Buch 
Beschreibung der sechs Reisen, welche Johan Baptista Tavernier ... in Türckey, Persien und Indien innerhalb viertzig Jahren durch alle Wege die man nach diesen Länderen nehmen kan verrichtet : worinnen unterschiedliche Anmerckungen von der Beschaffenheit der Religion, Regierung, Gebräuchen und Handlungen jeglichen Landes enthalten samt den Figuren, Gewichten und dem Mass der Müntzen, welche in diesen Länderen gangbar sind ...
Entstehung
Seite
177
JPEG-Download
 

Viertes Buch

g und ihn ſen zu ſagen) allezeit ein groß Gefäß voll Waß-i dig. fer/ und etliche kleine Krüge vor der Thuͤr/ im

ren/ einem un den anderen gegeben/ nachdemer es vonnohten und hat ein ſedes Hauß oder

nuider Bi

Sommer auch Eys/ damit ein jeder/ ſo voru-ber gehet/ und Durſt hat/ an ſelbigem Ortkrincken konne/ ohne daß man ihm davor et-was abfordere. e iDer Fluß Senderu, ob er ſchon gleich al-len anderen Fluſſſen in Perſten/ den Aras außgenoimmen/ nicht ſchiffreich iſt/ bringt er dochder Stadt Iſpahan groſſen Vortheil. GegenSüden hinder dem Geburg/ jenſeit Zulpha,flieſſet ein anderer Fluß/ Abkuren mit amen/welcher v. oder 6. Meilen uber Iſpahan/ ohn-gefehr auf eine oder anderthalb Meil nahebey dem Senderu, vorbey flieſſet. Cha-Abasder I. dieqſes Namens/ thate einen Verſuch/dieſe beyde Strom in einander zu führen/ undetliche Felſen/ ſo im Weg ſtunden/ ſprengenzu laſſen; weil er aber ſolches nicht zu Werckrichten koͤnnen/ haben ſeine Nachfolger ſol-ches nicht weiter fortgefuhret/ wozu ſie wol ei-nes von unſern beruͤhmten Europaiſchen In-genuers henoͤhtiget geweſen. Gewiß iſt es/

wann es ſich hatte thun laſſen/ daß das Feld

bey Iſpahan den groͤſten Nutzen wurde davongehabt haben/ und wurde das fruchtbarſteund lieblichſte Land worden ſeyn/ ſo man fin-den koͤnnen/ da hingegen dieſer Fluß zu nichtsmehr dienet/ und unbrauchbar wirb/ in dem erdurch dürꝛe Oerter/ und uber die Saltz⸗Fel-der lauffet. Was den Fluß Senderu anlan-get/ laufft er zwar bißweilen im Winter uͤber/im Sommer aber hat er ſehr wenig Waſſer/ſo daß man ofter zu Fuß durchwattet/ als uͤberdie Brücken gehet. Drey oder vier Meil überIſpahan/ wird er durch underſchiedliche Gra-ben auf die Felder und Garten geleitet/ welcheohne dieſe Waſſerung ſonſt unfruchtbar blie-ben. Es ſeynd zwar an vielen Orten hin undrunnen/ ſie haben aber nicht ſo vielWaſſers als zu dieſen Feldern vonnoͤhten iſt/zu deme ſo iſt das Fluß⸗Waſſer viel beſſer/weil es über fett Erdreich laufft. Über dasiſt noch anzumercken/ daß das durch die Gra-ben abgeleitete Waſſer nicht wieder in denFluß fallt/ ſondern in dem Feld vertrocknetſo daß dieſer Fluß/ wie er bey Iſpahan vor-bey fleußt/ ſchon ſehr geſchwaͤchet iſt/ und end-lich wegen der vielen Ableitungen zu einem klei-nen Bach wird/ der ſich 10. oder 12, Meilenvon Iſpahan ganzlich in einen Moraſt ver-ſencket. Dieſer Waſſer⸗Mangel/ ſo in gantzPerſien ſehr gemein/ iſt Urſach/ daß man esſehr zu Rath halt/ und ſparſam außtheilet/ jatheur verkauffet. Wie dann das Amt einesOber⸗Aufſehers uber die Waſſer/ davon dieKönigliche Rent⸗Kammer ein groſſes Ein-kommen hat/ eines von den beſten bey Hofe iſtvon den meiſten geſuchet/ und den ſo es be-

Garten ſeinen beſonderen Graben/ dadurchdas Waſſer auß den groſſen Egnalen geleitetwird. Es muß ſieh aber ein jeder wol hüten/

daß er auſſer der Zeit/ wann es ihm erlaubet/

und die Neye an ihm iſt/ kein Waſſer in ſei-nem Graben laſſe/ dann wann man ſolcheserfahren ſolte/ winde er mit einer geringenStaff nicht durchkommen. Ich habe zrweyFrancken gekennet/ welche/ weil ſie des Nachts/ehe die Reyhe an ſie kame/ ſich underſtandenWaſſer zu nehmen/ bey nahe jhre Guter daru-ber verlohren hatten/ die jhnen waren eingezo-gen worden/ wann nicht der Konig auß ſon-derbahrer Gutigkeit gegen die Francken/ vorallen andern aber/ gegen die Frantzoſen/ Gna-de eingewendet haͤtte/ anderdeſſen hat es gleich-wol einen jeden eine groſſe Summa gekoſtet.Dieſes habe ich auß Anlaß des Fluſſes beyIſpahan anführen wollen: Nun ſſt es Zeit/daß wir die andere Helfte der Gaſſen/ und denGarten Hezardgerib, ſo an dem End ligt/beſehen/ und dann nach Zulpha kommen.

Vier Bruͤcken/ deren jede ohngefehr eine Brachen inViertel Meil von der anderen iſt/ gehen zu Jbahan,

Iſpahan uͤber den Fluß Senderu. Dieſe/ ſo diegedachte lange Gaſſen/ in zwey Theil gethei-let/ wird Alyverdy-Kan genennet/ welcherſie bauen laſſen/ andere heiſſen ſie auch dieZulpha: Brucke. Sie iſt von guten geba-ckenen Steinen/ und mit gehauenen Stei-nen eingefaſſet/ gantz gleich/ in der Mittennicht hoher als an beyden Enden. Die Langedavon wird nicht viel under 300. Schritt/und die Breite wol dreissig ſeyn/ ſie ſtehetguf vielen ſteinern und ſehr niedrigen Schwie-bogen/ und hat/ ſo lang ſie iſt/ auf jederSeiten eine Gallerie qcht oder neun Schuhbreit. Auf underſchiedlichen anderen Schwie-bogen/ fünf und zwantzig oder dreyſsigSchuhe hoch ruhet das Tach/ welches ſo ge-macht/ daß die jenigen/ ſo lieber in der freyenLuft ſeyn wollen/ wann die Hitze nicht ſogroß iſt/ darüber hin gehen können. DerWeg/ ſo am meiſten gebrauchet wird/ iſtunder den Gallerien; ſo an ſtakt der Bruſt-wehr ſeynd/ und uͤber dem Fluß an under-ſchiedlichen Orten offen ſeynd/ dadurch ſieKühlung bekommen. Sie ſeynd nicht demBoden der Brücken gleich/ ſondern etwashoher und haben ſehr bequeme Treppendarauf zu ſteigen. Die Mitte von der Bru-cken/ ſo nicht tiber fünf und zwanzig Schuhbreit/ iſt vor die Wagen und andere Fuh-fen. Im Sommer wann das Waſſer klein/iſt noch ein anderer Weg/ ſo wegen der Kuh-lung über die maſſen angenehm iſt/ nemlich einkleiner Weg/ der guf den Grund des Fluſſes

ſeichet/ und mit Steinen belegt iſt/ daß man Beſchrei-ohne einen Fuß zu hitzen/ darüber gehen kan/ 8und ſind deßwegen durch einen jeden Schwib⸗ aherbogen unter der Brücken Thuͤren durchgebro⸗ an.chen/ dazu man von oben herab außeiner in dieDicke der Mauren gemachten Treppen ſtei-get; auf beyden Seiten der Brücken ſind der-

gleichen

komt groſſe Geſchancke koſtek. Ich will da-

don niehts weiters ſagen/ als nur allein von

bebe der Ordnung/ welche zu IIpahan und ZulphaJpahan gehalten wird. Ein jeder Garten iſt nach ſei-1 Woſſ hoch oder gering geſchaßzet/ vor

daun dealer ſo er wochentlich eigrnal bekomt/ann das Waſſer wird in gewiſſen Quartie-

een