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Diluvium. Lehm, Löss, Tuff.
und letzte Vergletscherung), während welcher die Flüsse nur spärlichenWasserstand hatten, und ihre Thäler sich daher wieder mit grossenSchottermassen anfüllten, bis diese von dem letzten Abschmelzen an,d. h. in der postglacialen Zeit (bis zur Gegenwart) abermals auf diefrühere Tiefe ausgenagt wurden, so wie wir die Sache jetzt haben.Was nun
b. die Lehm- und Löss- sowie bezw. die Tuffablagerungenin unserem Lande betrifft, so ist wiederum kaum ein Zweifel daran,dass diese etwa zu der nämlichen Zeit sich gebildet haben wie derHochterrassenschotter in unseren Flussthälern. Denn auch sie enthaltendieselben Thierreste wie jener und wie unsere Höhlen, insbesondere alsoKnochen von Mammuth, Rhinoceros, Eqims fossüis, Eos ■primigenius etc.
Soll zunächst über die Bildung von Lehm und Löss etwasgesagt werden, so ist festzuhalten, dass Lehm nichts anderes ist alsentkalkter Löss und also ohne Zweifel aus diesem infolge von Aus-laugung hervorgegangen (s. oben). Ebenso sicher dürfte sein, dass dieseGebilde ausschliesslich fluvialen oder a e ol is ch en Ursprungs, d. h.entweder von Flüssen (bei Ueberschwemmungen) abgelagert oder vomWind angeblasen worden sind. Zeugniss dafür geben die fast überalldarin sich findenden »Lössschnecken«, hauptsächlich die zartenSchälchen von Helix lüspida, Succinea oblonga und Papa muscormn(s. Fig. S. 411). Wir verweisen hinsichtlich des Lösses als auf einbesonders typisches und zugleich (von Lehrer Stettner und Dr. Eb. Fraas)gut durchforschtes Gebiet auf das Enzthal (zwischen Vaihingen undBietigheim ), wo eine ganze Anzahl von diluvialen Gebilden, Lehmund Löss, glaciales oder fluvioglaciales Geröll mit aufliegendem, san-digem Thon (»Letten« im Mund des dortigen Volks) studirt werdenkann. Der Löss des Enzthals scheint (fast) ausnahmslos aeolischenUrsprungs zu sein. Er liegt stets auf dem Geröll, das der Schwarz wald geliefert hat (ob auf dem Rücken eines Gletschers?), ist alsojünger als dieses. Ein weiterer Beweis, dass dieses Geröll, das haupt-sächlich aus Buntsandsein besteht und z. Th. mächtige gerollte Blöckevon diesem einschliesst, älter sein muss als der Schneckenlehm, istauch das, dass jenes Geröll bis jetzt auch nicht die Spur von Thier-resten geliefert hat. Erst in dem darauf lagernden Sandthon (»Letten«),wohl dem Verwitterungsproduct jenes Gerölls (Moräne?), fanden sichan einer Stelle Knochenreste von diluvialen Thieren. Wir geben vondiesem Platz, der überhaupt für das Studium der diluvialen Schichtender Gegend am instructivsten ist, folgendes Profil (nach Stettner) :