Buch 
Beschreibung der sechs Reisen, welche Johan Baptista Tavernier ... in Türckey, Persien und Indien innerhalb viertzig Jahren durch alle Wege die man nach diesen Länderen nehmen kan verrichtet : worinnen unterschiedliche Anmerckungen von der Beschaffenheit der Religion, Regierung, Gebräuchen und Handlungen jeglichen Landes enthalten samt den Figuren, Gewichten und dem Mass der Müntzen, welche in diesen Länderen gangbar sind ...
Entstehung
Seite
53
JPEG-Download
 

21

der Deputirten auß Franckreich betreffend vorgangen.

mich die Unkoͤſten zu meiner Sicherheit an-zuwenden nicht daureten) ſich befanden/ undmir ein jeder einen Burgen ſtellen müßtegenommen. Dieſe Arth der Schiffe iſt denkleinen Gallioten gleich/ und ſeynd ſehr ge-geſchickt einen auff beſtimbten Tag an fuͤrge-ſezten Orth zubringen/ auch dafern manauff der Erden bey Nacht ſchlaffen will/ laͤſ-ſet man ſein Zellt auffrichten/ man pflegetauch bey allen Staten und Doͤrffern umbSpeiſe zu kauffen mit dem ſchiffen ein,zuhalten/ ſonſten kan ich mich mit recht ruͤh-men/ daß ich niemalen keine ſolche gluͤcklicheReiſe gehabt/ und darbey weniger Gefahr

und muͤheſamer Arbeit were unterworffen

0

U 1ſanftdeen d

geweſen. Dann eine gute Kammer darin-nen man vor der Hitze der Sonnen bedecket/das Fenſter dardurch kuͤhler Lufft ſtreichet/die Bequemlichkeit der Kuͤche und andererGemächer/ welche mit Laub gezieret/ machendieſe Schiffe ſehr annemlich/ und die Reiſeüber die maſſen luſtig und kurtz. Ich habe michdie Zeit hero mit ſchieſſen unterſchiedenes Ge-flügels ſonderlich auch groſſer Kranich undEr codill beluſtiget/ daruͤber dann meineBootsknecht frohe waren/ weil ich ſelbigeihnen allezeit uͤberlieſſe/ welche ſie hernach andie Einwohner in den Doͤrffern/ da wirvorbeyreiſeten/ verkaufften/ ſelbige pflegen/Oehl zumachen/ welches ſo wol zum bren-nen als auch ihre Schiffe vor dem Einlauffdeß Waſſers zuverſichern dienet. Son-ſten iſt das Volck an dieſem Orth ſehr gütigund dienſtwillig/ die debens⸗Mittel verkauf-fen ſie faſt umb nichts/ ſo gar daß man hun-dert Hüner umb einen Thaler haben kan/andere Sachen nach Proportion ſeyndgeichmaͤſſig wohl feil/ alſo daß man auch ei-nen Fiſch von einer ungeheuren Groſſe und

ange umb drey oder vier Sols kauffen kan.

Und dises iſt alles/ ſo ich/ die Zufaͤlle deſſen

von Boulaye betreffende auß ihnen verneh.men koͤnnen/ ich fahre fort denn nicht weniger

kraurigen/ und elenden Untergang deß Be-

berg kürzlich zubeſchreiben.So bald der Fraytzoſiſchen Geſellſchafft

Man die Schiffe zu Surste aukommen/ wurde bald

em Herꝛen Caron der dieſelben comman-dierte/ und Herꝛen Ramos, wie auch einemrmenier/ welche beyde nach jenem die mei-ſten Geſchaͤffte zuverꝛichten und alles zuver-ſorgen Ordre haften/ daß/ ſo ſich zwiſchen offtgedachtem Beber und den Capucinerenzugetragen/ wiſſend gemacht/ denſelben Au-genblick wurde die Neygung und der Nutzenmit dem Bericht von einapder geſondert/Jron und Rambos nahmen deß BebersParthey an/ der Armenier aber ſuchte derCapueiner Vortheil/ welches dann ſo wol0 Beber als Rambos das Unglück/ deſ-05 Umbſtände ich bald erzehlen will/ auffen Halß gezogen/ es geſchahe/ als der705 ollaͤndiſche Commendant, Herzen CaronN 5 ſeinem Schiff beſuchte/ und nach genom-Menem Abſcheid Ehrenthalben nicht geſtat-

93

ten wolte/ daß einer auß ſeiner Kammer gien

ge und ihn begleitete wehen der von 155 aebos und der Armenier welche wie vor ge ee Armmeldet nach Herꝛen Caron die Vornembſten mier.in Handels⸗Geſchaͤfften waren/ doch ſolches

nicht unterlaſſen/ der Ehrgeitz aber verur-ſachete/ daß der Armenier dem Rambos vor-

zugehen ſuchte/ ſolches auch er zwingend

wurde Rambos zum Zorn und Eyfe be-

weget/ daß er ihme durch Verſetzung einesBackenſtreichs den Schimpff in aller Ge-

genwarth zuvergelten nieht underlaſſen kon-

te: ich laſſe allhier den Leſer ſelbſten urthei-

len/ was vor Unheil und boͤſe Haͤndel diſes

nach ſich gezogen/ der Sachen mit wenigem De, Armezugedencken/ weil Caron, Rambos und Be ner wdber beyſammen hielten/ fiel dem Armenier angelagert,ſchwer/ ja unmoglich allein ihnen zu wieder-

ſtehen/ und weil er Schatzmeiſter war/ wur-

de er als ein übler Haußhalter angeklaget

und zum Strick verurtheilet/ ſolches Urtheil

aber zuvoll ziehen/ ward gegenwartiger Orthundienlich erkandt/ und der Armenier an

den Königlichen Raht in die Inſul Mada-

gaſcar deſſen Haupt der von Mondevergue

dazumal war/ das was hier ſich nicht thun

laſſen/ dorten aufzuführen/ geſandt/ gedach-

ter Mondevergue aber/ nach deme er ſeineRechtsfertigung geſehen/ ſprach ihn nicht Wird un.allein unſchuldig/ ſondern bezeugete auch/ ſchu dig 95daß er ein uͤber alle maſſen nutzlicher Mann/ ſprochen.und der Compagnie ſehr vortheilhafftig ſeyn

koͤnne; ſendete ihn auch mit mehrerer Voll-

macht ihme ein groͤſſers unter die Hande zugeben/ wieder zu ruͤck. Dieſes gab genugſam

Anlaß den Beber und kambos den Muht

fallen zulaſſen/ weilen ſie ſahen/ daß der je-

nige/ welchen ſie zuverderben gedacht/ ihrem

Strick entgangen/ und empor geſtiegen ſie

funden endlich Mittel zwoͤlfftauſend Rou-

pies, welche ſie als einen Theil ihrer ruͤckſtaͤn-

digen Beſoldung von der Compagnie for, S tbers undderten/ an ſich zubringen. Dieſe legten ſie Rambosgebſt des Bebers vier und zwantzig tauſend/ neues Vor -ſo dem Beber abſonderlich gehoͤrten/ zuſam⸗ nehmen.men und fiengen an damit zu Goa zu han-

dlen; Nach deme aber kurtze Zeit verfloſſen/ Bebers Tod.ſtarb Beber/ Rambos aber kam durch Eil. Webers Tho,

pahan wieder hierher.

Ich bin gewiß/ wann die Capuciner in-

ſonderheit aber Pater Ambroſius alles was

ihnen von dem Weſen und ſchaͤndlichenverhalten dieſer beyden Abgeſandten bewußt/in Schrifften verfaſſen und der Welt vorAugen legen wolten/ wurde hierzu ein groſ-ſes Buch vonnothen ſeyn/ aber ihreeigene Beſcheidenheit und dieChriſtliche Liebe hat ſolcheszu thun widerzahten. Ichfolge billich ihrem Ex.empel/ und unter-laſſe ein mehrershiervon zuge-dencken.

G 3 Anmer-