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So lange diese Wanne dauerte, mußten sich dieStoffe aufgelöst erhalten. Sie mußte sich aber nachund nach der Atmosphäre mittheilen, und dadurch ver-mindern. Wie sich nun schon in unseren Versuchen zeigt,daß ein Theil des Aufgelöseten sich ausscheidet, sobalddas Auflösungsmittel abgekühlt wird; so mußte es auchhier geschehen. Daß sich jedoch kein bestimmter Krystallim Großen bildete, sondern nur krystallinische Massen,scheint durch die Vcrschiedenartigkeit der aufgelösetenSubstanzen erklärbar.
Eine krystallinische Masse nimmt keine durch ihreinneren Kräfte bestimmte Form an. Sie wird durch dieForm des Auflösungsmittcls bestimmt, und auch dasunsrige mußte überall mit unbedeutenden Ausnahmenum eine gewisse Größe unterhalb der Oberfläche desAuflösungsmittels bleiben, bis dieses nichts mehr fal-len ließ. Das Festwerden des vorher Flüssigen konnteabermals eine bedeutende Temperatur-Erhöhung bewir-ken, und dies war vielleicht die Ursache, daß in derFlüssigkeit noch eine große Menge Stoffe aufgelöst er-halten wurden. Die Flüssigkeit mußte übrigens bedeu-tend abgenommen haben, und konnte den Kern nur nochals eine Schicht, deren Dicke wir unbestimmt lassen,die aber gewiß größer war als jetzt, bedecken *).
*) Parrot sagt in seiner Physik 3ter Theil S. 372 gegenWerner, der ebenfalls eine Verminderung des Flüssigen an-nimmt, Folgendes: „Die Abnahme der Flüssigkeit durch denNiederschlug ist chemisch nicht wahr. Wenn zwar einerseits dieNiederschlage specifisch schwerer sind, als die Flüssigkeit, diesie enthielt, so ist die Flüssigkeit specifisch leichter geworden,und es ist ein allgemeiner Satz, daß bet jeder chemischen Auf-
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