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der in der obern Lufft erzeugten Dinge. 123
Es wird aber hierbey gefragt/ Erſtlichen: Warum die Sonnen⸗Striche gegen und
hahe bey dem Erdboden breiter ſeyen? Antwort: Weilen die Strahlen/ die aus dem gegen-
erſtehenden Sonnen⸗Rand ausgehen/ in natuͤrlichen Verſtand(ſenlu phyſco) nicht pa-
dallel oder gleich hinlauffen/ ſondern je mehr ſie fortgehen/ je weiter ſich aus⸗ und von einan-
zer breiten; ohngeachtet hergegen die aus einerley Punct der Sonnen ausgehende Strahlenin natuͤrlichen Verſtand fuͤr parallel und gleichfortlauffend gehalten werden.
Iweytens: Um welche Zeit die Sonnen⸗Striche erſcheinen und was ſie bedeuten?Antwort: Man ſiehet ſie meiſtentheils um die Morgen⸗ und Abend⸗Stunde; Wann nehm-lchen die Sonne die Mater' der Wolcken durch ihre Strahlen nicht leichtlich verzehren kan.
m uͤbrigen ſeynd ſie allezeit ein Zeichen eines folgenden Regen⸗Wetters; weilen der groͤſteheil der Wolcke voll Waſſers/ und dahero deſto ſtaͤrcker und dicker iſt; auch ſich hernachbald zu tropffen auftöſet/ und in einen Regen ergieſſet. N
9. z. Dir eben Sonne wird nicht unrecht beſchrieben/ das ſie der Sonnen Hild-nuß ſeye/ ſo neben derſelben in einer Wolcke erſcheine. Die Griechen und nach ſelbigenie Lateiner nennen ſie Parelion, vom gra und, das iſt/ neben der Sonne; weilenie ſowohl dem Glantz/ als der Figur nach der Sonne gleichet.
9. 4. Der leben Some Subjectum oder Materi iſt eine Wolcke; welche aber ſeynmuß; Erſtlich: dick/ damit ſie die Sonnen⸗Strahlen nicht voͤllig hindurch gehen laſſe/ ſon-Ben die aufgefangene Sonnen-Geſtalt behalte/ und nach Art eines Spiegels/ von deme dieWüdnuſſen zuruck gebogen werden, beſchlieſſe: Dann die Bilder pflegen nicht zuruck zuprel-
wann ſie nicht auf etwas anſtoſſen/ darvon ſie an ihrem weitern Fortgang aufgehaltenwerden; Welcher Urſachen halber man auch die glaͤſern Spiegel von hinten mit Bley uͤber-lehet. Zweytens: Glatt und eben weilen ungleiche/ rauche und unreine Wolcken darzunicht tauglich ſeynd; allermaſſen bey uns ebenfalls rauhe/ befleckte und unpolirte Dinge kei-d5 Bildnuß annebmen und vorſtellen konnen. Drittens: Sillſtehend und unde icann wann die Wolcke nicht ſtill ſtuͤnde/ ſo koͤnnte die Sonne wegen der Bewegung ihr Bild-uß nicht darein werffen/ ſondern daſſelbe wuͤrde zerſtreuet werden gleichwie ſolches an einemewegten Waſſer abzunehmen/ darinnen die Vildnuſſen der Dinge ſich untereinander verwir-den und zerſtohren. Vierdtens: Waͤſſerig und feucht; weilen in dergleichen Wolcken derOonnen Bild unſchwer zuruck ſtrahlt; Eben wie auch in dem Waſſer/ welches gleicher Na-fl anit den Wolcken iſt/ die Bildnuſſen herausſcheinen. Und dann Fuͤnfftens: Muß die-fle der Sonne zur Seite und ſchreghin/ das iſt nach Suden und Norden(die da gleich-am die Seiten der von Aufgang nach dem Untergang lauffenden Sonnen ſeynd) entgegenfn 9/ damit ſie das gantze und völlige Bild der Sonnen einnehmen und wieder zuruck werf-den konne: Dann nachdem die in der Wolcke zuruck gebrochne Sonnen⸗Strahlen/ ſowohlB. Bild/ als die Farbe der Sonnen unſren Geſicht vorſtellen; ſo haben wir der Sonnenld darinnen nicht anders als in einem klaren und ſtillen Waſſer zu beſchauen.8 9.. Die Neben Sonnen koͤnnen weder unter noch nahe/ bey oder weit vonhen Jonnen und gerad gegen üͤber erzeugt werden: Das Erſte mag darum nicht geſche-en/ weilen die Sonne die ihr ſo nah ſtehende Wolcke zertheilen wuͤrde; das Andere kan deß-odcen nicht ſeyn/ weilen wegen der weiten Entfernung und Schwachheit unſers Geſichts keineer eine gar geringe keflexion oder Zuruckprellung und Bild⸗Eintruckung ſich ergeben wuͤrde.mei; Man moͤchte aber fragen: wie viel es Neben⸗Sonnen zu geben pflege? Antwort: Ge-Suiglich zwey; Obwohlen es geſchehen kan/ das nicht nur zwey/ ſondern auch wohl mehrWelten erſcheinen. Dann es iſt nicht unmoͤglich/ das etliche Wolcken auf obbeſchriebene Art undeiß dergeſtalten zuſtehen kommen/ daß die auf eine derſelben erſtreckte Sonnen⸗Bildnußhee andre Bildnuß in eine andere Wolcke/ und dieſe wiederum in eine andere eindrucke. Da-t ro wurden einsmahls drey Sonnen geſehen; Alſo daß die wahrhaffte Sonne auf jeder Sei-wie de andere neben ſich ſtehen hatte: Dergleichen ſich zu Cammerich ſolle zugetragen haben 0die rodoardus bezeuget. Anno 1628. den 20. Mertzen ſeynd zu Rom 4. Sonnen erſchienen/be das Gaſſendi Bericht nach ſich folgends in weiſe Wolcken verwandelt haben. So ſchrei-15 duch ihrer etliche das man zu Dietmarſen fuͤnff Sonnen geſehen. XIihychius aber ver-det/ das der Koͤnig in Pohlen einsmals ſechs Sonnen zugleich wahrgenommen habe.de nrcgleichen Cardanus ebenfalls erzehlet/ und noch dieſes beygerucket; ſelbige Sonnen haͤttenteſcheſſen klar und hell geleuchtet/ das man ſie von der rechten wahrhafften Sonne nicht un-heiden koͤnnen. n. öder Hierauf entſtehet ein Zweiffel; ob dasjenige/ was man ſiehet/ das Liecht ſeye/ ſo im?5 Wolcken zuruck gebrochen wird; oder aber ob es die Sonne ſelbſten ſeye/ die aus der Wol-wie aus einem Spiegel zuruck ſcheine?
9. 6. Es iſt glaublich/ das 47 die Sonne ſelbſten ſeye/ die man in der Wolcke/— 2 wie