57
stimmt. Die andern werden, wenn es die Witterungerlaubt, auf die Weide geführt, oder sie bleiben in denStall, bis sie allmählich der Luft gewohnt werden.Wenn man sie nach ihrem Willen weiden laßt, fo su-chen sie das feinste Gras aus, und ziehen dasselbe vor.Aromatisch^ Pflanzen berühren sie nie, wenn sie solcheauch im Ueberfluß finden. Wenn der Quendel zwischendem Grase steht, wissen sie ihn mit großer Behendigkeitdavon abzusondern, vermeiden ihn, und suchen gierigsolche Plähe, wo keiner ist.
Wenn der Schäfer Regen vermuthet, so giebt erden Hunden ein Zeichen, die Heerde zusammenzutrei-ben, und er führt sie dahin, wo sie Schuh finden. Danun bey solcher Gelegenheit die Schafe nicht Zeit ha-ben, ihr Futter zu suchen, so fressen sie alles, was ihnenvorkömmt, Thymian, Rosmarin u. s.w. und alle Kräu-ter ohne Unterschied, sogar giftige, als BilsenkrautsSchierling und Mohn *), besonders wenn sie erst kürz-lich geschoren sind. Wenn die Schafe aromatischePflanzen liebten, so würden sie den Eignern von Bie-nenstöcken Schaden thun, denn sie würden die Nahrung.der Bienen, aus denen sie Wachs und Honig ziehen,verzehren. Sie kommen nie aus ihren Hürden, ehedie Sonnenstrahlen den Thau der Nacht an sich gezo-gen haben, auch läßt man sie aus keinem Bach oderstehenden Wasser trinken, wenn es gehagelt hat; denndie Erfahrung hat gelehrt, daß man in solchen FallenGefahr läuft, sie alle zu verlieren. Die andalusischeWolle ist grob, weil die Schafe nie die Himmelsgegendverändern, wie die Merinoschafe, deren Wolle eben-falls ausarten würde, wenn sie auf einer Stelle blieben,
D Z so
*) In der französischen Übersetzung des Bowles sieht »m»-
xvle.