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Beschreibung der sechs Reisen, welche Johan Baptista Tavernier ... in Türckey, Persien und Indien innerhalb viertzig Jahren durch alle Wege die man nach diesen Länderen nehmen kan verrichtet : worinnen unterschiedliche Anmerckungen von der Beschaffenheit der Religion, Regierung, Gebräuchen und Handlungen jeglichen Landes enthalten samt den Figuren, Gewichten und dem Mass der Müntzen, welche in diesen Länderen gangbar sind ...
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der Depitirten auß Franckreich betreffend vorgangen. 39

als Holländer beſitzen auch Hauſer umb denSins/ und doͤrffen kein eigenes bauen laſſena auch ohne Erlaubnuß keinen Nagel oder

Zapffen einſchlagen/ der groſſe Mogol hatein Exempel genommen/ daß an andern Or-ten alda die Chriſten eigene Hauer hatten/

dieſelbigen unter dem Schein einer Verbeſſe,

rung ſolche dermaſſen befeſtiget/ das wann

hernach die Cubernator kttvas anſagen laſſen/N haben ſie ſich widerſetzet/ und es ſo weit ge-

ſagan bracht daß ſie thun muſſen/ was ſie begehrt.n So bald die Geſandten zu Surate ange,fan, langt/ lieſſen ſie ein Geſchrey außgehen daß inee, kurtzer Zeit 7 oder S Schiffe der FrantzoſiſchenTm ompagnie ankommen würden. Der Kauff-galant man von Aleppo war über diſer Zeitung hochMebof, erfreüet und verhoffte durch Gunſt derAachen. Capuciner und den Vortheil denn er hatteweil er vieler Aſatiſchen Sprachen kundig

war/ zuerhalten daß der groͤſte Theil der

ahren durch ſeine Hande gehen moͤge-

In Hoffnung deſſen ſuchte er den Abgeſandtzauff allen ſeiten zu ſchmeicheln/ und beſchenck-de ſie mit etlichen prelenten, hielte ihnen freyeund offentliche Taſel/ ſo lang ſie ſich zu Suratebefunden und ſpeiſete auch ihre bediente auff

Feine Unkoſten. Er erkandte keichtlich daß dieHGeſaindten ſehr karg weren/ erhoffte aber dasgute Tractament und die verehrungen die ſie

von ihme genoſſen/ wurden ſie entlich zu be,

zeugung einer Danckbarkeit bewegen/ aberer fand ſich ſehr betrogen. Es belieff ſich bißauff oO. Roupies, theils was er an dieſel-bigen zu Surate angewendet/ theils was ſeinVetter ihnen zu Agra fuͤrgeſchoſſen. NZween oder 3. Tag nach Ankunfft der Ab-geſandten zu Surata, ließ ſie der EngliſchePreſident durch ſeinen Raht beſuchen/ weil erlolches auß Unpaͤßlichkeit ſintemahl er an demVodagra kranck lag nicht Perſöhnlich verrick-i konte/ der Hollaͤndiſche Commendant nebſteinem Naht kam auch zu ihnen/ und erzeig -te ihnen alle Hoͤffligkeit. Ich weis zwar nichtob unter dieſer Freundligkeit nicht ein Politi-cher Griff verborgen geſtecket/ allein es blibhaben/ und wenig Tage hernach wurden dieAbgeſandten von den Hollaͤndern zu Gaſtgebehten. Als man zur Taffel geſeſſen fiengenſie an des Königs von Franckreich Geſundheitf zutrincken/ unterdeſſen wurde auß vielen klei-0 nen Stücken und Feurmoͤrſeln Feur gege-tagen. ben ſolche Stüͤcklein pflegen die Holländerden des in ihren Wohnungen zu haben und laſſen ſichwenn ſie Furnehmer Herꝛn Geſundheit trin-cken oder wann ſie eine Vietori erhalten/ tap-er damit hoͤren/ man unterließ auch nicht/auff gute prolperität und auff das wohler,ö geen der Frantzöſiſchen Compagnie zu trin-eh. Herz Boulaye meinte ein gleiches auffſaſündheit der Holändichen Compagoiewwahun und hielte ſolches der Hoffigkeit ge,bes zu lein/ wie er daun auch thate. Alsſeh ol die Reye auch an den Beber kam/ wider155 er ſich und bildete ſich ein er ſey viel klü-e als Boulaye, und was ſo wol er/ als an-

dere Leute ihme vorbrachten/ und zuredetenſo konte man doch nicht von ihme erhalten/daß er die erwieſene Ehre und Hofffligkeit er,ſetzet hatte/ ja was noch aͤrger war/ als manihme zuzureden fort fuhr lies er das Glaß ein-ſchencken und warff es trotziglich zu ſeinenFüſſen. Er ſtund auch alsbald von der Taf-el auff/ und gieng mit ſchlechter Ehr ohneeinigen Bedienten zu Fuſſe in ſeine Woh-nung. Die Holländer erkkuge diſen Schimpffauß Hoͤffligkeit und ſagten nichts dazu/ undbliben nebenſt dem Boulaye in Froͤligkeit ander Taffel biß umb Mitternacht ſitzen. Den-noch konten iſſe nicht unterlaſſen bey etli-chen ihrer Freunde daruber zu klagen und ver-wunderten ſich ſehr das unangeſthen ſo vielEhrliche und Verſtaͤndige Leuthe in Franck-

reich weren/ man dennoch einen Thoren zuVernichtung eines ſo wichtigen Handels er-

wehlet/ und ſahen wohl daß er ihnen in de!Handlung wenig Nutzen ſchaffen wurde.Die Zeit Über als ſich die Geſandten zuSurate auffhilten/ bewiß der Gubernatotdes Orts durch vermittelung Pater Ambro-ii, ihnen alle Freund ſchafft/ ſo frembden je-mahls erzeiget werden konte. Einsmahlsda ſie mit einander ſich unterꝛedeten ſprach er

zu ihnen daß wenn ſie ſeinem Rathe folgen

wolten/ ſolten ſie vor Ankunfft ihrer Schiffenicht nach Hoffe gehen/ 15 der Guberna- N alletor ſahe wohl daß ihr Vorhaben ſeinem uhm zu er.Rath zu wider und entgigen war/ und daß zeigen geben.ſie ihnen feſtiglich fuͤrgeſetzt den Konig zu ckel trotziglichehen/ derohalben offerikte er ihnen Schiffe verwirſſtGeld und Soldaten ſie zu begleiten/ wolteihnen auch Recommendation-Brieffe anetliche fürnehme Hoffbedienten mit geben.Der Chabander der den Kauffleuthen fuͤr-geſetzet und der naͤchſte nach dem Euberna-tor iſt/ er bote ſich denſelben in gleichen Sa-chen behulfflich zu ſeyn/ aber ſie ſchlugen estrotziglich ab/ ſonderlich Beber der ſich gantzuͤnbeſonnen ein bildete er habe mehr Klugheitals Boulaye gefreſſen. Gleiche Hoͤffligkeiterwiſen ſie als ſie von dem Gubernator undChabander beſchencket wurden/ denn alsman ihnen die Geſchencke in ihre Wohnungbrachte/ gaben ſie denen ſo ſolche brachten auchnicht einen Pfenning fuͤr ihre Bemuͤhung/welches hie zu Lande ſehr ſchimpfflich gehal-ten wird. Den es iſt gebrauchlich daß für-nehmer Herꝛen Bͤͤdiente wenig andere Be-lohnung haben als das Geſchencke die ſiebon einem und andern die ihr Herꝛ beſchen-cket erhalten/ und je mehr es ihnen eintraͤgt jegröſſere Ehre hat der jenige davon/ der ſolcheſhnen verehrt oder der von deme die Geſchen-cke kommen. 5

Als nun die Abgeſandten ſich reſolvirethalten nach Agra zu reſſen/ dungen ſie eineKutſche mit Ochſen beſpannet/ nebſt andernOchſen ihre Bagage zu führen und 25 Sol-daten zu ihrer Leibwacht. Sie machten eingroſſes Geſchrey wegen der Ehre die ſie hal,ten von einem ſo maͤchtigen Koͤnige und einer

f anſehn-