Erscheinungen d. Pflanzenlcbens. §.64. 349
so lange er lebt, sich kühler anfühlen läßt, als eintrockner, und daß die angenehme Kühlung im Schat-ten eines belaubten Baums gewiß nicht bloß von Ent-ziehung der Sonnenstrahlen entsteht, weil man sichsonst eben so erquickt im Schatten eines Hauses odereiner Wand finden würde. Die Verdünstung einesgroßen Baumes muß äußerst beträchtlich seyn, wenn,nach Woodward's bekanntem Versuch, hundert-mahl mehr durch die Ausdünstung fortgeht, als diePflanze zu ihrer Nahrung verwendet. Daher
muß, nach den obcn S. 6 z. angegebenen Regeln, dieTemperatur des Gewächses desto mehr abnehmen, jemehr es ausdünstet.
Daß die Pflanzen der äußern Kälte widerstehn,daß in kalten Wintern und in der Polar-Zone, bey ei-ner Kälte von — 20—25° Fahr. viele Bäume dennochnicht erfrieren, davon hat man den Grund in einemeigenthümlichen Vermögen der Pflanzen Wärme zuerzeugen gesucht, und zu dem Ende Versuche angeführt,die dies Vermögen beweisen sollen. Huntcr stelltediese Versuche zuerst in neuern Zeiten an. ?') FrischeBaumzweige und Blätter, auf Eis gelegt, sollen diesesleichter aufgethaut haben; allein das Eis thaut wirk-lich eben so schnell von todten Dingen auf, welche
70) rr-merel. 1699. p. lgZ.
71) lrsris-icr. vol. I.XV. ?. H. p. 446. Übersetzt»onCrell in den Versuchen über das Vermögen derPflanzen und Thiere, Wärme zu erzeugen. Aus demEngl . Hclmst. 177z. S. 15 —28.