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Beschreibung der sechs Reisen, welche Johan Baptista Tavernier ... in Türckey, Persien und Indien innerhalb viertzig Jahren durch alle Wege die man nach diesen Länderen nehmen kan verrichtet : worinnen unterschiedliche Anmerckungen von der Beschaffenheit der Religion, Regierung, Gebräuchen und Handlungen jeglichen Landes enthalten samt den Figuren, Gewichten und dem Mass der Müntzen, welche in diesen Länderen gangbar sind ...
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Reisbeſchreibung in Indien/

darnle, wird auf ewige Zeit für ehrlos geſchatzet/berchute wann er in der Gelegenheit zu fechten füͤch-Leut. tig wird. Dieſes iſt ein ewiger Flecken inſeinem Geſchlecht/ und ich will wegen die-

ſer Urſache eine Geſchicht hierzu thun/ ſo mir

in dem Lande erzehlet worden. Ein Sol-

weichen dat/ welcher ſeine Frau inbrunſtig liebte/den Solda, und von welcher er das Gegen⸗Recht em-den pfienge/ flohe indem Streit/ nicht auß Forchtdes Todes/ ſondern wegen der einzigen Be-trachtung der Traurigkeit ſeiner Frauen/wann ſie zur Wittwen wurde. So hald ſiedie Urſache ſeiner Flucht verſtanden/ undſolchen ſich dem Hauß naͤhern ſahe/ ver ſperteſie jhme die Thuͤre/ und lieſſe jhme ſagen/daß ſie keinen Mann/ welcher die Liebe ei-nes Weibs der Ehre vorgezogen hatte/ vorden Ihrigen erkennen koͤnte/ daß ſie jhn nim-mer zu ſehen verlange/ um ſeinem Geſchlechtkeinen Schandflecken zu machen/ und ſeineKinder zu lernen/ daß ſie hertzhaftiger wur-den als ihr Vatter. Dieſes Weib bliebefeſt in jhrem gefaßten Schluß/ und der Mannnun jhre Huld und Liebe wieder zu gewinnen/kehrte wieder zu dem Heere um/ allwo er ſchoͤ-ne Thaten/ ſo jhn ſehr beliebt machten/ ver-

Geſchicht ei-fliehen-

übte/ und nachdeme er offentlich ſeinen Feh-

ler verbeſſert/ ward jhme die Thur ſeines Hau-

ſes eroͤfnet/ und ſein Weib empfienge ihn mitFreuden. 5 N

Das uͤbrige Voſck/ ſo nicht in einer die-

Beſchrei⸗ 5

n ſer vier Zünften komt/ wird Pauzecour ge-Volks o nant. Es ſeynd lauter Handwercks⸗ Leute/auſſer diefen und welche einander nicht ungleich ſeyn/ als

wier Züuſten in den unterſchiedlichen Handwercken wel-che ſie treiben/ von dem Vatter auf den Sohn/ſo wol ein Schneider/ ob wol er reich ware/

kan ſeine Kinder zu nichts anderm befuͤrdern/

als in ſeiner Handthierung/ noch ſolche an-

deyn verheurathen/ es ſeyen gleich Sohn oderTochter/ als auch ſeines Handwercks. EbenFund waueg auch/ wann ein Schneider ſtirbt/ alle vonLeute. feiner Handthierung begleiten jhn biß an dasOrt/ wo man ſeinen Leib verbrennet/ und daswird bey allen andern Handwercks⸗Leuten

*

beobachtet.

Unter den abſonderlichen Zunften iſt eine/

ſo Alacors genant wird/ welche nichts andersthun/ als die Hauſer ſaubern/ und jedes Haußgiebet ihnen alle Monat etwas nach deſſenGroͤſſe. Wann eine Stands⸗Perſon in In-

Wie viel dien, ſo wol ein Mahometaner/ als ein Heyd/Diener die fünfzig Diener hatte/ ware nicht einer/ wel-ner det, cher einen Beſem das Hauß zu kehren/ neh-beben che men wolte/ dann er hielte ſich für bemackelt/Worten/ ſo man einem Mann in Indien an

thun kan/ wann man jhn Alacor nennet. Es

iſt auch gut/ daß man hier bemercke/ daß wei-

len ein feder von dieſen Dienern ſein beſonders

Amt oder Verrichtung hat/ einer den Waſſer-

Krug zu tragen/ damit man unter Wegs

trincken koͤnne/ der ander die Taback⸗Pfeiffe

fertig zu halten/ wann ſehon der Herꝛ an dem

und iſt dieſes eine von denen groͤſten Schmaͤh-

einen begehren wurde/ was des andern Aut 1115iſt/ wuͤrde er ohnbedient bleiben/ und derKnecht ohnbeweglich ſeyn. Was die Leib-Eigene belanget/ ſeynd ſie verpfichtet/ alleszu thun/ was ihr Herz befiehlet/ und wie die-ſe Zunft der Alacoren mit nichts anderm be-ſchaftiget/ als den Unrath auß den Hauſernzu butzen/ leben ſie auch von nichts anderem/als was die andern uͤbrig laſſen/ ſie ſeyen vonwas für Sorte daß ſie wollen/ und machnihnen kein Gewiſſen/ von allem gleichguͤligglich zu eſſen. Es ſeynd nur die von dieſeeZunft/ 1 ſich der Eſel bedienen/ um den Un-fath auß den Häufern auf das Feld zu füh-ren/ und alle andere Indianer berühren die;ſes Thier nicht; und in Perſien iſt es dasgantze Widerſpiel/ dann man bedient ſichder Eſeln/ ſo wol zum Laſt⸗Tragen/ als dar-auf zu reiten. Es iſt auch niemand in Indienals die Alacors, ſo die Schweine ernähren

und eſſen.

Das IV. Capitel.

Von den Heydniſehenſten in Aſien.

6 An muß von den Heydniſchen Ko eg 19

N nigen in Aſien/ die von Aracan, voll 1Hegu, von Siam, von Cocinchinꝰ in Nel

und den von Tunquin, in den erſten Reihen

ſizen/ was aber den Konig von China bi-

trifft/ wiſſen wir/ daß er ein Heyde/ vor dem

Einfall der Tartarn in ſeinem Lande geweſen;

aber ſinth ſelbiger Zeit kan man nichts gewiſ

ſes davon ſagen/ angeſehen dieſe Tartaren/.

anjetzo ſelbigen Landes Meister/ weder Hh,

den noch Mahometaner/ aber wol eher b 10

zuſammen ſeyn. Erſtlich in den Eylande!?

iſt der Koͤnig von Japon, dann der von Ce

lan, und etliche kleine Koͤnige in den Moluqu 1

ſchen Inſeln; und endlichen alle Kajas, ſo pi

in dem Reich des Groß⸗Mogols, als in,

Deaf der Königreichen von*

pour und Golconda Seydniſchen Glauben g

und ingeſamt das gemeine Bolck/ ſo wol 1

den Landern/ ſo dem Groß Mogol und den,

Koͤnigen von Golconda und Viſapour zul 155

dig/ als auch der Inſeln Achen, Ja va ul bee

caſlar, deren Könige/ wie ich ſchonggſagg ah.

Mahometaner ſeyn/ alles gemeine Vo c/f 45

ich/ iſt in ſelbigem Lande Heydniſch.

Ich habe geſagt/ daß der Konig von 10

lan ein Heyd ſeye/ und das iſt wanne eig ees iſt auch wahr/ daß es ungefehr fi ijſt accJahr iſt/ daß ein Koͤnig von Ceylan ein Chan 115worden/ und in dem Tauf den Namen J o per unes bekommen/ und ward ſolcher zupb denKaͤyſer Priapender genant. So bald 5 dieChriſtlichen Glauben angenommen/ feng ernanderen Furſten und Prieſter einen Hon