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Beschreibung der sechs Reisen, welche Johan Baptista Tavernier ... in Türckey, Persien und Indien innerhalb viertzig Jahren durch alle Wege die man nach diesen Länderen nehmen kan verrichtet : worinnen unterschiedliche Anmerckungen von der Beschaffenheit der Religion, Regierung, Gebräuchen und Handlungen jeglichen Landes enthalten samt den Figuren, Gewichten und dem Mass der Müntzen, welche in diesen Länderen gangbar sind ...
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1fu0ell.

Erſtes Buch.

55 oder Zoyf/ in Form eines deib⸗Bandes/

1 an ein klein ſilber Bůchslein/ in Groͤſſe ei-ner Haſelnuß/ als ein Heiligthum herab han-1 darinn eine aberglaubiſche Schrift/ ſohre Prieſter darein verſchloſſen. Sie hangen

deren auch den Ochſen an/ auch anderen Thie-

ren under jhrer Heerde gebohren/ und die ſieſonderbar lieben/ und eben ſo werth als 11 nder halten/ fürnemlich/ wann ſie deren kei-share Der Weiber Kleidung iſt nur ein. echter deinwad/ weiß oder gefarbt ſo.5 er d mal um den Leib/ in orm eines Rocks/von dem Gürtel biß hinab gehend/ ſcheinet/ alsdenen ztoder 4. Rocke über einandern. Vonem ürtel über ſich laſſen ſie die aut Blum-1 9 gleich zer hacken oder ſchrapfen/ und mah-n die Blumen hernach underſchiedlicher Far-ben mit Wurtzen⸗Saft/ daß ihr Haut einemgeblümten Zeug gleich ſcheinet.Alldieweilen dieſe Leute morgen frühe jhreThier beladen/ und die Weiber die Zelten zu-

ammen legen/ richten die Prieſter/ ſo jhnen

olgen/ in dem ſchoͤnſten Ort der Ebene/ da ſieWin ein von erhobener Arbeit gemachtesSn in Geſtalt einer Schlange/ um eineOkange von 6. in 7. Schuh hoch gewickelt/auf; da ein jeder vorbeygehend/ ſeine Ehrer-

bietung erzeigt/ die Toͤchtern gehen dreymal

herum. Wann alles vorbey/ thun die Prie-ſter das Bild von dem Ort 9 7 5den ſolches auf den darzu beſtimten Ochſen.Das Fuhr⸗Werck von Karren beſtehetgemeinlich von ein oder hoͤchſt zweyhundert;leder Karren iſt mit zehen oder zwolf Och-en beſpannen/ und von vier Soldaten/ ſoer jenige/ dem die Waaren zuſtaͤndig/ beſol-en muß begleitet. Auf jeder Seiten des8 gehen zween/ und über jeden Kar-den augen zwey, Seil/ deren vier Ende vonan Soldacen in Handen gehalten/ damit/1 m der Karren in einem boſen Weg aufa Seite hangen cthaͤte/ die Soldaten wel-00 der andern Seiten die Seile ſteiff hal-8 und daß der Karre nicht unnfalle/ verhin-amen 5Alle Karren/ welche von Agra oder auß9 91 Orten des Reichs nach Surate kom-fahre und widerum durch Agra und Janabatmer, ni mülſen Kalck der von bafochekom-be v erbringen dieſer Kalck/ ſo bald derſel-Dieſeg vaucht/ wird alſo hart als Marmor.erden 90. des Koͤnigs groſſer Nutze/ in demeführe alck an den Ort/ da jhm beliebet/ hin-Jonen laſſet/ aber hingegen ſind die Karren

Reiden; 0 8 awen eienin folget von der Manier in Indien zu

Pi daſelbſten die Ochſen an ſtatt der9055 dienen/ deren ſind/ welche eben ſonahe s unſere Zelter gehen. Aber wol iſtſen faut nehmen: Wann man einen Och-iu gebſe oder miekek deſſelben zur Reiſe ſich

1 guchen/ daß die Horn über einenMucke och nicht ſeyen/ dann wann dieſiehen, 15 uf Thier plagen/ will ſolches wider-

t den Kopf auf/ und kan/ wannang/ ſelbige dem jenigen/ der dar-

de Horn zul

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auf ſitzet/ in den Leib ſtoſſen/ wie man dasoft geſehen. Sonſten laſſen dieſe Ochſen ſichwie unſere Pferde leiten und regieren/ habenfür Gebiß allein ein Strick um die Schnautzegehend. In dem ebenen Land da keine Stein/ſind die Ochſen unbeſchlagen/ aber wol inrauhen Orten/ beydes wegen der Steine undder Hitze/ ſo die Horn verderben konnen. InEuropa werden die Ochſen bey den Hoͤrnernangebunden/ aber die Indianiſchen habeneinen groſſen Hocker auf dem Hals/ derdienet/ ein Halsband von Leder vier Fingerbreit/ zu hallen/ und ſolches wird dem Thier/wann man daſſelbe anſpannet/ nur uber denKopf geworffen. 1Man findet zum Reiſen auch kleine leich-te Kutſchen für zwey Perſonen/ gemeinlichaber gebraucht man ſich deren einer allein umkommlicher zu ſeyn/ auch ſein Gerath; einkleiner Weinkeller und andere Sachen/ ſo jh-ren Platz unden an der Kutſche/ die mit zweenOchſen allein beſpannen/ haben/ bey ſich zuführen. Dieſe Kutſche ſo mit Umhangenund Küͤſſen/ wie in unſeren Landen verſehen/ſind nicht hangend/ aber in meiner jungſtenReiſe/ lieſſe ich eine/ unſeren Kutſchen gleichmachen/ die zween Ochſen damit dieſelbe be-ſpannen ware/ koſteten mich bey ſechshundertRoupies. Der Leſer wolle uber dieſen Preißſich nicht veꝛwunderen/ dann es der Ochſen dieſtarck ſind/ und welehe ſechzig Tag lange Rei-ſen/ jedes Tags zwoͤlf in fuͤnfzehen Meil beſtaͤn-dig im Trab thun. Wann ſie eine halbe Tag-reiſe verrichtet/ gibt man jedem eine Ballen ingroſſe eines unſerer Brodtvon 1.5. als welchevon Waitzen⸗Maͤhl/ Butter und ſchwartzemZucker geknettet; und Abends haben ſie ihrbeſtimtes Futer von geſtoſſenen Ziſer⸗Erbſen/ein halbe Stund im Waſſer geweichet. DerMiet⸗Lohn von einer Kutſche iſt mehr oderweniger gemeinlich des Tags eine Roupie.Von surare nach Agra ſind funf und dreyſ-ſig oder viertzig Tag Wegs/ und für die gantzeReiſe werden von viertzig biß funf und viertzigRoupies bezalt. Von Surare nach Golcondaiſt es faſt gleich/ beydes mit dem Weg undMiedt⸗Lohn/ und alſo nach proportion ingantz Indien. 3.Die jenigen/ welche die Mittel haben Ih-rer Kranckheit zu pflegen/ bedienen ſich derPallanquin oder Sanfte/ darinnen man garbequem reiſen kan/ dieſe Pallanquin findin Form eines Ruh⸗Beths ſechs oder ſiebenSchuh lang/ und drey breit/ umſchrancket.Eine Gattung Meerrohr Bambouc genen-net/ die man beyzeiten/ um die Form einesBogens zu bekommen/ legen thut/ damitdie Decke des Pallanquins, welche von Att-

las oder Brocardt zu halten/ wann die

Sonne auf der einen Seiten beginnet ein-zuſcheinen/ wird die Decke von einem ne-ben dem Pallanquin gehenden Knecht her-abgezogen. Damit der Reiſende bor derSonnen bedecket ſeye. Neben dieſem Knech-te iſt ein anderer/ der einen Stab mit ei-

nem gleichſam runden Schildt von 2 1ö 4