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Beschreibung der sechs Reisen, welche Johan Baptista Tavernier ... in Türckey, Persien und Indien innerhalb viertzig Jahren durch alle Wege die man nach diesen Länderen nehmen kan verrichtet : worinnen unterschiedliche Anmerckungen von der Beschaffenheit der Religion, Regierung, Gebräuchen und Handlungen jeglichen Landes enthalten samt den Figuren, Gewichten und dem Mass der Müntzen, welche in diesen Länderen gangbar sind ...
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94tiermeiſter nicht einlaſſen wollen/ und ſich furAureng- zeb erklart. Welches Para cha ver-urſachte eylend auch in der finſtern Nacht auf-zubrechen/ und den Weg auf Scimdli zu neh-men/ eine neue Verraͤhterey/ deren zu widerſte-hen/ er in ſeinem damaligen unglücklichen Zu-ſtand ſich zu ſchwach befunde/ befoͤrchtend.Dara · cha kame an in Scimdi, willens nachPerſien überzugehen/ alda Cha-Abas II. feiner

Cha-Abasaſſiſtiert denDara. cha.

Volck und Gelt zu helfen/ wartete. Aber die-ſer Fürſt dem Meer nicht trauend/ und beforch-tend es moͤchte bey deſſen Unbeſtandigkeit einfriſches Ungluck begegnen/ vermeinte der Wegzu Land ware für ſeine und ſeiner Weiber undKinder Perſonen ſicherer. Jedoch wurde erhierinn betrogen; dann als derſelbe durch dasLand der Patanon nach Candahar zu gelan-gen/ ſeinen Weg nahme/ ward er ferner voneinem Herm des Lands Zion-Kan genant/welcher ein Beamter des Koͤnigs ſeines Vat-tern geweſen/ und wegen begangenen Laſtern/auß dem Munde des Koͤnigs/ under die Füſſeeines Elephanten geworffen zu werden/ verur-theilt/ aber auf Fürbitte bemeldten Para- cha,deme er für die Errettung ſeines Lebens zu dan-cken hatte/ begnadiget worden iſt/ ſchandlicherWeiſe verrahten. Zum Uberſluß der Trüb-ſalen/ bekame Dara: cha vor Ankunfft in demHauſe des bemeldten Gion ⸗Kan, durch einenLackeyen die traurige Bortſchafft des Todesder jenigen ſeiner Weiber/ welche er am lieb-ſten hatte/ und ihne in ſeinem Ungluͤck allzeitbegleitet. Er vernahme daß dieſelbe vor Hitzund Durſt/ indeme ſie auf dem Feld auch nichteinen Tropfen Waſſers um den Mund zu er-kühlen/ finden koͤnnen/ geſtorben ware. Die-ſer Fürſt ward uber dieſe Zeitung alſo ſchmertz-

Mur Verraͤ-therey undboſe Bott-ſchafft.

lich betruͤbt/ daß er als tod zur Erden fiele/

und ſo bald derſelbe/ durch Hulff der Umſte-henden wiederum zu ſich ſelbſten kommen/ zer-riſſe er auß Ubermaß ſeines Schmertzens/ dieKleider; welches eine uhralte Gewonheit inOrient/ und David ſelbſten zerriſſe die ſeinen/auf die empfangene Bottſchafft des TodesAbſalons ſeines Sohns. Dieſer ungluͤckſe-

lige Fuͤrſt hatte ſonſten gleichſam unempfind-

lich in allen Widerwaͤrtigkeiten ſich erzeigt;

aber in dieſem hatte jhn der Schmertz uber-wunden/ er wolte auch von ſeinen Freunden

Manier des ſich nicht troͤſten laſſen. Er kleidete ſich ſei-Leidrragens. ner Betruͤbnuß gemaß/ und an ſtatt eines Tur-bans bande er um ſein Haubt ein Stuck gro-

bes Leinwad. In ſolchem erbarmlichen Ha-

bit gienge er zum Hauſe des Verraͤhters Gion-

kan ein/ alba auf einem Feldbeth/ um ſich ein

wenig zu erholen/ ligend/ begegneten demſelben

sepper Che- bey ſeinem aufwachen friſche Hertzſtiche. Als

kour Dara-chans zweh-

ten Sohns chan zweyten Sohn greiffen wolte/ thate die-

Zerreiſſungder Kleiderin Orient.

5 ſem Verrahter kapfern Widerſtand/ und ſei-

nen Bogen und Pfeil zur Hand nehmend/ er-legte er drey Mann auf dem Platz. Aber weiler allein ware/ konte derſelbe ſo vielen Verrah-tern ferner nicht widerſtehen/ welche der Pfor-

mit einer herꝛlichen Bereit ſchafft/ um jhme mit

Sion-kan guf Sepper Chekour des Dara-

ertbafftig⸗ ſer funge Prin gleichſam noch ein Kind/ die

Reisbeſchreibung in Indien/

ten des Hauſes maͤchtig/ niemand der jhne ent-ſetzen konte/ einlieſſen. Wie nun Dara · cha vondem Getümmel dieſer grauſamen Mardern/ daſie den Fuͤrſten griffen/ erwachte/ ſahe derſelbeſeinen Sohn mit auf den Rucken gebundenenHanden/ vor ſeinen Augen ſtehen. Dieſer un-glüͤckſelige Vatter nunmehr an der ſchaͤndli-chen Verraͤhterey ſeines Wirths nicht zweilend/ konte ſich micht enthalten/ in dem billichenZorn da er ware/ wider den Verraͤther Gion,kan, in ſolche Wort außzubrechen: Vollende/ſagte er/ du undanckbarer und ſchandloſerGaſt/ vollende was du angefangen; wir ſeynddie Schlacht⸗Opfer des Unglücks und der un-gerechten Begierd Aureng- zebs: aber geden-cke daß ich den Tod verdienet/ nur darum/ weilich dir das Leben errettet/ und daß niemalen ei-nigem Furſten von Koͤniglichem Geblut dieHände auf den Rücken gebunden worden.Gion- kan von dieſen Worten etlicher maſſen

bewegt/ lieſſe den jungen Füͤrſten entbinden/

und ſtellete allein eine Wacht für Dara · cha undſeinen Sohn; ſchickte zugleich einen eigenenBotten an Raja Reſſomſeing und Abdulla-Kan, dieſelben zu berichten/ daß er des Dara-cha und der ſeinigen ſich bemaͤchtiget. Auf die;ſe Bottſchafft kamen dieſelben in El/ an demRaub dieſes Fürſten Theil zu nehmen; aber

ſo bald konten ſie nicht einlangen/ daß Gion ö

kan nicht Zeit hatte das Beſte hinweg zu 17 0

men/ und tractierte auch des Dara-chansber und Kinder ſehr unfreundlich. Als der Ka-

ja und Abdulla- kan darkommen/ ward Paracha ſamt ſeinem Sohn auf einen Elephantenund ſeine Weiber und übrige Kinder auf einenandern geſetzt/ und alſo mit groſſemUnderſchie)jhres vorhergangenen Aufzugs zu Jehanabat-alda ſie den H. Semptember ankommen/ gefüh-ret. Alles Volck lieffe herbey/ ein jeder wumſchend den Füͤrſten den er gern zu einem Kollehatte/ zu ſehen; Aureng· zeb befahle/ daß maßſie durch alle Haubt-Gaſſen und Marck⸗ fcStraſſen zu Jehanabat, damit niemand all ſel⸗ gner/ nemlich des Dara· cha Gefaͤngnuß zweite/ führen ſolte/ gleich als wann ihine die Tiereloſigkeit wider ſeinen Bruder/ ein Ruhm gel.

ſen waͤre/ demſelben verordnete er die Veſtung 1Aſſer für Gefangenſchafft. Gleichwol wan e

under allen den jenigen die zugeloffen/ dieſeh

Fuͤrſten zu ſehen/ und denen nicht unwiſendaß er jhr rechtmaſſiger Koͤnig ware 1152wüͤnſchen jhne auf dem Thron wür cklich 10 2hen/ kein einiger welcher das Hertz halle 1%einen Dienſt zu thun. Es funden ſich Aa hie

liche wackere Soldaten die dieſem Fürften nvor gedienet/ und von demſelben bielgaceſen/pfangen/ welche ſich ſehuldig zu ſeyn ge 1 ib zbey dieſer Begebenheit einige Danckbab. se 5bezeugen. Wie dieſelben ihren rechlmaſſoneFürſten auß den Handen der fangen 0 5gefangen hielten/ zu befreyen achten aher aur

len ſie/ mit Grimm auf Gion- kan, der

Stund Hulff/ jedoch bald hernach inden 0

1 Gol.

wiederum nach ſeinem Land kehrend/ 10Wald da er durchreiſen wolte/erſchlagden/ ſeinen verdienten Lohn bekonune te 5g

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