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Johann Lulofs Prof. der Math. Astr. und Philos. et. etc. in Leiden Einleitung zu der mathematischen und physikalischen Kenntniss der Erdkugel / aus dem Holländischen übersetzet von Abraham Gotthelf Kästner, Mathem P.P.E.
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Von den Abwechſelungen der Tage und Nächte. 51

benen Ort B, von bekannter Breite Ok vornehmen. Wenn die Sonne uͤber dem Aequator E Qſteht, ſo ſind hier, wie uberall an Dertern, die nicht zu nahe bey den Polen liegen, Tage und Naͤchte gleich lang. Ich ſage, die nicht zu nahe bey den Polen liegen,weil unter den Polen , und ſehr nahe bey denſelben, die Sonne, wenn ſie ſich in dem Acquatorbefindet, nicht untergeht, ſondern gleichſam an dem Horizonte herumſchwebet, wiewohl diejeni-gen, welche etwas von dem Pole entfernet wohnen, ſie alsdann nicht allezeit gleich lang andem Horizonte ſehen, dieſes dauret 24 Stunden. So bald die Sonne von dem Aequator nachdem erhabenen Pole abweicht, ſo, daß ſie z. E. die Abweichung QL bekommt, und ſolcher-geſtalt den Parallelkreis I. M beſchreibt, ſo iſt ein groͤßerer Theil ihres Weges, namlich LO,uͤber dem Horizonte, als unter demſelbigen. Dieſe Ungleichheit, und die daraus entſte-hende Länge der Tage und Kurze der Nächte, waͤchſt bis die Sonne an den WendekreisRT gekommien iſt, alsdann iſt der Unterſchied zwiſchen den Theilen ihres taͤglichen ſcheinbaren Weges um die Erde, uͤber und unter dem Horizonte am groͤßten. Nachdem ſievon dem Wendekreiſe nach dem Aequator zuruck gewichen iſt, bleibt dieſe Ungleichheit,wird aber nach und nach geringer, bis die Naͤchte und Tage gleich werden, wenn dieSonne ſich in dem Anfange der Waage zeiget, das iſt, um den 21 Sept. So bald nundie Sonne nach dem gegenuberſtehenden Pole p abweicht, und ſich z. E. in der Entfernung Qu von dem Aequator zeiget, und den Parallelkreis Im beſchreibt, ſind die Tagekuͤr zer als die Naͤchte, weil Jo kleiner iſt als om. Dieſe Ungleichheit zwiſchen demTheile des Parallelkreiſes, der ſich uͤber und zwiſchen demjenigen, der ſich unter demHorizonte befindet, waͤchſt, bis die Sonne um den 21 Dec. an dem Wendekreiſe desSteinbockes rt gekommen iſt, alsdann iſt dieſe Ungleichheit, und die daraus entſtehendeLnge der Tage und Kurze der Nachte am groͤßten. Hierauf wendet ſich die Sonnewieder nach dem Aequator, und machet noch die Tage kuͤrzer als die Naͤchte, weil derTheil des Parallelkreiſes, den ſie beſchreibt, welcher uͤber dem Horizonte befindlich iſt,kleiner iſt, als der Theil unter demſelbigen, bis ſie ſich wieder in dem Aequator zeiget.und alſo Tage und Naͤchte gleich lang machet.537. g-

Man ſieht nun leicht, daß von dieſem allen das Gegentheil bey dem Orte b ſtaktfindet, der ſo viel ſüdliche Breite hat, als 5 nordliche Breite; namlich wenn diejenigen, diezwiſchen dem Aequator und dem Nordpole in B wohnen, ihren laͤngſten Tag um den 21.Junius haben, da die Sonne im Wendckreiſe des Krebſes iſt, ſo haben dieſe ihren laͤngſten Tag, wenn die Sonne ſich in dem Wendekreiſe ert zeiget; in! iſt die laͤngſte Nachtund der kuͤrzeſte Tag, wenn die Sonne ſich um den 21 December in dem Wendekreiſe desSteinbockes ſehen laͤßt, und in b der kuͤrzeſte Tag und die laͤngſte Nacht, wenn die Sonnein dem Anfange des Krebſes koͤmmt; die Tage fuͤr diejenigen, die in B wohnen, werdenbeſtändig langer von der Zeit an, da die Sonne im Anfange des Steinbockes, undkurzer, wenn die Sonne im Anfange des Krebſes geweſen iſt; bey denen b aber werden die Tage von der Zeit an laͤnger, da die Sonne im Anfange des Krebſes, und kuͤrzervon der Zeit an, da ſie im Anfange des Steinbockes geweſen iſt; ſuͤr diejenigen im B ſind

G 2 die

III. Tat.40 Fig.