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Über die Gestalt und die Urgeschichte der Erde : nebst davon abhängenden Erscheinungen in astronomischer, geognostischer, geographischer und physikalischer Hinsicht / von Karl Friedrich Klöden
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352
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So lange sich der Rand eines von Gebirgen um,schlossenen Sees im Meereswasser befand, leistete diesesdem Drucke des eingeschlossenen Wassers auf seine Wändeden erforderlichen Widerstand, und daS Gleichgewicht wurdenicht gestört. Als sich aber das Meer weiter zurückzog,was es thun mußte, weil es aus der Stellung Fig. 10in die der Figuren 21 und 22 überging, fand der Druckdes eingeschlossenen Wassers einzig in der Festigkeit derumgebenden Gebirgöwände Widerstand, und wo diesernicht groß genug war, brach es hindurch, und stürzte aufder abhängigen Fläche, die tiefsten Stellen suchend, demMeere zu. Dies gab neuen Flüssen und Flußbetten ihrDasein, und in jenen vom Wasser verlassenen Thälern blie-ben die Niederschlüge desselben, den Boden bedeckend, zurück.

Ehe das Meer daher seine jetzigen Stellen eingenom-men hatte, verging ohne Zweifel eine bedeutende Zeit, in-nerhalb welcher das verlorene Gleichgewicht gesucht wurde,und ein Hin- und Herschwanken nicht ausbleiben konnte.Jeder neue Durchbruch eines Gewässers, von Terrassezu Terrasse mußte eine, wenn auch nur unbedeutende Aen-derung hervorbringen.

Als stete Oscillationen des Gewässers, Bestrebungen,daS Gleichgewicht wie bei einem angestoßenen Pendel wie-der herzustellen, oder ähnliche Stellungen, wie die in denFiguren 1112 angegebenen einzunehmen, ist uns beider jetzigen Drehung das merkwürdige Phänomen der Ebbeund Fluth geblieben.

Auf dem gewonnenen Boden entwickelte sich nun diejetzige Schöpfung der Landthiere und Pflanzen, und zumerstenmale erschien der Mensch und der Affe. Die histo-storische, wenn auch anfangs mythische Zeit, beginnt. Un-sere