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Man sieht aus alledem, daß wir über die wahre Ge-stalt der Erde, wenn sie nicht bloß im Allgemeinen ange-geben werden soll, noch im Dunkeln sind, und daß dieangenommene Form derselben nicht durch die Beobachtun-gen bestätigt wird, sondern einzig und allein aus theoreti-schen Voraussetzungen gefolgert ist, dafern die Erde näm-lich anfangs flüssig gewesen, und während der täglichenDrehung erstarrt ist.
Mein Unternehmen wird das Befremdende verlieren,wenn man erwägt, daß auch ich von einem ehemaligenflüssigen Zustande ausgehe; allein der nicht bewiesenen täg-lichen Drehung im Anfange stelle ich nur eine andere Hy-pothese gegenüber. Daß die Erde anfangs flüssig gewesenist, glaube auch ich; sie kann nun entweder gleich im An-fange die jetzige Drehungsgeschwindigkcit gehabt haben, —und von dieser Hypothese geht die gewöhnliche Ansicht aus,— oder sie hat anfangs eine andere, und dann wahrschein-lich langsame Drehung gehabt, was eben so möglich ist, —und darauf ist meine Hypothese gebaut.
Man gebe nun letzteren Zustand einstweilen nur alsmöglich zu, und gehe an eine unbefangene Würdigung al-ler Thatsachen, welche daraus folgen, und im Buche selbstnachgewiesen sind, und ich hoffe, man werde dann einge-stehen müssen, daß sie sich den Beobachtungen besser an-schmiegen, als die bisherige Hypothese. Alles was nichtkonsequent daraus folgt, gebe ich gern Preis, und es magdessen Manches sein, da ich nicht glauben darf, die ganzeTheorie rein und makellos entwickelt zu haben, was demEinzelnen jederzeit unmöglich ist.