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Beschreibung der sechs Reisen, welche Johan Baptista Tavernier ... in Türckey, Persien und Indien innerhalb viertzig Jahren durch alle Wege die man nach diesen Länderen nehmen kan verrichtet : worinnen unterschiedliche Anmerckungen von der Beschaffenheit der Religion, Regierung, Gebräuchen und Handlungen jeglichen Landes enthalten samt den Figuren, Gewichten und dem Mass der Müntzen, welche in diesen Länderen gangbar sind ...
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Drittes Buch.

beym und daß der Aberglauben eine ſo ſelta-me Manigfaltigkeit von Meinungen und Ge-wonheiten eingeführet/ daß ſie mmmermehrmit einander übereinſtimmen werden. EinHeyd würde nimmermehr in einen Haußeines andern Zuufft als die ſeinige/ kein Broteſſen/ noch Waſſer trincken/ es ware dann/ daßbb edler und fürnehmer ſeye/ und alſo dorffenlie alles in den Hauſern der Braminen, wel-

en Ge derem offen ſichen eſſn und erineken.In in bey Eine Zunfft iſt bey nahe bey dieſen Hey-

ih. Sehen den/ was vor alters ein Stamm bey den

Juden geweſen; und obwolen inan germei-

Fenng, dich darvor haltet/ daß zwey und ſieben-

am e bieſer Zunfften ſeyen/ habe ich doch vonden Gelehrteſten jhrer Prieſtern vernommen/

daß man ſolche in vier Haubl⸗Zunfften ver-

ſtzen konne/ von welchen alle die anderen jh-hen Urſprung bekommen.

deer 1 f 2 1e de Bac hewelches die Nachfolger der alten Brach-mannen oder Indianiſchen Weltweiſen/ wel-che ſich ſonderlich auf die Skern⸗Kunſt ver-ten. Man findet noch von jhren altenBucher/ in deren Leſung die Braminengemeiniglieh beſchafftiget ſeynd/ und ſie8 and in deren Warnemmung dergeſtaltenfag aun eleſen/ daß ſie nicht um eine Minuten inUbgecken Bemerckung der Sonnen und Monds⸗Fin-

Wie Kernſäſſen/ fehlen. Und damit dieſe Wiſſen-pPbhafft under ihnen erhalten werde/ habene eine Art hoher Schuhle in der StadtFdsnarez genant/ wo ſie fürnemlich ſich inStern⸗Kunſt üben/ und wo ſie auchrg t chrifftgelehrte haben/ ſo in dem Geſetzeede, duderweiſen/ welches ſie mit groſſer Schaͤrf-ddelachen beobachten. Dieſe Zunfft iſt die8 elſte under allen/ dann auß den Brami-5 5 iſt es/ daß man die Prieſter und Glau-ius Bediente nennet. Aber weilen ſie in

5 woe Anzahl/ und nicht alle auf jhrer

a en Schule ſtudieren konnen/ ſeynd ſieRaabe ungelehrt und folgbar ſehr aber-

kei biſch/ die ſo under ihnen vor die Geiſt-

i chſten gehalten wurden/ waren die groͤſſe-

d 5 Hexenmeister.

ode Die zwegte Zun iſt der Raſpoutes0 erbis; 95 0 ſo viel ſagen, alseyn der, und ſtreitbare Manner. Dieſefond die eintzigen Indianiſchen Heydenberiſeitz haben/ und ſich in den Waffen9 ih wn machen. Alle die Rajas von denen 80 underſchiedliche malen geredt habe/ ſeynd5 vil dieser Zunft. Sie ſeynd als eben ſofee dle Könige/ deren MißverſtaͤndnußAber m Groß⸗Mogol zinßbar gemachet;

ſeh weil der meiſte Theil in ſeinem Dienſtenet)(werden ſie über die maſſen wol beloh-dahlen on der kleinen Steur ſo ſie jhme be-dung durch die groſſe und ehrliche Beſol-Ja8 5 ſie von jhme bekommen. Dieſe Ra-end d ihre Underthanen die Ralpoutes,ls die veſteften Stützen des Groß⸗Mo-ies Reichs/ und es waren die RajasI. Theil.

3Jeſſeing und ſeſſomſeing ſo den Aureng-zeb auf den Thron geſetzek. Aber es iſt zubemercken/ daß dieſe zweyte Zunfft nicht inlauter Kriegsleuten beſtehet. Es ſeynd dieRaſpoutes allein ſo zu Kriege dienen/ und

alle Reuter ſeynd; aber was die Ketris

aubelanget/ haben ſie auß der Art jhrer

Vor⸗Eſtern geſchlagen/ und die Waffen

mit der Handelſchafft vertauſchet. g

Die dritte Zunfft iſt die der Banjanen,welche alle der Handelſchafft ergeben/ undderen eine Cherafs, das iſt/ Wechsler/ unddie anderen Underhaͤndler/ durch deren Mit-tel die Kaufleute kauffen und verkaufen.Die von dieſer Zunfft ſeynd dergeſtalten ſub-til und geſchickt in der Handlung/ daßwie ich ſchon anderswo geſagt habe/ ſie demaller ⸗abgeführteſten Juden/ nochſeehre vor-

ſchreiben konten. Sie gewoͤhnen bey guter

Seit jhre Kinder den Müſſiggang zu fliehen/und an ſtatt ihre Kinder auf der Gaſſen um-lauffende zu dulden/ und jhre Zeit mit ſpie-len zu verlieren/ wie wir gemeiniglich mit

Die dritte.

den unſern thun. Sie underweiſen dafür Wie ſie dar,

ſolche in der Rechen⸗Kunſt/ welche ſte voll-kommen beſitzen/ und bedienen ſich darzu leweder der Feder noch Rechenpfenningen/ ſon-dern des bloſſen Gedachtnuſſes/ daß auf ſol-che Weiſe ſie einem in einem Augenblick dieſchwerſte 1 ſtellen ſo ſeyn kan. Sieſeyn allezeit bey hren Vaktern/ welche ſie inder Handlung underrichten/ und welchenichts verrichten/ ſie weiſen es jhnen dannzugleich. Hier ſeynd die Buchſtaben/ wel-cher ſie ſich in jhren Büchern bedienen/ ſowol in den Landen des Groß⸗Mogols/ als

innen dieRechenkunſtren.

auch in andern Orten in Indien/ obwol

die Sprachen under ſchiedlich ſeynd. Wanneiner den Zorn wider ſie überhand nehmenlaſſet/ hoͤren ſie mit Gedult und ohne Wie-derrede zu/ gehen gantz kaltſinnig weg/ undfommen nicht vor vier oder fünff Tagen wie-der zu ſelbigem Menſchen/ bis ſie meynen

daß jhme der Zorn vergangen. Sie eſſen Ihre Epeiß.

nimmermehr nichts ſo ein einpfindliches Le-

ben hat/ und ſie ſturben lieber/ als nur dasgeringſte Thierlein zu todten/ gar nicht einUngeziefer noch ein Wurmlein/ und ſeynd

in dieſem Puncken ſehr eiferige Beobachter Send guteihres Geſetzes. Das iſt genug/ wann man Lieder ibres

ſaget/ daß ſie einander nicht ſchlagen/ und e

daß ſie nimmermehr zu Kriege gehen/ ſiekoͤnnen nichts in der Raſpoutes Hauſerneſſen/ dieweil ſie toͤdten und Fleiſch eſſen/gußgenommen von den Kühen/ von welchenſie nimmermehr genieſen..

geg.

Die vierdte Zunfft heiſſet harados oder Die vierdte.

der Soudras und gleich wie die Kalpoutesſeynd ſie in den Kriegen beſchafftiget; abermit dieſem Underſcheid/ daß die Nalpouteszu Pferd/ und die Charados zu Fuſſe die-nen. Die einen und die andern/ ſuchen denRuhm in den Waffen zu ſterben/ und einSoldat/ er ſeye ein Reuter oder Fußknecht/

5 O 0 wird