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Johann Lulofs Prof. der Math. Astr. und Philos. et. etc. in Leiden Einleitung zu der mathematischen und physikalischen Kenntniss der Erdkugel / aus dem Holländischen übersetzet von Abraham Gotthelf Kästner, Mathem P.P.E.
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Betrachtung von den Brunnen. 503

und trifft auf ſeinem Wege mehrere Tropfen an, bis daß dieß Waſſer, wenn es ſich ver-einiget hat und niederſinkt, eine Stein⸗ oder Lettenlage antrifft, laͤngſt welcher es hinab-lauft, bis daß es ſich endlich, nachdem es eine Oeffnung gefunden, nach außen in derGeſtalt eines Brunnens ergießt.

352. F.

Was nun den erſten Theil der Meynung des Perrault von dem Urſprunge derFlüſſe und Quelladern anbetrifft, ſo iſt derſelbe der großen Schwierigkeit unterworfen,welche der Meynung des Martotte entgegen ſteht, namlich, daß weder Perramtnoch Mariotte genugſam bewieſen haben, daß unter der Geſtalt von Regen und Schnee-waſſer genug falle, alle Fluͤſſe hinreichend damit zu verſehen. Ueberdem ſo lehret die Er-fahrung, daß die meiſten Fluͤſſe, auf deren Urſprung man zuruͤck hat gehen koͤnnen, ausBeunnen entſtehen, ob ſie gleich hernach, durch die Vereinigung mit andern kleinenFluͤſſen und Bächelchen, und durch das Waſſer, welches von hohen Oertern nach denFluͤſſen fallt, oder aus der Erde dringt, vergroͤßert werden. Was nun den andern Theilanbetrifft, in welchem Perrault zu erklaͤren ſuchet, wie das Waſſer, das die Brunnenunterhalt, in der Spitze der Berge kommen kann; ſo werden wir davon in der Folge(355. H.) näher ſprechen, wenn wir von den Meynungen des Carteſius , Varentusund Der ham handeln werden.

353. F.

Der ſcharfſinnige Halley c), konnte aus den bereits gemeldeten und anderen Urſa-chen ſich mit der Meynung dererjenigen, welche den Urſprung der Brunnen dem Regen-und Schneewaſſer zuschreiben, nicht befriedigen, und ſtellete ſich daher die Sache aufeine ganz andere Art vor. Er befindet durch eine Ausrechnung, welche auf Verſuchegegruͤndet iſt, daß aus der See wohl dreymal mehr Duͤnſte aufſteigen, als erfordert wer-den, den Fluͤſen Waſſer zu verſchaffen, welche Rechnung ich hier nicht müttheile, weil dieſesWerkchen des Herrn Halley in das Hollaͤndiſche uͤberſetzet iſt. Ferner zeiget er, daß uͤberden ganzen Erdboden Ketten von Bergen ausgebreitet ſind, weswegen die Duͤnſte wel-che aus der See aufſteigen, eines Theils durch die Winde uͤber das flache Land bis aufdieſe Gebirge gebracht werden, wo der Strom der Luft ſie gegen dieſe Hinderniſſe an-

treibt. Die Kalte aber welche daſelbſt herrſchet, ſie verdicket und in Waſſer verwandelt.Dieſes Waſſer rinnet gleich durch die Steinkluͤfte, und dringt nebſt einer Anzahl vonDuͤnſten in die Holen der Berge, als in ein Deſtillirgefaͤße; ſo viel nun mehr Waſſer,als dieſe Holen oder Becken einnehmen konnen, hinein kömmt lauft laͤngſt den niedrig-ſten Oertern und laͤngſt den Seiten des Gebirges nieder und machet einzelne Brunnenaus. Viele davon, welche in den Gruben oder Rinnen zwiſchen den Reihen der Bergelaufen, und ſich verſammlen, machen Bache oder Fluͤßlein, und ſo weiter. Dieſes be-kraftige er durch eine Beobachtung, welche er während ſeines Aufenthaltes auf der InſelSt. Helena machete, wo des Nachts auf den Gipfel der Berge, ungefahr 800 Nards,

oder

c) Nliſcellanea turioſa N. 1.