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einzelnen Breitengrade in der Nähe des Aequators kleinersein, als die in der Nähe der Pole, oder allgemeiner, diesüdlicheren größer als die nördlichen in der von uns be-wohnten Halbkugel, und kannte man das Verhältniß zweierderselben, und die ^u ihnen gehörigen Breiten, so ließ sich,unter Voraussetzung der sphäroidischen Gestaltder Erde das Verhältniß des größten und kleinsten Durch-messers daraus berechnen.
Gradmessungen.
Die ersten Versuche dieser Art gaben aber ein sehrungünstiges Resultat. Ciseuschmidt machte bereits 1691eine Abhandlung bekannt, in welcher er den von Snelliusin den Niederlanden gemessenen Meridiangrad von 55021Toisen mit dem von Picard in Frankreich auf 57060Toiscn bestimmten verglich, und weil hier der nördlicheBreitengrad kleiner als der südliche sich ergeben hatte, sozog er daraus den Schluß: die Erde habe gerade die um-gekehrte Form, und sei unter dem Aequator abgeplattet,also dessen Durchmesser kleiner als die Achse; somit seisie ein längliches Sphäroid.
Indeß, Picards Messung war keineswcges geeignet, dieFrage zu entscheiden, und er selbst legte ihr keinen großenWerth bei, so daß er um deswillen vorschlug, eine neuezu veranstalten. Der um die Wissenschaften hochverdienteMinister Colbert unterstützte diesen Vorschlag kräftig, undbereits im I. 1680 wurde eine neue Gradmessung durchdie Astronomen Dominik Cassini und de la Hire an-gefangen, aber durch Colberts Tod wieder unterbrochen.