der Optick. 973
gebrochen werden, ſondern einer mehr als der andere;daß die Strahlen des Sonnen⸗Lichts gleichfalls aufverſchiedene Art gebrochen werden, nemlich wieder-um einer mehr als der andere, und daß die Strahlen,welche auf verſchiedene Art gebrochen werden, auchauf verſchiedene Art reflectiret werden. Vid. prop.1. 2.& 3. p. 1344. Wollt ihr das erſte erfahren,ſo nehmet einen breiten Streifen Papier, deſſen Sei-ten parallel ſind, und theilet ihn durch eine Perpendi-cular⸗ Linie in zween gleiche Theile. Faͤrbet das eineStuͤcke roth und das andere blau. Haltet das Pa-pier gegen das Fenſter, daß die ungefaͤrbte Seite ihmentgegen ſtehet/ und ſehet durch ein dreyeckichtes pris-matiſches Glas darnach. Wenn ihr daſſelbe wendet,bis ihr das Papier in der Hoͤhe ſehet, ſo wird durchdie Refraction der blaue Theil hoͤher zu ſeyn ſcheinen,als der rothe. Hingegen, wenn ihr es verkehret, bisihr das Papier niedriger ſehet als es iſt/ ſo wird derblaue Theil niedriger ſtehen als der rothe. Hierausnun ſchlieſſet Newton, daß die blaumachenden Strah—-len mehr gebrochen werden als die rothen. Er hatferner dergleichen Papier mit einem Silber-Fadenhin und wieder uͤberwunden, es mit einem hellenLichte des Abends erleuchtet in der Weite von 6Schuhen ein geſchliffenes und rundes Glas dagegengehalten, und gemercket, daß man das weiſſe Papierhinter dem Glaſe weiter hinaus ruͤcken muß, wenn ſichder rothe Theil deutlich darſtellen ſoll, als wenn manden blauen verlanget. Das andere befeſtiget er durchfolgende Erfahrung. Er haͤlt das prismatiſche Glasdergeſtalt gegen das Loch in dem Fenſter Laden desver-finſterten Zimmers, daß der Sonnen⸗Strahl, welcherdadurch hinein faͤllt, mit der Axe des Glaſes einenrechten Winckel macht. Denn wendet er das Glas auf-und niederwarts, bis das Bild von dem Loche baldauf, bald niederſteiget. Wenn es zwiſchen dieſen bey-den Bewegungen ſtille ſtehet, ſo haͤlt er das Glas feſte,weil alsdenn der Strahl im Eingange in das Glaseben