Buch 
Der Hansabund / von Gustav Gallois
Entstehung
Seite
148
JPEG-Download
 

148

Frevelthaten.

(3. Abschnitt.

sie dann wieder an die Bergener verhökerten. Christoph's Statthalter,Olus Meisen, hatte zu Bergen einige Abgabenerhöhungen eingeführt,welche indeß aus Beschwerde der Hansen wieder abgestellt wurden, undeinige Kaper in der schwedisch- dänischen Fehde gegen die Hanseatenunterstützt, wohl mit geheimer Billigung der Könige Christoph undChristian I. Darüber machten die Deutschen einen Aufruhr zu Bergen,verfolgten den in das Munkeles- Kloster flüchtenden Statthalter, ließensich durch die Fürsprache des Bischofs Torles nicht beschwichtigen, son-dern legten Feuer an das Kloster, in welchem der Bischof, der Statt-halter, einige Domherren und 60 andere Leute umkamen (1455).Dessenungeachtet wagte Christian I. nicht, die Uebelthäter zu bestrafenoder den Hansen ihre Privilegien vorzuenthalten; er mußte sich mit derWiederherstellung von Kirche und Kloster, sowie der Erkauftmg von Ab-laß für die erschlagenen Priester abseilen des Comtoirs begnügen.Die Verwandten der letztem suchten ihre Blutrache im Kapem gegendie Hansen zu stillen, allein die ausgesandten Schiffer wurden in Lübeckals gemeine Piraten gerichtet und jene Verwandten mußten gegen Zah-lung von 7000 Mark dänisch mittelst einer Urphede ihrer Rache entsagen.

Die Hansen gebrauchten ihre großen Geldmittel auch zu Bestechun-gen der nordischen Großen; der Erzbischof von Drontheim wurde ihrFürredner im Reichsrathe, er zeigte, wie man die Fremden nicht wohlentbehren möge und erwirkte, daß ungeachtet des Widerspruches EinigerKönig und Reichsrath die hansischen Monopolien bestätigten, die Deutschenlediglich zur Friedfertigkeit und zur ehrlichen Zahlung der königlichenGesälle ermahnend. Es war in der That schwer, jene Sonderrechte zubeschränken, da man für den von den Hansen bewirkten Umsatz keineEntschädigung finden mochte, und die mit den Deutschen in Verbindungstehenden Inländer jenen gewogen waren, was namentlich von den Weibemin Bergen galt. Ein ganzes Stadtquartier stöhnte in Lusthäusern denGierden jener mönchischen Kaufleute, welche sich bei den Weibern mitGunst und Geld beliebt zu machen wußten, und hinter dem ganzen An-hange von Gesinde!, welchen sie hatten, stand die imposante Macht derBundesstädte bereit, jede Verletzung des Monopols zu ahnden. KönigChristoph versuchte freilich noch die Concurrenz der Holländer und Eng-