94tiermeiſter nicht einlaſſen wollen/ und ſich furAureng- zeb erklart. Welches Para cha ver-urſachte eylend auch in der finſtern Nacht auf-zubrechen/ und den Weg auf Scimdli zu neh-men/ eine neue Verraͤhterey/ deren zu widerſte-hen/ er in ſeinem damaligen unglücklichen Zu-ſtand ſich zu ſchwach befunde/ befoͤrchtend.Dara · cha kame an in Scimdi, willens nachPerſien überzugehen/ alda Cha-Abas II. feiner
Cha-Abasaſſiſtiert denDara. cha.
Volck und Gelt zu helfen/ wartete. Aber die-ſer Fürſt dem Meer nicht trauend/ und beforch-tend es moͤchte bey deſſen Unbeſtandigkeit einfriſches Ungluck begegnen/ vermeinte der Wegzu Land ware für ſeine und ſeiner Weiber undKinder Perſonen ſicherer. Jedoch wurde erhierinn betrogen; dann als derſelbe durch dasLand der Patanon nach Candahar zu gelan-gen/ ſeinen Weg nahme/ ward er ferner voneinem Herm des Lands Zion-Kan genant/welcher ein Beamter des Koͤnigs ſeines Vat-tern geweſen/ und wegen begangenen Laſtern/auß dem Munde des Koͤnigs/ under die Füſſeeines Elephanten geworffen zu werden/ verur-theilt/ aber auf Fürbitte bemeldten Para- cha,deme er für die Errettung ſeines Lebens zu dan-cken hatte/ begnadiget worden iſt/ ſchandlicherWeiſe verrahten. Zum Uberſluß der Trüb-ſalen/ bekame Dara: cha vor Ankunfft in demHauſe des bemeldten Gion ⸗Kan, durch einenLackeyen die traurige Bortſchafft des Todesder jenigen ſeiner Weiber/ welche er am lieb-ſten hatte/ und ihne in ſeinem Ungluͤck allzeitbegleitet. Er vernahme daß dieſelbe vor Hitzund Durſt/ indeme ſie auf dem Feld auch nichteinen Tropfen Waſſers um den Mund zu er-kühlen/ finden koͤnnen/ geſtorben ware. Die-ſer Fürſt ward uber dieſe Zeitung alſo ſchmertz-
Mur Verraͤ-therey undboſe Bott-ſchafft.
lich betruͤbt/ daß er als tod zur Erden fiele/
und ſo bald derſelbe/ durch Hulff der Umſte-henden wiederum zu ſich ſelbſten kommen/ zer-riſſe er auß Ubermaß ſeines Schmertzens/ dieKleider; welches eine uhralte Gewonheit inOrient/ und David ſelbſten zerriſſe die ſeinen/auf die empfangene Bottſchafft des TodesAbſalons ſeines Sohns. Dieſer ungluͤckſe-
lige Fuͤrſt hatte ſonſten gleichſam unempfind-
lich in allen Widerwaͤrtigkeiten ſich erzeigt;
aber in dieſem hatte jhn der Schmertz uber-wunden/ er wolte auch von ſeinen Freunden
Manier des ſich nicht troͤſten laſſen. Er kleidete ſich ſei-Leidrragens. ner Betruͤbnuß gemaß/ und an ſtatt eines Tur-bans bande er um ſein Haubt ein Stuck gro-
bes Leinwad. In ſolchem erbarmlichen Ha-
bit gienge er zum Hauſe des Verraͤhters Gion-
kan ein/ alba auf einem Feldbeth/ um ſich ein
wenig zu erholen/ ligend/ begegneten demſelben
sepper Che- bey ſeinem aufwachen friſche Hertzſtiche. Als
kour Dara-chans zweh-
ten Sohns chan zweyten Sohn greiffen wolte/ thate die-
Zerreiſſungder Kleiderin Orient.
5 ſem Verrahter kapfern Widerſtand/ und ſei-
nen Bogen und Pfeil zur Hand nehmend/ er-legte er drey Mann auf dem Platz. Aber weiler allein ware/ konte derſelbe ſo vielen Verrah-tern ferner nicht widerſtehen/ welche der Pfor-
mit einer herꝛlichen Bereit ſchafft/ um jhme mit
Sion-kan guf Sepper Chekour des Dara-
ertbafftig⸗ ſer funge Prin gleichſam noch ein Kind/ die
Reisbeſchreibung in Indien/
ten des Hauſes maͤchtig/ niemand der jhne ent-ſetzen konte/ einlieſſen. Wie nun Dara · cha vondem Getümmel dieſer grauſamen Mardern/ daſie den Fuͤrſten griffen/ erwachte/ ſahe derſelbeſeinen Sohn mit auf den Rucken gebundenenHanden/ vor ſeinen Augen ſtehen. Dieſer un-glüͤckſelige Vatter nunmehr an der ſchaͤndli-chen Verraͤhterey ſeines Wirths nicht zweilend/ konte ſich micht enthalten/ in dem billichenZorn da er ware/ wider den Verraͤther Gion,kan, in ſolche Wort außzubrechen: Vollende/ſagte er/ du undanckbarer und ſchandloſerGaſt/ vollende was du angefangen; wir ſeynddie Schlacht⸗Opfer des Unglücks und der un-gerechten Begierd Aureng- zebs: aber geden-cke daß ich den Tod verdienet/ nur darum/ weilich dir das Leben errettet/ und daß niemalen ei-nigem Furſten von Koͤniglichem Geblut dieHände auf den Rücken gebunden worden.Gion- kan von dieſen Worten etlicher maſſen
bewegt/ lieſſe den jungen Füͤrſten entbinden/
und ſtellete allein eine Wacht für Dara · cha undſeinen Sohn; ſchickte zugleich einen eigenenBotten an Raja Reſſomſeing und Abdulla-Kan, dieſelben zu berichten/ daß er des Dara-cha und der ſeinigen ſich bemaͤchtiget. Auf die;ſe Bottſchafft kamen dieſelben in El/ an demRaub dieſes Fürſten Theil zu nehmen; aber
ſo bald konten ſie nicht einlangen/ daß Gion ö
kan nicht Zeit hatte das Beſte hinweg zu 17 0
men/ und tractierte auch des Dara-chansber und Kinder ſehr unfreundlich. Als der Ka-
ja und Abdulla- kan darkommen/ ward Paracha ſamt ſeinem Sohn auf einen Elephantenund ſeine Weiber und übrige Kinder auf einenandern geſetzt/ und alſo mit groſſemUnderſchie)jhres vorhergangenen Aufzugs zu Jehanabat-alda ſie den H. Semptember ankommen/ gefüh-ret. Alles Volck lieffe herbey/ ein jeder wumſchend den Füͤrſten den er gern zu einem Kollehatte/ zu ſehen; Aureng· zeb befahle/ daß maßſie durch alle Haubt-Gaſſen und Marck⸗ fcStraſſen zu Jehanabat, damit niemand all ſel⸗ gner/ nemlich des Dara· cha Gefaͤngnuß zweite/ führen ſolte/ gleich als wann ihine die Tiereloſigkeit wider ſeinen Bruder/ ein Ruhm gel.
ſen waͤre/ demſelben verordnete er die Veſtung 1Aſſer für Gefangenſchafft. Gleichwol wan e
under allen den jenigen die zugeloffen/ dieſeh
Fuͤrſten zu ſehen/ und denen nicht unwiſendaß er jhr rechtmaſſiger Koͤnig ware 1152wüͤnſchen jhne auf dem Thron wür cklich 10 2hen/ kein einiger welcher das Hertz halle 1%einen Dienſt zu thun. Es funden ſich Aa hie
liche wackere Soldaten die dieſem Fürften nvor gedienet/ und von demſelben bielgaceſen/pfangen/ welche ſich ſehuldig zu ſeyn ge 1 ib zbey dieſer Begebenheit einige Danckbab. se 5bezeugen. Wie dieſelben ihren rechlmaſſoneFürſten auß den Handen der fangen 0 5gefangen hielten/ zu befreyen achten aher aur
len ſie/ mit Grimm auf Gion- kan, der
Stund Hulff/ jedoch bald hernach inden 0
1 Gol.
wiederum nach ſeinem Land kehrend/ 10Wald da er durchreiſen wolte/erſchlagden/ ſeinen verdienten Lohn bekonune te 5g
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