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Über die Gestalt und die Urgeschichte der Erde : nebst davon abhängenden Erscheinungen in astronomischer, geognostischer, geographischer und physikalischer Hinsicht / von Karl Friedrich Klöden
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2) Wenn die Erde schon im flüssigen Zustande die täg-liche Drehung gehabt hat, mußte sie durch die Schwung-kraft sich zum abgeplatteten Sphäroide gestalten.

Diesem letzteren Wenn setze ich ein zweites entgegen,und frage: wenn nun diese tägliche Drehung damals nochnicht statt fand? Meine Ansicht ist daher weder mehrnoch minder hypothetisch, als die Hnygenssche.

Zwar sucht Huygens sie von dieser Grundlage zu be-freien, indem er hinzusetzt: daß dies auch schon geschehenmußte, wenn nur ihre Oberfläche mit Wasser bedeckt war.Dieö ist vollkommen richtig, und auch in meine Darstel-lung eben so aufgenommen, so weit es das Flüssige be-trifft. War aber die Erde von Anfang an fest, und nurdie Oberfläche mit einer Wasserschicht bedeckt, so war derKern doch schon gebildet, ehe sie anfing, sich zu drehen.Dann erhielt das Wasser die abgeplattet sphäroidische Ge-stalt durch die Drehung; wodurch aber erhielt sie derschon fertige feste Körper? War er kugelrund, so mußteer unter dem Aequator von dem sich hier anhäufendenWasser vollständig bedeckt, die Pole aber mußten ent-blößt werden. Nun liegen aber dort wirklich große Län-der, und unter den Polen ist Meer. Der Kern muß alsoebenfalls abgeplattet sphäroidisch sein, und kann in diesemFalle seine Abplattung nicht der Drehung zu verdankenhaben, sondern hat die Gestalt vorher durch eine unbe-kannte Ursache erhalten. Daher erklärt Huygens Darstel-lung die abgeplattete Gestalt der Erde nur unter Voraus-setzung der beiden vorhin genannten hypothetischen Zustände.

Meine Darstellung zeigt, daß das Feste auch eine an-dere Form haben kann, ohne nothwendig unter dem Aequa-tor mit Wasser bedeckt zu werden; im Gegentheil ergiebt