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Meteorologia philosophico-politica, das ist, Philosophische und politische Beschreib- und Erklärung der meteorischen oder in der obern Lufft erzeugten Dinge / in zwölf zerschiednen aus meteorologischen Fragen und politischen Schluss-Reden bestehenden, wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen sonderbahren Fleisses ehedem verfasst durch ehrw. P. Franciscum Reinzer, S.J.AA.LL. & phil. D. & Prof. ord. in Gymn. Lincensi &c.
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157
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er

der in der obern Lufft erzeugten Dinge. 1

ſtiler ruhe lieget; zu weilen aber hie unten das oberſte zu unterſt kehren/ da doch inzwiſchenin der Hoͤhe nicht die geringſte Unruhe verſpuͤhret wird.

Es kan aber die Meynung von der Verduͤnnerung/ ſo mir abſonderlich wohl eingehet/mit zwey Exempeln dargethan/ und erklaͤret werden; Das erſte Exempel iſt von denen Me-talenen Canonen oder Stuͤcken genommen; aus welchen daß eingeſchloſſene Feuer mit groſſer

ewalt heraus faͤhret/ nachdem es nemlich ſich weiters ausgebreitet/ und einfolglich einengroſſen Raum keſerdett Dahero dann durch die Verduͤnnerung deß Feuers indem gegendem Mund⸗Loch deß Geſchuͤtzes uͤberſtehendem Spatio oder Raum der bekannte voͤllige Knall/wie auch die ſchrege Bewegung gewuͤrcket wird. Und eben auf ſolche Weiß kan nicht minderdie eingeſchloſſe Außduͤnſtung/ oder das Waſſer in denen Erden⸗Hoͤhlen/ wann ſich ſelbigeverduͤnnern/ und aus ſolchen engen Orten herausgehen/ ſchregs und zwerchhin beweget wer-den. Daß andere Exempel/ ſo ſich noch beſſer ſchicket gibt Vitruvius folgender maſſen andie Hand: Man verfertiget eherne und hohle Wind⸗Kugeln mit einem ſehr engen Loͤchlein/wodurch man Waſſer hinein gieſſen kan; und leget ſelbige zu dem Feuer: Wann ſie nun an-fangen heiß zu werden/ ſo erregen dieſelbe ein Geblaͤß/ ſo gaͤntzlich einem Wind gleichet. Auswelcher kleinen und gar kurtzen Augen⸗Luſt man demnach von den groſſen Bewegungen deßHimmels und der Winde zu urtheilen hat: Dann gleichwie das in beſagter ehernen Kugel duͤnnſrpochte Waſſer durch daß enge Loͤchlein außduͤnſtet; alſo werden auch die Lufft/ das Waſ-er/ und die Außduͤnſtung durch eine ſchnelle Verduͤnnerung zu einem Wind; wiewohlen/wie ich oben erinnert/ dieſe Verduͤnnerung eben nicht die eigentliche Urſache der Winde iſt.Sonſten hat Kircherus eine dergleichen Kugel auf einem Kuchen⸗Heerd alſo angebracht/ daßer darmit 6. Pfund Fleiſch an einem Spieß bey dein Feuer umgetrieben und gebraten hat.

n Hieraus nun laͤſt ſich ſchlieſſen/ daß unterweilen die Lufft auch von einem Fluß/ oder

anem andern abrinnenden Waſſer koͤnne bewegt/ und mit demſelben fortgeriſſen werden:Wie man dann ſolches aus der Erfahrung an denen Oefen erſiehet/ in welchen man ohneVlaß⸗Baͤlge zu Aufbringung eines Feuers einen ſtarcken Wind auf dieſe Weiſe zu erweckenpfeget: Es wird das von einem hohen Ort mit Gewalt abſtuͤrtzende Waſſer in einem hoͤltzernCanal oder Rinne alſo aufgefangen/ daß ſelbiges doch erdeuten Canal nicht vollig ausfüͤllet ſon-dern darinn noch einiger leere Platz uͤbrig verbleibet: Alsdann leitet man das Mund⸗Loch derRinne in ein Geſchirr/ ſo unten durchbrochen iſt; und verſchaffet/ daß das Waſſer mit ge-walt darein falle. Worauf es geſchiehet/ daß die Lufft/ ſo auf dem Waſſer lieget/ mit ſamtdemſelbigen in gedachtes Geſchirr Tuff nac; und weilen der Canal an ſeinem obern Theil zim̃-ich weit iſt/ auch immerdar eine Lufft nach der andern mit dem abfallenden Waſſer zugleich

itgehet/ ſo wird dieſelbe wende in dem Geſchirr gedruckt/ und durch eine in den Ofen rei-chende Roͤhre auf das Feuer dergeſtalten angetrieben/ daß ſie daſſelbe weit ſtaͤrcker aufblaͤſet/als es mit Blaß⸗Baͤlgen nicht geſchehen koͤnte. Das Waſſer aber lauffet hernach aus demdurch ebrochnen Boden deß Geſchirrs weiter fort/ damit das andere nachflieſſende Waſſerauch Platz und Naum bekommen möge.

Hier faͤllt noch die Frage vor/ Erſtlichen: Warum der Wind/ ungeachtet er ſichanfangs nach unterſchiedlichen Orten und Seiten beweget/ nachmals jedoch ſeine Bewegunglr nach einem einigen Ort hinrichte 2, Antwort: Es kan bißweilen dahero entſtehen/ Erſt-ichen: Daß die Außduͤnſtung/ die tuͤchtig und geſchickt ſcc einen ſtetigen Wind zu machen/nur auf eine einige Seite/ zum Exempel/ auf die Rechte/ ſich fort und fort ausbreitet. Iwey-dens: Mag es dahero ruͤhren daß die Au duͤnſtung etwa von einer Seite durch eine Hin-derung zuruckgetrieben wird; Zum Exempel: wann die Außduͤnſtung gegen die Seite einesNags anſtoſſet und ſich beweget/ ſo wird ſie von ſelben zuruck getrieben/ und kan alſo ihreDewegung gegen die Seiten deß on nicht weiter fortſetzen: Sie wird aber zu Zeiten/ wieſchon gemeldet/ auch von einer Wolcke eben alſo zuruck getrieben. Hergegen ſo es ſich be-

ibt/ daß die Auß dünſtung nach allen Seiten ach ausgebreitet wird/ und keine Hindernu

ndet; ſo wird ſie ebenfalls ſich nach vielen Seiten bewegen: Dann gleichwie von einer Quediel, alſo koͤnnen auch aus einer Außduͤnſtung viel Winde entſtehen; und damit wirdieſem Gleichnuß verbleiben/ wie das Waſſer aus einem Brunnen nach vielen Seiten undWilen hin kan geleiket werden; da ſelbiges hier in Ermanglung immerwehrenden Zufluſſeserſieget und eintrocknet; dorten aber/ weilen noch mehr anderes Waſſer darzu komt/ mu ei-ſun groſſen Fluß und Strohm erwaͤchſet; alſo hat man ſich eben dergleichen bey der Außduͤn-

9 einzubilden.

WI Swweßrene: Auf was Art und Weiß der Wind aufhoͤre zu wehen? Antwort: Derfe ind laͤſſet nach/ Erſtlichen; wann die Außduͤnſtung/ nachdem ſie von dem Regen be-uchtet worden/ ihre Geſchicklichkeit zur Bewegung verliehret. Zweytens; wann dünſtun-3 Im

Vitruv. i,1. c. 6.