Buch 
Beschreibung der sechs Reisen, welche Johan Baptista Tavernier ... in Türckey, Persien und Indien innerhalb viertzig Jahren durch alle Wege die man nach diesen Länderen nehmen kan verrichtet : worinnen unterschiedliche Anmerckungen von der Beschaffenheit der Religion, Regierung, Gebräuchen und Handlungen jeglichen Landes enthalten samt den Figuren, Gewichten und dem Mass der Müntzen, welche in diesen Länderen gangbar sind ...
Entstehung
Seite
80
JPEG-Download
 

8

. Solimanninicht ſeine Kleiderkammer/ noch das jenige/was ſeinen Weibern zugehoͤrte; ſo wurde imauch alles/ was er zu ſeinem taglichen Haußge-brauch/ and in ſeinem Marſtall vonnoͤhten hat-te/ gelaſſen. Über diß ſo ver willigte jhm auchder King fünffzig tauſend Pfund Renten/

von welchen er in einem Pallaft/ auſſerhalb

8 Chiras, eingeſperet leben/ und nicht herqußkommen ſolte/ wiewol ſeine gute Freunde jhnbeſüchen durfften. Es fielen auch ſeine Kinderzugleich in Ungnad/ und wurden jhrer Aemter

enlſetzet. 8 a 5

Nach ſeiner Entſetzung gab der Konig ſei-ne Stelle niemand/ weil es der beſten/ und ein-traͤglichſten eine in gantz Perſten war/ ſondernes wurde einem Perſtaniſchen Herꝛn auß einemalten Geſchlecht/ ein ſchrifftlicher Befehl/ dieſeProvintz bis auf weitere Verordnung zu ver-walten zugeſchickt. 3

Hingegen Vir haben bereits erwehnet/ welcher ge-

kalt n wie, ſtalt alle/ ſo under der Regierung Klabas des

8 n 4. 1 N

der zu Eua⸗ Zweyten in Ungnad gefallen/ zu Anfang die-den. ſes neuen Koͤnigreichs auß jhrer Acht wieder zuGnaden kommen. Under dieſer Zahl nun waͤr

auch der Mirza-Hadi, einer von den gelehrte-

ſten Mannern in gantz Perſien/ von welchem

man alle Geheimnuſſen dieſes Reichs/ es ſeye

gleich wegen Situation und Lagerſtelle der

Derter und Platze/ oder die Geſchichtbeſchrei-

bung/ oder das Policey⸗Weſen lernen und er-fahren koͤnnen; geſtalten ich mich dann eben-

maſſig bemüͤhet/ mir ſeine Freund und Geſell-ſchafſt zu Nutz zu machen. Es hatte jhm der

oberſte Staars⸗Miniſter under dem Verſtor-benen ſeinen Proceß machen laſſen/ und jhn in

ſeinen Pallaſt/ den er zu Iſpahan gehabt/ ver-wieſen/ auß welchem er bis nach dieſes Monar-chen Tod nicht kommen iſt. Weil er nun ein

guter Hoffmann/ und bey Hofe wol angeſe-

hen war/ ſo wurde jhm der Zeit das Amt einesVazierszoder Königlichen Pachtmans zu Kir-

maan, welches Caramanien iſt/ gegeben.Eine duda Es befande ſich zu Iſpahan/ ſeith dreyen0 Jahren her/ eine alte Indianiſche Furſtin/Erlaubnuß bvelche daſelbſt gleich als gefangen aufgehaltenauß Perſten wurde. Dieſe war des letſten Königs zu De-zuziehen. can Schweſter/ Namens Saheb-Koudchek,das iſt/ kleine Frau; dardurch anzudeuten/daß ſie die zweyte Princeſſin/ und noch eine an-dere uber jhr war. Sie hatte jhre Wohnungzu Viüapour, und war Willens/ noch vor jh-rem Ende eine Wallfahrt nach Mecha zuthun/ dahin ſie einen unſaglichen Schatz mit-genommen. Zu Vollziehung nun dieſer Wan-derſchafft/ nahme ſie jhren Weg durch Per-

ſien; es wolte ſie aber Konig Hlabas der Zwey-

te/ auß unbekanten Urſachen/ dahinter man nierecht kommen konnen/ als er ſie in ſeiner Ge-walt hatte/ nicht weiter/ noch auß ſeinem Kö-men ziehen laſſen/ ob ſie jhm gleich/ wegenhaltung dieſer Gnabe/ zu underſchiedlichen

malen ſchr anſehnliche Preſenten angebotten.

Der neue Konig aber/ und dieſes Jahr der neueSoliman, exwiſe ſich gegen den Preſenten die-fer Fürſtin nicht ſo unempfindlich als ſein Vat-/ ſondern verkwilligte in jhr Begaren/ und

III. Koͤnigs 5bekame hingegen von jhr einen Schatz vonEdelgeſteinen eines unſchetbaren Werths.

Sie nahme Ihre Zeit in acht/ als einsmalsder Konig mit ſeinem Frauenzimmer vor demPallaſt/ darein man ſie loſtert/ vorbey gezo-gen; da ſie dann mit jhren Preſenten/ und jhrerBittſchrifft vor jhm erſchienen/ und in jhremHofe eine ſtattliche Collation zurichten/ auchauf der Gaſſen guͤldene Stucke aufbreiten laſ-ſen/ worüber der Konig reiten ſolte; und inſolchem Ritt warffen ihre Hofbediente underſeines Pferdes Fuͤſſen eine Anzahl guͤldenerund ſilberner Müntz/ in die zwey tauſend Kro-nen werth auß/ welches in Perſien zu geſchehenpflegt/ wann man den Konig auf eine prachti-ge und verbindliche Weiſe ehren wii.Zu Außgang dieſes 1668. Jahrs langte inPerſien eine neue Abfertigung Capuciner außItalien/ welche von der Congregarion dePropaganda fide, nach Georgia geſchickt wor-den: Es waren jhrer ſechs/ nebens nochzweyen Leyen⸗Bruͤdern/ und hieß jhr Guar-dian P. Steffan auß Amerig. Sie brachten

2

5 echte! Der Pabſtein Schreiben von dem Pabſt an den Konig in fre en 1Perſien mit/ deſſen Original/ und Uberſetzing eren

Alſo lautet: iIITUSTRIT Ac PoTENTTSS IO

PERSARUM RECGTLCLEMENS PAPA IX.ITas ac potentiſſime Rex: ſalutem ac

lumen divinæ gratiæ. Romani PontificisàSummo totius humani generis conditoreDeo informata Charitas nullam hominumſocietatem à ſe curisque peramantibus ſuisalienam putat, ſed probitatem juſtitiam,aliasque præclaras virtutes ubicumque re-fulſerint complectitur, admirarurque. An-teceſſores igiturx noſtri, glorioſos PerſarumReges ac ſpeciatim celſitudinem tuam am-plis liarum jaudum decoribus excellentem,& orbo toto celebratam, exiſtimationis,&benevolentiæ præcipuo ſenſu proſecutius-que ſunt. Nos autem in hac parte ut nullieorum concedimus; ita in regia voluntatetua parem animi propenſionem nobis pro-fecto pollicemur; ideoque nunc ab ea fiden-ter petimus ut Presbyterum Stephanum deAmeria& ſocios Capucinos homines nonſuam; ſed unicam gloriam Dei,& anima-rum ſalutem in Georgiæ Provincia quæſi-turos, ab injuriis ſchiſmaticorum RitusGræci in ea regione reſidentium auctoritatetua defenſos, ac tutos eſſe velis, quo ſuĩ mu-neris functionibus exercendis libere ac ſe-cure poſſint. Idem quoque ab inſigni cle-mentia tua poſcimus& expectamus pro uni-vetſis Catholicis qui in late patentibus re-gnis ac ditionibus tuis commorant, quos-que regalis patrocinii præſidio quantummaximè poſſumus vehementer commenda-mus. Verùm nos invicem veritatis divinæperfectam agnitionem& bonorum omnium

qua ſpiritualium qua temporalium uberem

& aſſi.

e

4

e