144 Achtes Hauptſtuͤck.
629. H.
Vom Monde, komme ich zu den Beobachtungen der Sonne, deren Verfinſterungen,wie Caſſini 4) und Keill e) lehren, auch die Langen zu finden dienen. Es iſt bekannt,daß die Sonnenfinſterniſſe davon herruͤhren, wenn ſich der Mondkoͤrper zwiſchen derSonne und der Erde befindet, ſo daß er einigen Erdbewohnern die ganze Sonne, odereinen Theil von ihr bedecket. Weil nun die Sonne viel groͤßer iſt, als der Mond, undihr eigenes Licht hat, auch die Erde den Mond an Groͤße uͤbertrifft, ſo verhält es ſich mitden Sonnenfinſterniſſen ganz anders als mit den Mondſinſterniſſen. Der Anſang, dasMittel und das Ende u. ſ. f. einer Mondfinſterniß, werden von allen Erdbewohnern, uͤberderen Horizonte der Mond ſich alsdann befindet, in einem Augenblicke, obwohl nicht umeinerley Stunde, ihrer Art die Stunden zu zaͤhlen nach, geſehen; die Sonnenfinſterniſſeaber fangen an einem Orte an, wenn an dem andern ihr Mittel, oder wohl gar ihr Endegeſehen wird. Alſo erfordert es mehr Muͤhe, zu finden, was ſuͤr ein Theil des Unter—ſchiedes der Zeit, der Verſchiedenheit der Mitagskreiſe, und was fuͤr einer dem Unter-ſchiede der Erſcheinungen ſelbſt zuzuſchreiben iſt, in ſo fern ſolcher von dem verſchiedenenStande des Mondes in Abſicht auf den Beobachter und auf die Sonne herruͤhret. Dieallgemeinen Erſcheinungen der Sonnenfinſterniſſe abzuhandeln, kann ich mich hier nichteinlaſſen, doch finde ich mich genoͤthiget, hier eine kleine Ausſchweifung zu machen, theils,weil dasjenige was ich ſagen werde, Anleitung geben wird, die Längen auch durchdie Bedeckungen der Fixſterne vom Monde zu finden, theils auch, weil von dieſem Ge—brauche der Sonnenfinſterniſſe noch nichts im Niederdeutſchen geſchrieben iſt, als was manin Keills aſtronomiſchen Vorleſungen findet, die in dieſe Sprache uͤberſetzet ſind, wel-ches aber zu kurz iſt, ſich einen gehoͤrigen Begriff davon zu machen.
(A) Wenn man ſich vorſtellet, die Erde ſey mit einer hohlen Kugel umgeben, deſ-ſen Durchmeſſer mit dem Durchmeſſer der Mondbahn einerley iſt, und wenn man ſicheinbildet, als ließen die Sonnenſtrahlen welche die Erde erleuchten, indem ſie durch dieſeKugelfläche gehen, Merkmahle ihres Durchganges zuruͤcke, ſo wird ſich dadurch eineScheibe abbilden, welche die Erde auf dieſer Kugelflaͤche vorſtellet. Der Halbmeſſer die-ſer Scheibe zeiget ſich dem Erdbewohner unter einem Winkel, welcher der horizontalenMondparallaxe, weniger der horizontalen Sonnenparallape gleich iſt.
(B) Jeder Ort, jeder Punct auf der Oberfläche der Erdkugel, ſcheint eine Ellipſeauf dieſer verzeichneten Scheibe zu beſchreiben, indem der Mond nach ſeiner monatlichenBewegung zur Zeit der Sonnenfinſterniſſe, uͤber dieſe Scheibe zu gehen ſcheint, und nachund nach einen ſolchen Theil von ihr bedecket, wie der Große ſeines ſcheinbaren Durchmeſſers,und der dieſem zugehorigen Scheibe gemaͤß iſt. So wird auch die Sonne,(deren ſchein-bare Große von des Mondes ſeiner nicht ſehr unterſchieden iſt, ob ſie gleich manchmal
ein
4) Hiſt. de lAcad. Roy. 1700. p. 131. et ſiiv. ct Expliestion des Tables Aſtron. p. 6.1. et ſuiv.6) Lect. Aſtron. 14.