50 Viertes Hauptſtuͤck.
fuͤr alle, die unter dem Aequator wohnen, an einerley Orte des Sorizontesauf und unter. Wenn ſie ſich im Aequater zeiget, geht ſie im wahren Oſten auf,und im wahren Weſten unter; aber zu allen ubrigen Zeiten des Jahres, geht ſie nordli-cher oder ſüdlicher auf und unter, und zwar iſt der Punct, in welchem ſie aufgeht, ſo vielnordlicher, als ſie zur ſelbigen Zeit nordliche Abweichung hat, und der Punct, da ſie ander Suͤdſeite des Aequators über den Horizont herauf kömmt, iſt ſo viel ſuͤdlicher, als ſieſüdliche Abweichung hat. Wenn ſie ſich z. E. zur Zeit ihres Aufganges im Wendekreiſedes Krebſes befindet, und alſo eine nordliche Abweichung von 23 Gr. 284 Min. hat, gehtſie ſo viel nordlicher als der wirkliche Oſt liegt, auf. Eben ſo verhaͤlt es ſich mit ihremUntergange.535.§.
Es wird faſt nicht noͤchig ſeyn, aus demjenigen was wir oben(532..) geſaget haben,zu zeigen, wie es ſich mit den Tagen und Naͤchten bey denen verhaͤlt, die unter dem Polewohnen. Diejenigen, die ſich unter dem Nordpole? befinden, ſehen die Sonne auf—gehen(die Strahlenbrechung wieder beyſeite geſetzet), wenn ſie ſich im Anfange desWidders zeiget, nachgehends ſteigt ſie ihnen immer höher und hoͤher herauf, bis ſie an demMittage dieſes ſechs monatlichen Tages 23 Gr. 282 Min. uͤber dem Horizonte ſteht;worauf ſie ſich dem Horizonte wieder zu nähern, und wenn ſie in den Anfang der Waagekoͤmmt, unterzugehen anfaͤngt, bis ſie wiederum in dem Anfange des Widders uͤber denHorizont herauf tritt. Wie viel ſie ſich nun wegen der Strahlenbrechung eher uͤberdem Horizonte ſehen laͤßt, als ſonſten geſchaͤhe, wenn die Erde keinen Dunſtkreis um ſichhaͤtte, oder wenn dieſer Dunſtkreis die Strahlen nicht bräche, das laßt ſich nicht beſtim-men, weil man ohne die Erfahrung ſelbſt nicht einmal weiß, wie ſtark die Strahlenbre-chungen an dieſem Orte ſind. Dieſerwegen laßt ſich auch nicht ſagen, wo die Sonneherauf koͤmmt, well ſie ſehr ſchief und langſam uͤber den Horizont ſteigt, und um die Zeitder Nachtgleichen, ja ſelbſt wegen der Strahlenbrechungen vor dieſer Zeit gleichſam laͤngſtdes Horizontes hinſtreicht, ohne ſich merklich zu erheben oder zu ſenken. Indeſſen wird ſichaus demjenigen, was wir in der Folge ven der Daͤmmerung ſagen werden, zeigen laſſen, daßdiejenigen, die unter den Polen wohnen, die Daͤmmerung wenigſtens zu ſehen anfangen,wenn die Sonne noch 18 Gr. unter ihrem Horizonte iſt, ſo, daß diejenigen, die ſich unterdem Nordpole befinden, aufs laͤngſte vom 12 Nov. bis zum 28 Jenner in voͤlliger Dunkelheitwohnen, diejenigen aber, die unter dem ſüdlichen Pole ſind, haben laͤngſtens vom u Maybis zum 1 Auguſt die tiefſte Finſterniß ohne Daͤmmerung.
536.§.
Wir wollen uns jetzo vornehmlich mit den Erſcheinungen beſchaͤfftigen, die ſich beyden Tagen und Nächten in der ſchiefen Kugel ereignen. Die Lange der Tage und Nächteberuhet auf zwo zuſammenkommenden Urſachen, wie man aus 533. H. folgern kann:Erſtlich, auf der verſchiedenen Abweichung der Senne , und zweytens, auf der verſchie-denen Breite der Oerter. Um dieſes deutlich zu ſehen, kann man ſich erſtlich einen gege-
benen