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Das Hochgebirge der Schweiz : Prachtwerk mit 52 der interessantesten Ansichten aus dem Alpen-, Gletscher- und Felsengebiete / mit topographischem Text von ... Eduard Osenbrüggen ; nach Photographien, getreu nach der Natur bearbeitet, in Stahl gestochen von J.L. Rüdisühli u.a.
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Luftdruck vernichtet. 457 Menschen kamen ums Leben.Nicht als ob man nicht Mitleid mit allen gehabt hätte,aber besonders tragisch erschien das Schicksal einerReisegesellschaft, aus angesehenen Personen von Bern und aus dem Aargau bestehend, welche auf einer Rigi -tour in das Thal gekommen waren. Sieben Personendieser Gesellschaft, unter ihnen der Oberst Victor vonSteiger aus Bern waren in der verhängnißvollenStunde ihren Gefährten etwas voraus, welche sichlänger in einem Wirthshause aufhielten. Die Letzterensahen ihre vorauswandernden Freunde 200 Schrittevor sich in Goldau eintreten als der Felsensturz begann.Ohne Ahnung, daß in solcher Entfernung von derHöhe, wo die Felsen sich lösten, für sie Gefahr sei,; betrachteten sie das außerordentliche Schauspiel noch

! durch ein Fernglas, als auf einmal der ganze Berg! sich zu bewegen schien und mit Blitzesschnelle Steineüber sie wegflogen, von denen sie ohne schleunige Flucht! rückwärts erschlagen worden wären. Die vorausge-! gangenen Gefährten waren verloren und man hat auch! ihre Leichen nicht wieder aufgefunden.

! Vierzehn Personen wurden am folgenden Tage

! noch lebend aus dem Schlamm herausgezogen und es' kamen auch andere wunderbare Rettungen vor; das! interessanteste Stück aus diesem Bereich betrifft die« kleine Familie, welche in der höchsten, dem Gnypenspihnahen Hütte, die daher auch zunächst dem Verderbenbloßgestellt war, wohnte. Die Familie bestand andem Schreckenstage aus dem Mann, Bläst Mcttler,dessen neunzehnjährigen jungen Frau und einem vierWochen alten Kinde. Als Mettler die drohende Ge-fahr erkannte, sprang er hinab nach Arth . Frau undKind blieben in der Hütte zurück. Was bewog denMann dazu? Darüber gibt der Dr. Zar), welcher alsArzt mit der Familie bekannt geworden'war, eineinteressante psychologische Auskunft.

Die Hütte, in welcher Bläst Mettler wohnte,war das ererbte väterliche Heimwescn. Dort war ermit seinen Geschwistern in Armuth und ohne Schul-bildung aufgewachsen. Als die Eltern gestorben waren,meinte einer der älteren Söhne, daß sie wohl fort-kommen könnten, wenn nur Jemand unter ihnen dasGeld kennen würde und solches zählen könne. DieSöhne kamen aber doch durch Fleiß und Sparsamkeitzu einem verhälttnßmäßigen Wohlstände. Währenddie Schulbildung dem Bläst Mettler fehlte, war seinePhantasie sehr thätig gewesen. Von früher Jugendan hatte er begierig Geistergeschichten und Hexenmähr-

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chen eingesogen, die Sagen von vergrabenen Schätzen,welche noch zu heben seien, waren ein stehendes Themader Unterhaltung am heimathlichen Heerde gewesen.In der Abgeschiedenheit von den Thalbewohnern, imwilden Gebirge, hatte er sich seine Naturmythen geformt.Das Pfeifen der schneidenden Winde in den nahenFelsenklüften war ihm der drohende und schadenfroheGesang bösartiger Dämonen, das heulende Geschreider Uhus und Kauze, der Nachtgesang verderblicherKobolde und Unholden, welche in dieser wilden Gegendihre Gelage und Tänze in der Luft hielten; das Hüp-fen der Irrwische der schnelle und zur Strafe auferlegteLauf der umgehenden Geister von Menschen, die beiihren Lebzeiten Holz in den Wäldern entwendet oderMarken gefälscht hätten. Ein solcher in der Jugendgepflanzter Glaube wurde auch fernerhin genährtdurch die Umgebung des Gebirges, wo die Felsenbildungso schauerlich war, der Witterungswechsel und mancheNaturerscheinungen in solcher Heftigkeit sich zeigten,und die Phantasie hatte zur Ausbildung derartigerBilder viele freie Stunden. Inmitten eines solchenGefühlslebens machten die Erscheinungen am Nach-mittage des zweiten Septembers auf Mettler, der aufsich allein angewiesen war, den entsprechenden Eindruck.Er erkannte die Größe der Gefahr, welche ihm unddem ganzen Thal drohte, aber wie das feste Geländeplötzlich so unsicher geworden sei, das konnte er sichnicht anders erklären als aus der Arbeit der hier hau-senden bösen Geister der Finsterniß, welche nur durcheine stärkere Kraft, durch das Gebet und Beschwöreneines Geistlichen gebannt werden könnten. Darumeilte er im stärksten Laufe dem Pfarrhause in Arth zu,wo er dem Pfarrherrn unter Schluchzen erzählte,welch ein Unglück drohe, und ihn flehentlich bat, eilendsmit ihm zu kommen und da droben zu benediciren,weil es dort gar nicht richtig zugehe. Der Pfarrerwar in einiger Verlegenheit, da er fürchtete in derBekämpfung des Irrglaubens auch den Glauben andie Macht der Kirche zu erschüttern, aber bevor esnoch zu einer Erörterung kommen konnte, traf eingräßliches Krachen ihr Ohr. Durch das rasch geöffneteFenster sah man Rauch und Nebel von der Stnrzgegendzum Himmel an steigen. Mettler, wie vom Blitz getroffen,stürzt heraus, zieht vor dem Hause eiligst seine Schuheaus, um schneller laufen zu können und läuft denBerg hinan, wo er statt seiner Hütte nur Verwüstungfindet. In namenloser Angst war er hinaufgeeilt,namenlos ist der Schmerz sein Weib und Kind unter

Der Hergsturz bon Ooldaa.