Buch 
Über die Gestalt und die Urgeschichte der Erde : nebst davon abhängenden Erscheinungen in astronomischer, geognostischer, geographischer und physikalischer Hinsicht / von Karl Friedrich Klöden
Entstehung
Seite
222
JPEG-Download
 

222

Folgerungen HuygenS und Newtons, und zeigte, daß dieKörper unter dem Aequator wirklich leichter sind, als an-derwärts, was nur von der größeren Schwungkraft derhier befindlichen Punkte herrühren konnte. Man glaubtedaher auch nicht zweifeln zu dürfen, daß die Erde wirk-lich ein abgeplattetes Sphäroid sei, und weil nach mecha-nischen Gesetzen auf einem Sphäroide die Schwere vomAequator gegen die Pole hin abnehmen muß, wie dieQuadrate aus den Sinus der Breiten, so ließ sich dasVerhältniß der Schwere unter dem Pole zu der unterdem Aequator berechnen, sobald man die Schwere fürirgend einen Punkt kannte, dessen Breite bestimmt war.Umgekehrt wie diese Schweren verhielten sich der Durch-messer des Acquators und die Achse, und hiernach konntedas Verhältniß beider bestimmt werden.

Alle diese Folgerungen gelten in voller Schärfe fürdas Sphäroid. Sie wurden auf die Erde angewendet,weil man nach jenen Prämissen voraussetzte, daß dieganze Erde ein Sphäroid sei, was nur für das Wasser,wie es jetzt ist, gelten konnte, und hier sich in voller Schärfebestätigen muß, nicht aber für das Land.

Die Behauptungen Huygens und Newtons, so vielsie auch Uebcrzeugendcs hatten, und so richtig sie unter dengedachten Voraussetzungen waren, fanden Widerspruch;nicht sowohl, weil man diese Voraussetzungen unbegrün-det fand, sondern weil es in dem Wesen des Menschenliegt, sich gegen jede ungewohnte Ansicht zu wehren, bissie das Fremdartige verloren hat. Die Gründe der Gegnerwaren allerdings sehr viel schwächer, als Newtons Schlüsse;indeß überzeugte man sich bald, daß ein Cxperimentalbewcisdafür möglich sei. Hatte Newton Recht, so mußte» die