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der beobachteten starken Dämmerung, und aus dem stufen-weise» Uebergange der beleuchteten Seite in die dunklefolgt. Die Höhe dieser Atmosphäre bis zu der Gränze, wosie noch das Licht merklich zurückwirft, um eine Dämmerunghervor zu bringen, schätzt Schröter auf 39000 Fuß, wäh-rend sie bey der Erde nur 28000 Fuß beträgt.
Die dunkle Seite dieses Planeten, vorzüglich zu derZeit, wenn der beleuchtete Theil nur wie ein feiner Lichtfa-den erscheint, ist gewöhnlich von einem eigenen sanften Licht-schimmer beleuchtet, wie der Mond in den ersten Tagen nachdem Neumonde. Die Ursache dieser Erscheinung ist uns nochunbekannt, sie scheint aber in einem eigenen phosphoresciren-dcn Lichte zu liegen, welches der Oberfläche der Venus undvielleicht auch noch mehreren anderen Planeten und Come-tcn eigenthümlich zukömmt.
Mehrere Astronomen, Fontana im Jahr 1643, Cassinizweymahl, Montaigne viermahl und eben so Horrebow inKoppenhagcn u. a. wollen einen Mond um die Venus be-obachtet haben, und Lambert hat aus den angezeigten Be-obachtungen desselben die Elemente und Tafeln dieses Mondesberechnet; allein spätere Beobachtungen haben sein Daseynnicht bestätiget, so wie er auch bey den zwey Durchgängender Venus vor der Sonne, in den Jahren 1761 und 1769,wo er den Astronomen kaum hätte entgehen können, nicht ge-sehen wurde. Man hält daher jene Erscheinung für eine op-tische Täuschung, die durch den Reflex des starken Lichtes derVenus von den Gläsern des Fernrohres verursacht wurde.
Aus dem Vorhergehenden folgt, daß Venus im Allge-meinen unserer Erde sehr ähnlich ist, da sie nahe dieselbeGröße, Masse, Dichte, eine der unsrigen ähnliche Atmosphäre,und endlich auch nahe dieselbe Rotationszeit um ihre Axe hat.Aber die große Neigung ihres Aequators gegen ihre Bahnwird allein hinreichen, eine beträchtliche Verschiedenheit zwi-