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Alle Theile der Atmosphäre müssen ferner mit derZeit dieselbe Rotations-Geschwindigkeit annehmen, welche dievon ihr umgebenen Theile der Erde haben, weil die Rei-bung der einzelnen Lufttheilchen gegen einander und gegendie Körper der Erde die Bewegung der langsamern Lufttheil-chen beschleunigen und die der geschwindern so lange verzö-gern wird, bis endlich ein vollkommenes Gleichgewicht zwi-schen beyden hergestellt ist. Wegen dieser Umdrehungsbewe-gung der Atmosphäre, welche sie mit der Erde gemeinschaft-lich hat, wird also auch die Atmosphäre, so wie die Erde selbst,eine an den Polen abgeplattete und unter dem Aeauator er-habene Gestalt annehmen, und sie wird sich nicht weiterals bis zu den Punkten erstrecken, wo die aus der Rotationentstehende Centrifugalkraft der Anziehung oder der Schwereder Erde genau gleich ist, weil sie sich jenseits dieser Gränzeoffenbar von der Erde entfernen und sich zerstreuen müßte.Diese Abplattung der Atmosphäre hat aber gewisse Gränzen,welche sich durch Rechnung bestimmen lassen, und in demFalle, wo die Abplattung am größten ist, verhält sich dieAre des Poles zu der des Aequators , wie zwey zu drey.
Die Höhe unserer Atmosphäre bis zu der Gränze, wosie noch dicht genug ist, die Strahlen der Sonne merklichzu brechen, läßt sich, obschon nicht mit Schärfe, aus derDauer der beobachteten Morgen- und Abenddämmerung be-stimmen. Nimmt man an, daß diese Dämmerung anfängtoder aufhört, wenn die Sonne noch 18 Grade unter demHorizonte ist, so findet man die Höhe der Atmosphäre nahezehn deutsche Meilen, und in dieser Höhe ist nach dem Ma-riottischen Gesetze die Elasticität der Luft noch einem Zehn-theile einer Pariser Linie Huecksilberdruck gleich. Setzt manaber, wie man gezwungen zu seyn scheint, die Gränze derLuft bis in jene Gegenden, in welchen sich noch leuchtendeMeteore bilden, so müssen wir eine viel größere Höhe der-