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daß eine böse Menschenhand ihm den Schmerz ange-richtet hat. Wehmüthig überblickt der Zwerg noch ein-mal die Stätte so vieler ruhiger Stunden, blickt dannzürnend hinüber nach dem Versteck des böswilligenMenschen und verschwindet mit den Worten: „Heuthieher und nimmermehr/' Nicht lange nach jener Un-that öffnet sich noch einmal das Thor im obern Eis-pfad, einer der Zwerge tritt heraus und ruft nach demJtschboden hinunter einem Bruder zu: „He, rauheRinde, Muggenstutz ist gestorben!" Der Kleine kommtsofort hinauf, beide verschwinden im Berge und seitdemsieht und hört man dort nichts mehr von den Zwer-gen. — Kürzer, aber wesentlich gleich, ist die Erzäh-lung vom Verschwinden der Zwerge aus dem Gadmeu-thal. Es war ihre Gewohnheit, sich auf einen großenStein zu setzen und von da den Heuern zuzuschauen.Da machten einige übermüthige Burschen ein Feuer anauf dem Stein, daß er glühend wurde, und fegten
dann die Kohlen hinweg. Bald kam des kleine Volk,verbrannte sich jämmerlich, rief zornig: O böse Welt,o böse Welt! und verschwand für immer. — EineVariation hat diese Sage im Haslithal. Häufig kam imSommer die Schaar der Zwerge von den Flühen herabin's Thal. Bereitwillig halfen sie beim Heuen, setztensich aber auch wohl auf den langen Ast eines Ahornsund schauten aus dem schattigen Laube vergnügt denMädern zu. Da ward einmal in der Nacht von bos-haften Leuten der Ast so weit durchgesägt, daß er nurnoch schwach am Stamme hielt, und als die arglosenGeschöpfe sich am Morgen darauf setzten, stürzten siemit dem Ast auf den Boden und wurden ausgelacht.Da wurden sie zornig und schrieen: O wie ist derHimmel so hoch und die Untreu so groß! Heute hieherund nimmermehr! Seitdem kamen sie nie mehr in'sThal.
Der Reichenbach entspringt auf dem südlichen Ab-hänge der Faulhornkette in der Nähe des Schwarzhorns,nimmt auf dem obern Thalboden zwei kleinere Bächean sich, fließt aber noch so gemächlich, als ob er unbe-merkt seinen Lebenslauf da beenden wolle, wo sich ihmGelegenheit böte, in einen andern Bach oder Stromeinzumünden. Aber er ist ein Herkules in der Wiege;es muß nur eine Gelegenheit kommen, seine Kraft zuzeigen, der Reiz einen Widerstand zu brechen, da wirder seiner Kraft sich bewußt und im wilden Kampfeentfesselt sich seine Größe. Gewöhnlich nimmt manan, der Name Neichenbach käme vom Wasserreichthumdes Baches her, aber die Zusammenstellung dieses Na-mens, der oft in der Schweiz vorkommt, mit ähnlichenLocalbezeichnungen, läßt eine andere Bedeutung ver-muthen, die gerade zu dem Charakter dieses „Richen-bachs" trefflich paßt. Es ist (nach Gatschet) ein Bach,dessen Rinnsal tief in Schluchten eingebettet liegt. ImMittelhochdeutschen bedeutet Rihe die Schlucht.
Wenn man über den Brünig bei guter Tageszeitnach dem freundlichen Meyringen gekommen ist unddort übernachten will, so hört man schon den fernenDonner des Reichenbachs und thut wohl daran, noch
vor oder bei Sonnenuntergang den untersten Fall zubesuchen, der nach dem Urtheil der Maler, die über-haupt diesem Fall ihre Gunst zugewendet haben, inder Beleuchtung zu solcher Tageszeit am schönsten seinsoll. Die Wildheit des Wassers ist hier weniger großals namentlich da' wo sie in dem obersten Falle be-ginnt und ist gemildert durch die Einrahmung desLaubes, welches durch den Wasferstaub so frisch erhal-ten wird.
Geht man aufwärts bis zu dem obersten Fall,wo der jungkräftige Bach seinen ersten Bogensprungmacht, so scheint der wilde Springer dann und wannhinter Wald und Fels sich verstecken zu wollen, umauszuruhen, aber nur für Secunden; dann stürzt erwieder hervor, schmettert an die Felsblöcke, die ihm inden Weg kommen und reißt alte Tannen von seinenFlanken mit sich fort. Hoch oben kommt er zwischenzwei Felswänden zum Vorschein und stürzt sich in einFelsbecken, um sogleich wieder aufzubrausen und mitseinem ganzen Wasserschwall in die Tiefe zu fahren,bis er wieder genöthigt ist, einen Berg- und Felsen-absatz zu überwinden. Durch solche Abstufungen ent-stehen sieben Reichenbachfälle, von denen der unterste