Buch 
Kurt Sprengel... Von dem Bau und der Natur der Gewächse
Entstehung
Seite
299
JPEG-Download
 

Erscheinungen d. PflanzenlebenS. H. 56. 299

Zusammenziehung bewirken, dies auf chemische Art zuthun scheinen. Daher erdachte Senebicr eine neueHypothese, die, wie er bescheiden gesteht, vielleicht einneuer Irrthum sey, daß nämlich die Pflanzen - Fasern,nach Art der gedrehten Seile, hygroskopisch wirke»,daß sie sich in trocknem Zustande zusammen zieh», undin der Nässe erschlaffen und ausdehnen. Das Aus-trocknen wird durch Sonnenlicht, Wärme und Windhervorgebracht. Doch muß man dasselbe nicht in demGrade bey den Gewächsen annehmen, als bey todtenHygrometern; die Entwickelung der Theile, meintSen edier, der Nicderschlag der Nahrungsstoffeund die Verdunstung machen den neu andringendenSäften zum Aufsteigen Platz. Da er sieht, daß manihm den Einwurf machen könne, warum abgestorbenePflanzen sich durch Wasser nicht wieder beleben, wennsie gleich ihre hygroskopische Kraft noch behalten ha-ben: so sucht er dieser Einwendung dadurch entgegenzu kommen, daß er Zerstörung der Kanäle, unterbro-chene Verbindung derselben annimmt, ungeachtet erselbst vorher gesagt halte, das Fasernetz vielmehr alsdie hohlen Kanäle bringen die Säfte zum Aufsteigen.Andere Einwendungen, die ihm Saussure gemacht,sucht er ebenfalls durch willkürliche Annahmen zu ent-kräften. Saussure hatte nämlich gefragt: was es mitden Pflanzen, die unter dem Wasser wachsen, für ei-ne Bewandniß habe. Senebier antwortet: dieKohlensäure, die sie anzichn, zersetzt sich auch in ihnen,und bildet leere Räume, die das Wasser aufnehmen;auch dünsten Pflanzen unter dem Wasser allerdings aus.