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Am ersten May wird, wenn das Wetter nicht un-freundlich ist, mit dem Scheeren angefangen; dennwenn das Wetter naß wäre, so würde die auf einandergehäufte Wolle, wegen der Feuchtigkeit, sich ansteckenund verfaulen. Dieses zu verhüten, werden die Schafean bedeckten Orten geschoren Sie haben zu dem EndeHütten, worinn zwanzigtausend zugleich Plah haben;dieses ist auch desto nöthiger, da die Schafe so zart sind,daß sie gewiß umkommen würden, wenn sie nach derSchur gleich in die kalte Luft kämen.
Hundert und fünfzig Mann werden dazu erfordert,tausend Schafe zu scheeren. Man rechnet auf jedendes Tages acht Schafe, aber nur fünf Böcke; nicht,weil sie größer sind und mehr Wolle haben, sondernweil sie unbändiger sind, und es Mühe kostet, sie inRuhe zu erhalten: denn wenn der Bock fühlt, daß ergebunden ist, so wird er so ergrimmt, daß er sich wür-gen möchte: daher suchen sie mit Streicheln und Lieb-kosen ihn bey guter Laune zu erhalten, und dadurch,und daß sie Schafe zu ihm führen, bringen sie ihn da-hin , daß er stille steht und sich willig scheeren läßt.
Wenn inan die Schafe scheeren will, so führt mansie auf einen großen Hofplatz, und von bannen in einSchwihhauS, welches ein enger Platz ist, wo sie so dichtals möglich neben einander stehen, damit sie stark aus-dünsten; hierdurch wird die Wolle sanfter und leichterzu scheeren. Besonders ist diese Vorsicht bey den Bö-cken nöthig, deren Wolle härter ist. Die Schur wirdin drey Gattungen getheilt. Der Bauch und Rückengeben die allerfeinste, der Hals und die Seiten die seine,und die Brust, Schultern und Schenkel die grobeWolle.
Hierauf werden die Schafe nach einem andern Platzgebracht, gezeichnet, und nach den Zähnen gesehen, denndie, welchen diese fehlen, werden zum Schlachten be-stimmt.