Vorrede.
Ich kann nicht, wie in so mancher Vorrede behauptet wird, sagen, daß dieß Buch ein längstgefühltes, unabweisliches Bedürfniß rc. sei, sondern ich glaube, daß es nur in Rücksicht auf seinekolorirten Kupfer vor Anderen besondere Beachtung verdiene. Wenn ein Mineral noch so genaukrystallographisch rangirt, mit noch so gewählten Worten beschrieben wird — das Gedächtniß hatkein Bild von ihm, und der Verstand kann, beim Vorkommen, es nicht erkennen. Reiche Kabi-nette zur Vergleichung sind Dem am wenigsten zur Hand, der in isolirtem Landstädtchen am Drin-gendsten das Bedürfniß eines wissenschaftlichen Steckenpferdes für seine Nebenstunden empfindet.Die chemische Untersuchung ist gleichfalls nicht leicht thunlich, ja manchem praktischen Mineralo-gen unzugänglich, und so mag der Wunsch einer Mineralogie mit treuen, sorgfältig kolorirten Bil-dern wohl gar häufig gehegt worden sein, ohne irgendwo Erfüllung zu finden.
Es ist nichts Leichtes, ein Mineral abzubilden, und gar tüchtige Künstler, die es unternahmen,haben das begonnene Werk verlassen. Die starren, leblosen Formen widerstreben dem Künstlersinn,jede Veränderung der Stellung ruft andere Reflexe, ja völlig verschiedene Farbentöne hervor, undden Grad des Glanzes darzustellen ist durchaus unmöglich. Die Geduld tüchtiger Maler pflegtin Bezug auf derlei Arbeiten, zu denen kein inneres Motiv sie treibt, nicht übergroß zu sein, undmanche Farben dieser Gnomenwelt sind auch, mit allem Fleiß — völlig unerreichbar. WelcheSchwierigkeit bei diesen Umständen nur die Auswahl der Objekte hat, ist leicht denkbar.
Dieß Alles sage ich nicht, um zu behaupten, daß es mir, und den ehrenhaften, keine Kostenscheuenden Bemühungen der Verlagshandlung gelungen sei, jedes Hinderniß zu besiegen, sondernum billige Beurtheilung zu begründen.