤhmiſche Kron aufſetzen ſe-hen/ war ich willens mich bey diſer dritten Kroͤnung/ welche den vorigen an Herꝛ-lichkeit weit uberlegen ſeyn ſolle/ gleichfahls einzuffnden Nach dem ich nun vonmeinem Ooriſten Abſcheld genomen/ reißte ich eilends nach Regenſpurg; Esgleng alles dabey gar praͤchtig her: Viel vornehme Herꝛen lieſſen jhre Dapferkeitum Lurntren ehen. Gerad gegen dem Renn platz uͤber hatte man zwo Schau-buͤhnen aufgerlht/ deren die Auſehenlichere vor den Kayſer/ die Kayſerin und dasanweſende Frauenzimer war/ die ändere aber gleichte einem praͤchtigen Kauffla-den/ ſo von vielen Koſthahren Edelgeſteinen glaͤntzet; ſiben biß acht Ritter trat-ten zuſamen/ und vereinigten ſich nach dem Ringel zurennen/ zuvor aber zeigtenſie mit ener Serten den Preiß/ um welchen es gehen ſolte: deren etliche auff zehentauſend Thaler und druͤber kamen: Derjenige ſo das Gluͤck hatte denſelben zugewinnen/ gieng frey auß/ die übrigen aber ſo mit jhme gereut/ muſten den Kauf-mann deß wegen zu frieden ſtellen. Der Vberwinder empfieng jhn von der Handdes Fürſten von Eckemberg/ geheimen Kaͤyſerlichen Staats ⸗Nahts/ und nachdem er denſelben auf der Spitzen ſeiner Lautzen der Kaͤyſerin anerbotten/ ſie ihnaber hoͤflich abgeſchlagen/ ſtund es dein Ritter frey/ denſelben der jenigen/ ſo erunter dem Frauen zim̃er vor die wuͤrdigſte hielte/ zu uͤberꝛeichen.

Es fanden ſich eben um dieſe zeit viel Jubilirer von allen Orten zu Regen-ſpurg eyn: unter welchen einer bey ſeiner Ankunft ſo elendiglich umbs Leben ge-komen/ daß der gantze Hof Staat daruͤber zu mitleiden bewegt worden. Einervon den reichſten Kauffieuthen in Europa, zu Franckfurt wohnhaft/ hatte ſeineneintzigen Sohn naher Regenſpurg zu der Kroͤnung verſchickt/ daſelbſten allerhandEdelgeſtein zuverkaͤuffen: und wellen er foͤrchtete/ er moͤchte unter wegs gepluͤn-dert werden/ uͤber machte er dieſelbige ſicherlich an einen Juden alda/ mit welchemer in Handlung begriffen/ mit befehl ſolche ſeinem Sohn einzuhaͤndigen. Diſerjunge Menſch verfügte ſich bey ſeiner Ankunft alſobald zum Juden/ welcher jhnberichtete/ daß er von ſeinem Vatter ein Kiſtlein mit Edelgeſtein erhalten/ ſo 5nach belieben bey jhm abholen koͤnte: Bat jhn zugleich 1

ö 4 uͤhr-